VR-Brille der VR-Anwendung des CAMPUS SURSEE auf einem Transportkoffer.

Fehler machen erlaubt – zumindest virtuell

Virtual Reality ermöglicht es, anspruchsvolle Baustellensituationen gefahrlos zu erleben und richtiges Handeln zu trainieren. Doch erst wenn Technologie, Fachwissen und die Bedürfnisse der Teilnehmenden zusammenkommen, entsteht ein echter Mehrwert für die Weiterbildung.

Es regnet. Vor mir arbeitet ein Bagger am Aushub. Plötzlich platzt ein Hydraulikschlauch, Öl tritt aus. Jetzt muss ich reagieren: erkennen, entscheiden, handeln.

Ich ziehe die VR-Brille ab. Was wie ein Umweltunfall auf einer Baustelle wirkte, fand in einem Bildungsraum am CAMPUS SURSEE statt. Genau darin liegt für mich der didaktische Mehrwert von Virtual Reality: Situationen erlebbar machen, die wir real kaum oder nur mit grossem Aufwand simulieren können.

Virtuelle Baustellenszene mit Bagger bei Regen nach einem Hydrauliköl-Austritt.
In der VR-Anwendung trainieren Teilnehmende, wie sie bei einem Hydrauliköl-Austritt richtig reagieren – praxisnah und ohne reale Umweltschäden. Quelle: AtlasVR AG

Wenn Praxis an Grenzen stösst

Am CAMPUS SURSEE bilden wir jährlich rund 17’000 Baufachleute weiter. Theorie mit Praxis zu verbinden, gehört zu unserem Bildungsverständnis.

Gerade bei Umweltthemen ist das anspruchsvoll. Übungen mit Gefahrenstoffen, Kompressoren oder Baustellenabwasser benötigen Infrastruktur, Vorbereitung und Betreuung. Einen echten Umweltunfall können und wollen wir nicht nachstellen. Deshalb konnte bisher nur ein Teil unserer jährlich rund 900 Teilnehmenden in Umweltkursen solche Situationen praktisch trainieren.

Wenn die Realität ins Klassenzimmer kommt

Hier setzt unsere Virtual-Reality-Anwendung (VR) an. Sie ergänzt den Unterricht dort, wo Situationen sicher und wiederholbar erlebt werden können. Die Teilnehmenden müssen nicht nur wissen, was richtig wäre: Sie müssen erkennen, entscheiden und handeln.

Für mich war von Anfang an klar: VR ist kein Selbstzweck. Die Entwicklung einer solchen Anwendung war sehr aufwändig und hat mir drei Dinge besonders deutlich gezeigt.

Stärken verbinden. VR-Kompetenz allein reicht ebenso wenig wie Fachwissen. Erst das Zusammenspiel von Technologie, Baustellenpraxis und Bildung führte uns zu einer praxistauglichen Lösung.

Nutzende einbeziehen. Ausbildungscoaches und Teilnehmende gaben uns laufend Rückmeldungen. Bei einem nächsten Projekt würde ich ihre Perspektive noch früher in die Entwicklung einbeziehen.

In Etappen entwickeln. Klare Zwischenziele und laufende Tests haben sich bewährt. So erkannten wir früh, was funktioniert und wo Anpassungen nötig waren.

Erst der Nutzen, dann die Technologie

Mein EMBA an der Hochschule Luzern hat diese Erfahrung geschärft. Beim Megatrend Digitale Transformation lernte ich, die Perspektive umzudrehen: Nicht die Technologie steht am Anfang, sondern die Frage, was unsere Teilnehmenden für ihren Bildungserfolg brauchen. Genau daran haben wir auch unsere VR-Anwendung ausgerichtet.

Vom Projekt in den Bildungsalltag

Heute ist die VR-Anwendung Teil unseres Bildungsalltags. Bereits in den ersten zwei Monaten haben rund 250 Teilnehmende damit trainiert.

Mein Fazit: Erfolgreiches Innovationsmanagement beginnt nicht mit der Technologie, sondern mit einem klaren Verständnis der Bedürfnisse und der Fähigkeit, unterschiedliche Kompetenzen gezielt zusammenzubringen.

Oliver Meier

Oliver Meier ist Bereichsleiter Baustellenkader, Mitglied der Bildungsleitung am CAMPUS SURSEE und absolviert zum Zeitpunkt der Publikation den Executive MBA an der Hochschule Luzern.

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