Menstruationsbeschwerden, Endometriose oder Wechseljahre können den Arbeitsalltag von Frauen erheblich beeinflussen. Trotzdem wissen wir erstaunlich wenig darüber und in Unternehmen bleibt das Thema meist unausgesprochen. Dabei braucht es nicht für alles ein neues Gesundheitsprogramm – oft wären mehr Wissen, Offenheit und ein pragmatischer Umgang schon ein grosser Schritt.
Aus eigener Erfahrung weiss ich, wie stark frauenspezifische Beschwerden den Alltag zeitweise beeinflussen können. Ein Myom hat mich über längere Zeit eingeschränkt. An manchen Tagen war die Möglichkeit, von zu Hause zu arbeiten, enorm hilfreich. Und etwas so Banales wie jederzeit verfügbare Hygieneartikel am Arbeitsplatz konnte plötzlich einen echten Unterschied machen.
Diese Erfahrung hat mir vor allem gezeigt, wie wenig wir noch immer über Frauengesundheit wissen – und wie selten wir darüber sprechen. Dabei sind solche Beschwerden alles andere als selten. Rund 75 Prozent der Frauen leiden gemäss HR Today unter Zyklusbeschwerden, die Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit beeinträchtigen können. Was sie dabei belastet, bleibt für ihr Umfeld häufig unsichtbar.
Auch als Führungsperson bin ich solchen Situationen schon mehrfach begegnet. Jedes Mal zeigte sich dasselbe: wie wenig ich über die gesundheitlichen Hintergründe wusste und wie viel schon ein offenes Gespräch und etwas Flexibilität bewirken konnten.
Wissen schafft Verständnis
Besonders deutlich zeigt sich das bei den Wechseljahren. Eine deutsche Befragung von mehr als 2’000 Frauen zeigt: 52 Prozent empfinden die Wechseljahre am Arbeitsplatz weiterhin als Tabuthema. Jede vierte Befragte hat aufgrund ihrer Beschwerden bereits ihre Arbeitszeit reduziert.
Mehr Wissen kann bereits viel verändern. Wer weiss, dass Schlafprobleme, Erschöpfung, Konzentrationsschwierigkeiten oder Hitzewallungen zu den Wechseljahren gehören können, kann Situationen besser einordnen und pragmatische Lösungen finden. Awareness bedeutet nicht, dass Frauen ihre Gesundheit offenlegen müssen – das bleibt Privatsache. Entscheidend ist, dass sie darüber sprechen könnten, ohne Nachteile befürchten zu müssen.
Awareness ist auch eine Führungsaufgabe
Im EMBA beschäftigen wir uns damit, wie Unternehmen auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren und auch in Zukunft attraktive Arbeitgeber bleiben. Und da gehört Frauengesundheit dazu. Das muss nicht mit einem grossen Female-Health-Programm beginnen. Informationsangebote und sensibilisierte Führungskräfte können bereits viel verändern.
Gute Führung bedeutet für mich nicht, für jede Lebenssituation eine neue Regel zu schaffen. Sie beginnt damit, unterschiedliche Realitäten zu kennen und ernst zu nehmen. Davon profitieren nicht nur die betroffenen Frauen: Unternehmen schaffen damit Bedingungen, unter denen erfahrene Mitarbeiterinnen ihr Wissen und ihre Fähigkeiten weiterhin einbringen können. Bei Frauengesundheit wäre mehr Wissen schon ein ziemlich guter Anfang.

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