Geopolitische Konflikte machen Energie und Lieferketten zunehmend unberechenbar – mit direkten Folgen für Schweizer Unternehmen. Wer kritische Abhängigkeiten kennt und rechtzeitig Alternativen vorbereitet, stärkt seine Resilienz und bleibt auch in Krisen handlungsfähig.
Tanken und Heizen sind teurer geworden: Die Weltbank erwartet 2026 rund 24 Prozent höhere Energiepreise. Was Haushalte am Portemonnaie spüren, trifft die Industrie erst recht.
Wir befinden uns in einer geopolitischen Zeitenwende: Seerouten und Handelsbeziehungen sind seit dem Ukraine-Krieg und erst recht seit dem Iran-Krieg 2026 geopolitische Druckmittel. Zwei Nadelöhre belegen das:
- Iran blockiert seit Februar 2026 die Strasse von Hormus – normalerweise Route für rund 20 Prozent des weltweiten Ölhandels. Laut IW Köln fiel das Rohölangebot im März um 10 Prozent, der Preis lag zeitweise 94 Prozent über dem Vorkriegsniveau.
- Parallel eskalieren Huthi-Angriffe im Roten Meer: Der Schiffsverkehr brach laut Kiel Institut von über 100 auf teils 40 Schiffe pro Tag ein.
Die Folge ist immer weniger Berechenbarkeit.
Resilienz beginnt lange vor dem Krisenstab
Wir, die Autoren dieses Artikels, haben einen Background aus Behörden, Militär und Privatwirtschaft. Derzeit absolvieren wir gemeinsam den CAS Krisenmanagement und Organisationale Resilienz an der HSLU und lernen dabei: Resilienz beginnt lange vor dem Krisenstab.
Resilienz im Kontext von Krisenmanagement bedeutet, Krisen zu bewältigen, sich an Veränderungen anzupassen und dabei handlungsfähig zu bleiben oder wieder zu werden. Versorgungssicherheit ist ein zentraler Teil davon.
Wer seine kritischen Abhängigkeiten nicht kennt, verlässt sich auf das Prinzip Hoffnung
Bei einer Arbeit im Rahmen des CAS führten wir für ein Schweizer Unternehmen eine Prozessanalyse durch, mit brisantem Ergebnis: Wesentliche Vorleistungen kommen von wenigen Lieferanten – etwa die Ersatzteile einer zentralen Anlage. Ein längerer Engpass würde den Betrieb nicht sofort, aber spürbar treffen. Geprüft werden nun Bevorratung und Alternativen.
Bei uns zeigt sich eine klare Bilanz: Resilienz ist eine Führungsaufgabe – für Unternehmen wie für Behörden. Wer seine Lieferketten kennt und Alternativen vorbereitet, bleibt handlungsfähig.
