Audience+: Museen und das partizipative Web

Ein Forschungsprojekt der Hochschule Luzern, gefördert durch die KTI

5000 Jahre Kulturgeschichten auf Homepage begraben

30. August 2010 | axel vogelsang | 1 Kommentar

Gestern lief ich an einem Plakat der Stadt Zürich vorbei (s.u.). Es verweist stolz auf “5000 Jahre Kulturgeschichten” im Zusammenhang mit Pfahlbauten, auf welche man bei Bauarbeiten am Zürich See vor der Oper stiess. Ein sensationeller Fund und die Bauarbeiten wurden natürlich erst einmal gestoppt.

Das Plakat verweist auf die Webseite der Stadt Zürich und ich dachte mir, da schau ich doch mal, wie die Stadt Zürich mit diesen Geschichten umgeht. Grundsätzlich finde ich es äusserst positiv, dass die Behörden damit an die Öffentichkeit gehen, denn die  Steuerzahler möchten in der Regel gerne mehr darüber wissen, was mit ihrem Geld passiert. Dazu kommt, dass die Ausgrabungen die Bauarbeiten an einem zentralen Punkt der Stadt um mindestens ein Jahr hinauszögern.

5000_jahre_kulturgeschichten

Es ist auch die Chance ein Vergleich zu ziehen mit einem ähnlichen Fall in London. Lorna Richardson vom Thames Discovery Programme hatte uns beim ersten Workshop einige spannende Dinge über den Gebrauch von Social Media im Bereich Archäologie zu erzählen. Unter anderem ging es um das Prescot Street Project in London, einem grossen innerstädtischen Grabungsprojekt, welches durch ein aufwändiges Blog begleitet wurde. Die beschäftigten Archäologen waren vertraglich zum Bloggen verplichtet.

So ging ich denn gespannt auf die Webseite der Stadt Zürich und auf den ersten Blick schien es mir als hätte man Einiges richtig gemacht: Es gibt spezielle Angebote für Schulklassen, ein Grabungstagebuch , das Bild der Woche und auch eine Übersichtskarte. Schön vor allem die Artikel im Grabungstagebuch. Es gibt da anscheinend eine Kooperation mit dem Tagesanzeiger.ch. Dieser berichtet in einer montäglichen Kolumne über den Fortlauf der Arbeiten. Die Artikel sind allesamt professionell und launig geschrieben und berichten jeweils aus der Perspektive von beteiligten Spezialisten. Keine Ahnung übrigens warum man diese Artikel auf der Webseite des Tagesanzeiger nicht findet.

Das Problem mit der ganzen Aktion jedoch ist, dass man diese auch auf der Seite der Stadt Zürich kaum oder gar nicht findet. Die ganzen schönen Texte und Bilder wurden irgendwo in einer Unterseite  des Hochbaudepartements buchstäblich vergraben. Es gibt dort keinen Feed. Man nutzt neue digitale Medien, aber denkt ganz offensichtlich noch in Kategorien klassicher Medien. Es wird Geld für teure 4-farbig gedruckte Poster ausgegeben um die URL zu progagieren, anstatt dass man sich sozialer Medien bedient. Mit wenig Aufwand könnte man die Inhalte auf ein Blog transferieren und mit einem Facebook- und einem Flickr-Account verlinken können. Die Karte, die im Moment ein statisches Bild ist, könnte mittels Google-Maps erstellt und damit dynamisch und wesentlich umfangreicher gestaltet werden. Mit Sicherheit hätte man in kürzester Zeit ordentlichen Traffic. Das käme sowohl dem Tagesanzeiger als auch der Stadt Zürich entgegen. Der Wartungsaufwand für die Stadt wäre vergleichsweise gering und die Inhalte liefert der Tagesanzeiger.

Dieses Beispiel zeigt bei aller Kritik aber auch interessante Perspektiven auf für andere Institutionen. Die Grabungen an der Oper bieten jede Menge interessante Geschichten und der Tagesanzeiger hat diese anscheinend gerne aufgenommen. Wir hören immer wieder, dass kulturelle Einrichtungen keine Ressourcen hätten für Social Media Projekte. Wenn das tatsächlich so ist, dann wäre es sicher den Versuch Wert, mit einer interessante Storyline an die entsprechenden Medien heranzutreten (TV Sender, Radio, Zeitungen) (zum Thema Storylines siehe auch diesen Artikel). Wenn man eine Geschichte/Thema hat, dass über längere Zeit tragfähig ist und spannend erzählt werden kann, dann müsste man ein Konzept entwickeln, welches die gleichzeitige Verwertung der Artikel/Filme/Bilder sowohl in dem jeweiligen Partnermedium als auch auf entsprechenden Social Media Plattformen ermöglicht. In letzter Konsequenz müsste diese Art von Einbindung klassischer Medien dann natürlich auch Teil der Social Media Strategie werden.

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Fallstudie: Facebook und der Umgang mit übergeordneten Behörden und Verwaltungen

16. August 2010 | axel vogelsang | 1 Kommentar

Auf dem Blog der englischen museums computer group gibt es eine interessante Fallstudie zum Thema Facebook und wie man als Institution mit der übergeordneten Verwaltung umgeht. Einige unserer Projektpartner haben wie berichtet diverse Probleme mit ihren vorgesetzten Behörden gehabt, bis zum absoluten Facebook-Verbot. Rick Lawrence vom Royal Albert Memorial Museum and Art Gallery in Exeter beschreibt, wie sie sich dem Thema angenommen haben. Der wohl wichtigste Punkt: am Anfang wurde ein Businesscase (Geschäftsszenario) erarbeitet und den entsprechenden Gremien vorgelegt. Das hatte interessante Folgen: kurz darauf beschlossen die lokalen Behörden eine Social Media Strategie zu entwickeln. Da Lawrence offensichtlich der Erste war, der sich mit so etwas auseinandergesetzt hatte, bat man ihn in das Entwicklungsgremium. Insofern hatte das Museum eine Vorreiterrolle. Das könnte eventuell auch ein Weg sein für Institutionen in Deutschland und der Schweiz. Indem man den zuständigen Verwaltungsgremien eine Social Media Strategie vorlegt, könnte man vielleicht den ein oder anderen Stein ins Rollen bekommen. Natürlich könnte das auch nach hinten losgehen, da man wahrscheinlich schlafende Hunde weckt. Unsere Einschätzung ist jedoch, dass auch Behörden langfristig nicht um eine Social Media Strategie herumkommen.

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Museums and Mobiles in the Age of Social Media

4. August 2010 | axel vogelsang | 2 Kommentare

Die Tate Modern in London richtet am 07.09 ein Symposium aus, bei dem es um Mobiltelefone als Mittel zur Kommunikation im Museum geht. Wie kann man mittels mobiler Endgeräte eine spannende und interessante Museumserfahrung schaffen? Mehr Infos zur Handheld Conference gibt es hier. Im Hintergrund dieser Veranstaltung läuft ein interessantes Projekt, welches versucht, Standards für mobile Inhalte im Museumskontext zu schaffen.

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Smartphone Apps in Museen

23. Juli 2010 | axel vogelsang | 3 Kommentare

Ines Gütt hat ihre Bachelorarbeit “App: Smartphone-Applikationen im Museumsbereich” (HTW Berlin, Studiengang Museumskunde) online gestellt. Die Arbeit gibt einen interessanten Überblick über 46 Museum-Apps weltweit, die bis zum 20. April 2010 veröffentlicht wurden.

Während die grossen Museen in den USA smartphones vielfältig nutzen, “um ihre Geschichten auf neue Art und Weise zu erzählen”, wie die New York Times schreibt, sind mobile Anwendungen für Museen in Europa eher die Ausnahme. Der Trend geht sicherlich auch bei uns in die Richtung, dass Internetangebote von Museen auf mobilen Geräten zugänglich gemacht werden. Gütt weisst jedoch zurecht darauf hin, dass sich erst noch zeigen muss, ob das App, sprich die spezifische Smartphone-Applikation, einen festen Platz in der Museumswelt finden wird, oder ein Nischenprodukt bleiben wird. Der Knackpunkt ist sicherlich, ob es den Museen gelingt, über Apps Mehrwerte zu generieren zum Beispiel über die Einbindung sozialer Netzwerke und Interaktion mit dem Publikum. Wenn dies nicht gelingt oder nicht gewünscht ist, ist es sicherlich einfacher und kostengünstiger, bereits vorhandene Informationen auf mobile Webseiten umzurüsten oder Podcasts anzubieten. Und wenn man es macht, sollte man es vor allem richtig machen: Mangelnde Usability und Programmfehler seien die Ursache für schlechte Bewertungen von Apps, die dann wiederum auf die Institutionen zurückfallen.

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Welchen Einfluss hat Technologie auf die Nutzung von Kulturangeboten?

21. Juli 2010 | axel vogelsang | 1 Kommentar

Die NEA (National Endowment for the Arts – Nationale Kunststfitung der USA) hat vor kurzem eine interessante Studie herausgebracht (Zeitraum: Mai 2007- April 2008) zu der Frage, wie Technologie die Partizipiation in der Kunst beinflusst. Vorab, Partizipation in diesem Kontext meint Teilnahme im weitesten Sinne, also das Hören, Betrachten und Lesen von Kulturangeboten. Es wurden dabei vor allem sogenannte “Benchmark” – Künste betrachtet: Jazz, klassische Musik, Oper, Theater, Ballett und die bildenden Künste, also das was man in Deutsch gemeinhin als E-Kultur betrachtet.

Die wohl wichtigste Erkenntniss: Die durch elektronische Medien vermittelte Teilnahme an Kunst scheint das leibhaftige Erleben vor Ort nicht zu ersetzen. Im Gegenteil, diese Medien stimulieren die Teilnahme an Live-Events. Diejenigen U.S. Amerikaner, die “Benchmark”-Kunst via elektronische Medien konsumieren (immerhin 37%), besuchen mit doppelt so grosser Wahrscheinlichkeit auch einen Live Event.

Es gibt allerdings auch Menschen, die “Benchmark”-Kultur ausschliesslich mittels elektronischer Medien wahrnehmen. Dabei handelt es sich jedoch zumeisst um Gruppen, die sich Live E-Kultur entweder nicht leisten können oder zu weit von entsprechenden Institutionen entfernt wohnen. Für dieses Publikum sind elektronische Medien oftmals der einzige Zugang zur sogenannten Hochkultur.

Interessant vielleicht auch noch, dass immerhin 21% der U.S. Amerikaner (46 Millionen Erwachsene) im genannten Zeitraum Literatur oder Poesie mittels elektronischer Medien gelesen haben. Es sind vor allem junge Menschen, die den Zugang zur schriftlichen Kunst über digitale Medien finden.

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Risiken und Problematiken: Social Media im Museumskontext (Workshop IV)

16. Juli 2010 | axel vogelsang | 1 Kommentar

Kommunikation darf nicht zum Selbstzweck werden. Das eigentlich Ziel aller Museeumskommunikation ist letztendlich, dass der Besucher zum Objekt kommt. Aber auch da gibts manchmal Missverständnisse. Einer unserer Workshop-Teilnahmer berichtete über Bilder, die er auf Flickr gefunden hatte. Aus einigen Bildern war klar erkenntlich, dass der Fotograf, um der besseren Perspektive willen, das Objekt bestiegen hatte. Hier einige weitere Brennpunkte der Diskussion über Risiken und Problematiken der Museumskommunikation anlässlich unseres vierten Workshops:

Social Media und Corporate Identity
Soziale Medien haben in Schweizer Institutionen und gerade auch im Museumskontext einen nicht allzuguten Ruf. Das grundsätzliche Problem liegt wohl darin, dass gerade im mitteleuropäischen Raum die Trennung zwischen Hochkultur und Populärkultur nach wie vor Gültigkeit hat. Dass Museen sich in der Kommunikation der populistischen sozialen Medien bedienen, hat an sich schon etwas Anrüchiges.
Auf der anderen Seite jedoch haben Museen eine Corporate Identity und professionelle Ansprüche, die nach wie vor gerechtfertigt sind. Deswegen müssen Museen sich Gedanken darüber machen, wie der Gebrauch von sozialen Medien das Fremdbild der Institution beinflusst. Es kann durchaus Sinn machen, den Einsatz sozialer Medien klar von der übrigen Kommunikation zu trennen. Wichtig ist jedoch vor allem, dass man eine eindeutige Social Media Policy entwickelt.

Skepsis der eigenen Mitarbeiter
Unter Mitarbeitern gibt es hin und wieder die Meinung: “Facebook & Co als Kanal für die Institution okay, aber nichts für mich persönlich”. Am skeptischsten sind oft diejenigen, welche kaum mal social media benutzen. Diese Menschen bekommen oftmals nur die relativ schlechte Presse der Social Media in Bezug auf Datensicherheit mit. Dem kann man am Besten entgegenkommen, in dem man einen klaren Nutzen von sozialen Medien im Rahmen der Gesamtstrategie der Institution aufzeigt und ein realistisches Bild über die wirklichen Risiken vermittelt

Umgang mit Sponsoren und Förderern
Diese gehören oft einer Generation an, die dem Gebrauch von sozialen Medien per se eher indifferent oder skeptisch gegenüber steht, aus ähnlichen Gründen wie die Mitarbeiter (s.o.). Auch hier gilt: die entsprechenden Personen aktiv über die Ziele der Vorhaben informieren.

Professionelle Kontakte und Social Media
Ein im Gesamtkontext zu vernachlässigendes Problem, dass jedoch recht interessant ist, stellt die Skepsis der alten Eliten von Technik- und Kommunikation dar. Man erinnere sich nur an den Ausfall von Agenturinhaber Remy von Matt, der die Blogs als “Klowände des Internets” bezeichnete. Ähnliches hat eine unserer Institutionen aus dem Museumsbereich zu berichten: Im Umgang mit Pionieren des Computerzeitalters zeigt sich eine ziemliche Abneigung gegenüber sozialen Medien. Was sich in diesen Äusserungen zeigt, ist wohl grossteils Frustration über den Verlust der eigenen Vormachtsstellung. Was kann man dagegen machen? Sachliche Diskussion führen, Unwahrheiten widerlegen und auf geschmackliche Einwände nicht eingehen oder ganz einfach das Thema vermeiden.

Umgang mit übergeordneten Institutionen
Gerade in der Schweiz erleben wir es immer wieder, dass Kantone als zuständige Behörden die IT von Museen verwalten und oftmals die Zugänge zu sozialen Medien sperren. Dies ist zum Beispiel während der WM im Kanton Luzern passiert. Das Schweizer Fernsehen hat alle WM-Spiele live gestreamt. Das Datenvolumen, welches über die Server des Kantons lief, war dermassen hoch, dass Online Fahrschulprüfungen nicht mehr durchgeführt werden konnten.
Als betroffene Institution sollte man unbedingt die Diskussion mit den entsprechenden Behörden suchen. Allerdings bleibt auch zu hoffen, dass langsam ein Umdenken stattfindet. Das Problem liegt ja nicht bei den sozialen Medien an sich, sondern bei den Mitarbeitern und den Institutionen, denen es an der nötigen Selbstkontrolle mangelt.
Als weiteres Argument werden von übergeordneten Institutionen oftmals auch Sicherheitsbedenken genannt, die nicht selten von sehr viel Unkenntnis geprägt sind. Hier hilft auch nur wieder Aufklärung.

Falsche Darstellungen über eine Institution
Wenn jemand falsche oder diffamierende Informationen über eine Institution in Umlauf bringt, dann greifen die klassischen Eskalationsstufen wie man sie aus den alten Medien kennt:

  • Höflich darauf hinweisen, dass eine Unwahrheit verbreitet wird, dass diese zu korrigieren ist
  • Höflich ein zweites Mal mahnen mit dem zusätzlichen Hinweis, dass bei Unterlassung eine widerrechtliche Handlung vorliegt
  • 24h Deadline setzten um z.b. das foto aus dem Web zu entfernen und mit rechtlichen Schritten drohen und ggfs Anwalt einschalten.

Merke: Das Internet ist kein rechtsfreier Raum!

Ressourcenmangel
Immer wieder sind wir in unseren Workshop mit dem Thema Ressourcenmangel konfrontiert: zu wenig Geld, keine Zeit, kein Know How. Klar ist: Die Arbeit mit sozialen Medien benötigt Ressourcen. Handelt es sich dabei notwendigerweise um zusätzliche Mittel? Nicht unbedingt. Wenn man bedenkt, wie schwer es gerade für kleinere Institutionen ist, sich bei den klassischen Medien Gehör zu verschaffen, dann stellt sich die Frage, ob es nicht Sinn macht, Ressourcen frei zu machen, die für den Umgang mit diesen Medien gedacht sind. Diese kann man dann auf soziale Medien umschichten. Und natürlich stellt sich die Frage, ob das Social Media Management, also die Verteilung der hauseigenen Inhalte durch diese Medien nicht einer eigenen Jobbeschreibung bedarf.

Schlussanmerkung in eigener Sache: natürlich ist es viel verlangt, die oben genannten Diskussionen kompetent zu führen. Genau hier kommt jedoch Audience+ ins Spiel. Eines der Ziele dieses Forschungsprojekts ist es, den Museen der Schweiz einen Leitfaden an die Hand zu geben für den Umgang mit Web 2.0 und social media. Dieser soll auch Argumentshilfen für solche Situationen beinhalten.

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Wie entsteht ein gutes partizipatives Projekt?

15. Juli 2010 | axel vogelsang | 3 Kommentare

Der Besucher als Autor war der Titel unseres letzten Workshops im Freilichtmuseum Ballenberg. Anwender zur Partizipation anzuregen, ist relativ einfach, wenn man einen grossen Namen hat. Die Tate in England braucht lediglich sehr allgemein zur Diskussion aufzurufen, wie vor ein paar Tagen geschehen und schon passierts.

Wie aber gestaltet man ein gutes partizipatives Konzept, wenn man nicht über ein solches Renommee verfügt? Jedem der sich für diese Frage interessiert sei das Blog von Nina Simon empfohlen, welches sich mit dem partizipativen Museum auseinandersetzt. Sie hat sich u.a. in einem Beitrag mit dem Erfolg des partizipativen Kunstprojekts PostSecret auseinandergesetzt. PostSecret ist das Werk von Frank Warren. Im Jahr 2004 verteilte er 3000 Postkarten, die er an sich selbst addressiert hatte an Fremde. Auf der Rückseite war die Aufforderung mittels Text und/oder Bild diese Postkarte zu gestalten und ein Geheimnis mitzuteilen. Die einzige Auflage: es muss sich um ein wahres Geheimnis handeln und es soll mit noch niemandem geteilt worden sein. Bis 2007 hatte Warren 100000 Postkarten erhalten, von denen er jeden Sonntag 20 auf seine Webseite hochlädt. Auch hat er mittlerweile mehrere Bücher publiziert.

A postcard from Frank Warren's project postsecret

Eine Postkarte aus Frank Warrens partizipativen Kunstprojekt PostSecret

Nina Simon benennt sechs Erfolgskriterien. Die drei wichtigsten sind unserer Meinung nach:

Fragen
Wenn man, im Falle des Museums, den Besuchern die Frage stellt “Was denkst Du” dann kommt oftmals nicht viel dabei heraus. Will man tiefergehende Antworten, muss man konkret fragen und wenn man Emotionen wecken will, so muss man an die Emotionen und Phantasien der Menschen appellieren. Zusätzlich eröffnet die Anonymität des genannten Projekts natürlich auch Freiheiten.
Ein gutes Beispiel hierzu auch das Exponat “Open End” im Stapferhaus, anlässlich der Ausstellung nonstop: Von der Decke eines Dachstocks hängen in Kopfhöhe A4-Blätter mit den Wünschen und Träumen der Besucher in Bezug auf ganz konkrete Fragen: “Wofür hätten Sie gerne mehr Zeit? Was sind die besten Momente Ihres Lebens?…”

Format
Das Format – in diesem Fall die Postkarte – ist klar definiert und bekannt, der Umgang damit unproblematisch. Es ist aber auch ein stark reduziertes Format. Reduktion bedeutet in diesem Fall nicht nur Einschränkung, sondern öffnet Räume für die Kreativität. Der Gestalter der Postkarte kann sich aufs Wesentliche konzentrieren.

Kuration
Das Projekt ist kuratiert. Der Künstler wählt wöchentlich aus 1000 Postkarten 20 aus. Dadurch kann er die Grundidee stärken und schafft andererseits durch Verknappung weiteren Bedarf beim Publikum.

Testen
Von unserer Seite bleibt noch hinzuzufügen, dass es Sinn macht, grössere Projekte mit kleineren Gruppen von Besuchern zu testen und eventuell in einem weiteren Schritt anzupassen. Das Projekt kann durchaus auch mehrere Verbesserungsstufen durchlaufen.

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Workshop IV: Der Besucher als Autor (im schönen Ballenberg)

15. Juli 2010 | axel vogelsang | 1 Kommentar

Der vierte Workshop des Projekts Audience+ fand am vergangenen Montag im Freilichtmuseum Ballenberg statt. Thema: der Besucher als Autor. Es ging also um den Umgang mit so genanntem User Generated Content (UGC). Besucher von Museen generieren konstant Inhalte. Das Brooklyn Museeum zum Beispiel macht sich dies zu Nutze indem es Bilder, Videos, Texte, etc… in den Communitybereichumleitet oder von dort zu den entsprechenden Plattformen verlinkt. In unserem Workshop ging es jedoch viel eher darum, wie man zielgerichtet Inhalte mit Hilfe der Besucher generiert.

Pferde auf dem Ballenberg

Arbeit und Vergnügen: Nach der Vormittagssession gings mit der Pferdekutsche zum Mittagstisch

Workshop Aufbau
Die Workshopteilnehmer wurden in drei Gruppen aufgeteilt und in mehreren Schritten an das Thema herangeführt:

    1. Ein Thema aussuchen: z.B. Gruppe A. Umbau eines Museums, Gruppe B. Aktivierung der Sammlung, Gruppe C. Jahresthema eines Museums
    2. Ziele formulieren: z.B. A. Besucher generieren trotz Umbau, B. Emotionale Bindung zur Sammlung aufbauen, C. mediale Aufmerksamkeit erhöhen
    3. Massnahmen (allgemein formuliert, noch nicht auf Social Media Media ausgerichtet): z.B. A. Besucher adoptieren Teil der Sammlung, B. Geschichten zur Sammlung generieren, C. Kooperationen mit geeigneten Mediapartnern. Konkret forderten wir drei Massnahmen ein: 1. Eine Schulklasse generiert Inhalte, 2. Das Museum berichtet, 3. UGC durch die Online Community
    4. Umsetzung auf Social Media Plattformen: z.B.: A. Blog, welches über die Umbauarbeiten berichtet, B. Studenten produzieren Inhalte bezüglich Sammlungsobjekten, die dann vom Museum gebloggt werden, C. Plattform für Erlebnisberichte
    5. Reflektion: wo liegen die Probleme einer solchen Umsetzung

Obwohl für die einzelnen Aufgaben nie mehr als 15-30 Minuten Zeit war, zeigte sich, dass der Ablauf doch sehr spannende Ergebnisse generierte. Es bestätigte sich dabei einmal mehr, dass man noch immer am Besten über die Inhalte zu den Tools gelangt – eigentlich banal, aber nicht immer selbstverständlich.

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Facts & Figures: Social-Web-Nutzung in der Schweiz

28. Mai 2010 | audience+ | 2 Kommentare

Wir bekommen es fast täglich zu hören. Facebook und Co. legen weiter zu und die Verweildauer in sozialen Netzwerken steigt weiter an. Die Schweizer Internetnutzer verbringen laut der Nielsen.com-Studie durchschnittlich 3 ½ Stunden pro Monat in sozialen Netzwerken. Die monatliche Nutzung beträgt im Länderschnitt 2 Stunden mehr als zur selben Zeit im letzten Jahr.

Nielsen.com-Studie: Monatliche Zeit die in sozialen Netzwerken verbracht wird.

Nielsen.com-Studie: Monatliche Zeit die in sozialen Netzwerken verbracht wird.

Eine Umfrage des Online Marktplatzbetreibers Scout24 zeigt dass mehr als jeder dritte Internetbenutzer künftig über Social Media Plattformen mit Unternehmen kommunizieren will.

Ausserdem sind die Topgründe der Verwendung neuer Web 2.0 Kanäle bei weitem nicht nur das Management von Beziehungen. Derselben Umfrage zufolge, sind die Topgründe für die Nutzung des Social Web neben Kontaktmanagement mit Freunden und Bekannten (73 Prozent), Informationen und Meinungen anderer lesen (55 Prozent) sowie Neues erfahren (48 Prozent). Dem Social Web wird damit wachsende Bedeutung für (Kauf)-Entscheide zugemessen.

Facebook ist weltweit weiterhin auf Platz Nummer eins der social Web-Anwendungen und legt weiter zu. Wie sieht es mit der Nutzung  von  Twitter aus? In den Audience+ Workshops wurde mehrfach die Bedeutungslosikgkeit von Twitter in der Schweiz erwähnt.

Wir haben uns deshalb nach Zahlen umgesehen:

Das Bundesamt für Statistik liefert zwar nach Geschlecht, Alter ect. differenzierte Daten zur Entwicklung der Internetnutzung, nicht aber Daten zu den einzelnen Anwendungen im sozialen Netz.

Aufschlussreich ist die Präsentation der GoogleAd-Daten von Sabine Dufaux zur Social Media Nutzung in der Schweiz. Die Anzahl Twitter User liegt im April 2010 in der Schweiz bei 210 000. Ausserdem verweilen diese gut 3,5 Prozent der Schweizer Bevölkerung im internationalen Vergleich wesentlich weniger lang auf der Twitter Plattform. Als Vergleich: zur gleichen Zeit nutzen in der Schweiz 2.6 Millionen Anwender Facebook. In der Alterstruktur der Anwender von Twitter und Facebook können in dieser Statistik dagegen keine wesentlichen Unterschiede festgestellt werden.

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Kultur-Kommunikation im Kontext Web 2.0 (Workshop III 2)

19. Mai 2010 | audience+ | Keine Kommentare

Frank Tentler weist zu Recht immer wieder drauf hin: Kulturinstitutionen haben den Vorteil, dass es an Inhalten und Geschichten nicht mangelt. Hier ein paar Vorschläge wie diese Inhalte Web 2.0 spezifisch aufbereitet werden können:
1. Dokumentation: Ein Blick hinter die Kulissen. Web 2.0 eignet sich hervorragend, um Einblicke in die Museumsarbeit zu gewähren: Z.B.: Wie sieht der Alltag eines Restaurators aus oder Aufbauarbeiten einer Ausstellung.
2. Persönlicher Kontakt mit Künstlern und Personal: Durch soziale Medien ist es relativ einfach Kontaktfenster zwischen Künstlern, Institutionspersonal und Publikum zu schaffen.
3. Subjektive Erzählperspektive I (non-Fiction): Eine Person aus dem Haus berichtet regelmässig aus dem Alltag. Z.B.: der Museumsdirektor oder der Kurator.
4. Subjektive Erzählperspektive II (Fiction): Man könnte natürlich auch eine fiktive Persona über die jeweilige Institution erzählen lassen. Z.B. Geschichten aus dem Museumsalltag aus der Sicht einer Aufsichtsperson. Oder man lässt ein Ausstellungsobjekt erzählen (Mona Lisas Tagebuch). Ein Beispiel für solch eine Erzählweise – allerdings nicht aus dem Museumskontext – findet sich auf dem Twitteraccount Eyjafjallajokul genannt nach dem Vulkan in Island. Der Vulkan wird zur Person und hat allerhand zu berichten.
5. Crowdsourcing: Projekte in denen das Publikum für das Museum oder gemeinsam mit dem Museum Inhalte generiert. Ein Beispiel hierzu ist das Thames Discovery Programme über das Lorna Richardson in unserem ersten Workshop berichtet hat.
6. Blick ins Archiv: Inhalte, die sonst nicht zugänglich sind, können einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden.

Die Liste ist sicherlich nicht vollständig und Überschneidungen gibt es auch. Aber es ist mal Einfang. Natürlich sollten solche Formen von Kommunikation in eine Gesamtstrategie eingebunden werden. Und andererseits können einzelne Plattformen auch ganz punktuell zur Unterstützung von Auststellungen oder Aktionen eingesetzt werden, wie geschehen beim Projekt Gerüchte des Museums für Kommunikation, in dem Accounts auf Twitterund Facebook das Projekt inhaltlich direkt unterstützen. Solch ein integriertes Konzept erinnert sehr stark an ARG (alternative reality games), auf die wir in einem früheren Artikel hingewiesen haben.

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