Bild generiert mit Microsoft 365 Copilot Die Stabilität eines Netzes entsteht nicht durch einzelne Seile, sondern durch deren Verbindung

Organisationale Resilienz: Die oft übersehene Seite der Widerstandsfähigkeit

Nicht jedes Unternehmen, das Krisen erfolgreich bewältigt, verfügt über ausgefeilte Krisenkonzepte oder Notfallpläne. Die Fähigkeit, auch unter schwierigen Bedingungen handlungsfähig zu bleiben, entsteht nicht allein durch Konzepte, sondern auch durch die organisationale Resilienz einer Organisation.

«Einen konkreten Plan gab es nicht. Aber grundsätzlich haben wir Strukturen, die gut funktionieren: klare Kommunikation, kurze Wege, viel Präsenz im Betrieb. Das hat uns geholfen.»

Diese Aussage eines Geschäftsführers eines kleinen KMU ist mir im Rahmen meiner Abschlussarbeit für den CAS Krisenmanagement und Organisationale Resilienz der Hochschule Luzern besonders in Erinnerung geblieben.

Sie passt zu dem Eindruck, den ich aus dem Gespräch gewonnen habe. Die Stärke des Unternehmens lag nicht in detaillierten Krisenkonzepten. Vielmehr zeigte sich eine Führung, die nahe bei den Mitarbeitenden war, den Austausch förderte und unterschiedliche Perspektiven bewusst einbezog. Herausforderungen wurden gemeinsam angegangen, Informationen offen geteilt und Entscheidungen nachvollziehbar gemacht. Dadurch entstand ein Umfeld, das Orientierung bot und eigenverantwortliches Handeln ermöglichte.

Resilienz entsteht nicht nur in Menschen. Sie entsteht auch zwischen Menschen.

Ähnliche Beobachtungen mache ich auch als Einsatzleiterin bei der Stiftung Carelink. Teams scheinen belastende Ereignisse auch ohne ausgearbeitete Krisenpläne bewältigen zu können, vorausgesetzt, im Vorfeld wurden bestimmte Voraussetzungen geschaffen.

Für mich zeigt sich organisationale Resilienz nicht erst in Krisen, sondern bereits im Alltag. Sie entsteht durch einen Kontext, der Menschen dabei unterstützt, auch unter Belastung handlungsfähig zu bleiben. Dazu gehören beispielsweise:

  • gegenseitiges Vertrauen
  • kooperative Zusammenarbeit im Team
  • Rollenklarheit
  • orientierungsstarke Führung
  • ausreichende Handlungsspielräume
  • bewusst geschaffene Redundanzen

Gerade darin sehe ich den Wert organisationaler Resilienz. Sie schafft die Voraussetzungen dafür, dass individuelle Resilienz ihre Wirkung überhaupt entfalten kann. Meist richtet sich der Blick auf einzelne Personen oder auf ausgearbeitete Konzepte, der organisationale Kontext dazwischen bleibt dabei oft unbeachtet. Genau das ist für mich die oft übersehene Seite der Widerstandsfähigkeit. Umso mehr lohnt es sich, bewusst in organisationale Resilienz zu investieren.

Sabrina Meier-Blaser

Sabrina Meier leitet das Einsatzmanagement der Stiftung Carelink und absolviert zum Zeitpunkt der Publikation den CAS Krisenmanagement und Organisationale Resilienz an der Hochschule Luzern.

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