Ein digitales Dashboard mit Kennzahlen und Diagrammen, dessen Datenströme zu einem modernen Bürogebäude führen, das mit Symbolen für Gebäudetechnik, Beleuchtung, Klima, Sicherheit und Energiemanagement beschriftet ist

Reporting zeigt die Realität, verändert sie aber nicht von allein

Jeden März planen wir die Strategie für die kommenden drei Jahre. Die Grundlage dafür sind Zahlen, die ich das Jahr über rapportiert habe. Zwei Dinge sind mir dabei klar geworden. Kein Bericht sagt mir, wo wir in drei Jahren stehen. Und je höher der Druck, desto schöner werden die Zahlen.

Jedes Jahr im März beginnt bei uns die Mittelfristplanung. Die Strategie aus dem Vorjahr kommt auf den Tisch, wird überprüft, wo nötig revidiert und ein weiteres Jahr wird angehängt. Als Bereichsleiter bei Equans Switzerland AG bringe ich dazu die Zahlen meines Bereichs mit.

Mein Reporting zeigt mir, wie sich meine Geschäftsfelder entwickelt haben, nicht aber, welches davon in drei Jahren noch trägt. Ob ein Markt wächst, eine Technologie kippt oder ein Grosskunde seine Strategie ändert, steht in keinem Bericht. Diese Einschätzung entsteht draussen, beim Kunden und im Markt. Das Reporting sagt mir, wo wir herkommen. Wohin wir gehen, sagt es nicht.

Wenn Zahlen zu Zielen werden

Noch heikler wird es, wenn nicht einmal das Woher stimmt. Gegen Jahresende steigt der Druck, die gesetzten Ziele zu erreichen. Ein Ergebnis wird dann eher optimistisch als vorsichtig dargestellt, bis möglichst viele KPI erfüllt sind. Den Reflex dahinter verstehe ich gut, denn niemand meldet gern nach oben, dass sein Bereich die Erwartungen verfehlt hat. Eine Frage des Charakters ist das nicht. Bereits vor Jahrzehnten hat der Ökonom Charles Goodhart das Muster beschrieben, das heute als Goodharts Gesetz bekannt ist: Sobald eine Kennzahl zum Ziel wird, taugt sie nicht mehr als Kennzahl.

Nur verschwindet dadurch kein Problem, es wandert ins nächste Jahr. Und im März sitzen wir mit einem Jahresabschluss am Tisch, der besser aussieht als die Realität. Die Ergebniszahlen sagen uns, welche Geschäftsfelder tragen und welche wir überschätzen. Zwar sind sie nur ein Teil des Bildes, neben Marktentwicklung und Auftragsbestand, aber es ist der Teil, der zeigt, ob wir tatsächlich Geld verdienen. Ist er geschönt, planen wir drei Jahre auf einer falschen Grundlage.

Ehrliche Zahlen sind Führungsarbeit

Im Executive MBA Luzern vertiefe ich den Themenschwerpunkt Strategisches Controlling & Business Reporting. Meine wichtigste Erkenntnis bisher: Ein Reporting wird nicht dadurch zum Steuerungsinstrument, dass es vollständig ist. Sondern dadurch, dass es ehrlich ist und eine Entscheidung auslöst.

Deshalb rapportiere ich realistisch, auch wenn ich damit Defizite im eigenen Bereich sichtbar mache. Ehrlichkeit allein ändert allerdings kein Anreizsystem. Was ich beeinflussen kann, ist die Reaktion darauf. Wer mir eine schlechte Zahl bringt, soll damit besser fahren als jemand, der sie schönt.

Die beste Kennzahl bleibt wirkungslos, solange niemand handelt. Und die schönste ist wertlos, wenn sie nicht stimmt.

Fabio Farina

Fabio Farina ist stv. Geschäftsführer bei Equans Switzerland AG Mittelland und absolviert zum Zeitpunkt der Publikation den Executive MBA Luzern an der Hochschule Luzern

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