Lösen der Innovationsbremse: Digitale Transformation beginnt im Kopf

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Die Digitalisierung der Unternehmen gilt als Schlüsselfaktor für die Schweiz um im globalen Wettbewerb bestehen zu können. Doch anstatt das Geschäftsmodell auf digitale Produkte und Services auszurichten, versuchen viele Unternehmen an der Gegenwart festzuhalten. Dabei ermöglichen bestehende Herangehensweisen, der digitalen Transformation erfolgreich als Chance zu begegnen.

Die Schweiz gehört zu den wettbewerbsfähigsten und innovativsten Ländern der Welt. Zahlreiche Industrieunternehmen nützen die Digitalisierung, um diese Stellung auch in Zukunft halten zu können. Nötig wäre, in möglichst vielen Betrieben Verständnis für die Nutzung digitaler Technologien zu schaffen, da kein Bereich von dieser Transformation ausgenommen ist.

Warum diese Gegenwartsversessenheit?

Bereits heute ist der Einsatz digitaler Technologien in den Schweizer Unternehmen weit verbreitet, was wesentlich dazu beiträgt, sowohl die Effizienz als auch den Mehrwert von Produkten und Dienstleistungen zu steigern. Doch trotz jahrelangen Aufrufen in Hightech-Initiativen, wie der  prominenten «Industrie 4.0», bleibt grundsätzlich die Bereitschaft zur Veränderung begrenzt. Wie ist es sonst zu erklären, dass nach wie vor Millionen von Menschen zur Arbeit fahren um dort ihr Notebook aus dem Rucksack zu holen, welches sie selbst dorthin getragen haben? Eine verstärkte Nutzung von Homeoffice konnte alleine wegen der COVID-19-Pandemie erzwungen werden, nachdem durch gut gemeinte Fridays-for-Future-Umweltproteste kaum etwas erreicht wurde.

„Gewohnheiten erleichtern unser Leben, indem sie Entscheidungen automatisieren. Einerseits. Andererseits eliminieren Gewohnheiten dadurch notwendigerweise Handlungsoptionen“. Dr. Marcus Raitner, Impulsgeber, Kulturentwickler und Autor, führung-erfahren.de

Die Gegenwartsversessenheit der Menschen unserer Gesellschaft ist schwer aufzubrechen, womit auch Themen wie die Digitalisierung gebremst von statten gehen. Damit sich der gewünschte wirtschaftliche Erfolg einstellt, muss unsere Denkweise angepasst werden; denn wenn Handlungen automatisiert sind, werden in unserem Gehirn andere Bereiche genutzt (nämlich die Basalganglien unterhalb unserer Großhirnrinde) als bei neuen Herausforderungen (Präfrontaler Kortex).

Digitales Trainieren

Abbildung: Programmbeispiel in der Programmiersprache Phython (Bildquelle: Bärbel Selm)

Auf die Digitalisierung bezogen heisst dies, dass wir, also Jede und Jeder, uns erst durch die regelmässige vertiefte Auseinandersetzung mit digitalen Themen in der Lage versetzen, bestmögliche Ergebnisse hervorzubringen.

Dies kann gelingen, wenn aus der Unternehmensvision heraus Initiativen entwickelt werden, die an die Geschäftsziele angepasst und über das gesamte Unternehmen hinweg koordiniert sind. Diese sollten auch von Mitarbeitenden angeregt werden können. Eine gute innerbetriebliche Information schafft sowohl Verständnis für diese akute und langfristige Veränderung als auch Transparenz bei der Neuerfindung der Unternehmung.

In einem zweiten Schritt sollten Kundinnen und Kunden stärker einbezogen werden, da mit deren Sichtweise auf Produkte und Services die Innovationsfähigkeit verbessert wird. Deutlich zeigt dies das Beispiel des Automobils, wo für die Generation Y die Attraktivität von Autos durch neue Services erhöht werden muss, weil das moderne Auto, insbesondere von der konsequent digital entwickelten Marke Tesla, als «Smartphone auf Rädern» bezeichnet wird.

Grundsätzlich empfehlenswert ist, sich an der agilen Entwicklung von Start-ups zu orientieren, die sich offenbar bei neuen Geschäftsmodellen und disruptiver Innovation leichter tun.

„Setzen Sie auf eine Agenda der kleinen Schritte“. Hagen Rickmann, Wirtschaftswoche

Wenn wir es schaffen, regelmässig Massnahmen in grösseren und kleineren Schritten zu bewältigen, dann sind wir gut trainiert, um uns dann mit unserer neu erarbeiteten, digitalen Gegenwartsversessenheit bewusst den nächsten Herausforderungen der Zukunft zu stellen.

Weiterführende Links zum Thema:

Prof. Dr. Dieter Thomä (22.06.2016): Leere im Kühlschrank – Leere im Kopf. Managemet School St. Gallen

Christian Schuldt: Ein neuer Blick auf die Digitalisierung. Auszug aus der Trendstudie „Hands-on Digital“ (2016). Zukunftsinstitut.de

Heike Kowitz (18.01.2020): Motiviert in die digitale Arbeitswelt. Die Welt

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About Author

Bärbel Selm ist Leiterin des Bereichs Netzwerk & Innovation beim Forschungs- und Innovationszentrum RhySearch und bloggt aus dem Unterricht des CAS Digital Business Innovation 2020/2021. Bärbel arbeitet in der frühen Innovationsphase gerne mit Firmen und Start-ups zusammen.

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