Pflichtübung oder Lernerlebnis? Mehr Spiel in der betrieblichen Weiterbildung

Mitarbeitende, die sich auf Schulungen freuen und das Gelernte sofort anwenden? Aus meiner Sicht gelingt das, wenn Sie das Belohnungssystem des Gehirns nutzen. Drei einfache Impulse zeigen Verantwortlichen für Personalentwicklung, wie aus dem «Muss» ein Wettbewerbsvorteil entsteht.

Ein voller Schulungsraum, das Thema lautet Toleranzen in der Fertigung. Doch die Blicke wandern nach draussen oder zum Smartphone. Monotone Folienschlachten töten jede Motivation.

Als Bereichsleiter in einem Ausbildungsbetrieb kenne ich dieses Bild nur zu gut: Ein grosser Teil des mühsam vermittelten Wissens verpufft im Arbeitsalltag. Bei akutem Fachkräftemangel können sich Unternehmen diese Verschwendung von Zeit und Geld nicht mehr leisten.

Ihr Gehirn liebt spielerisches Lernen

Im Rahmen meines EMBA an der Hochschule Luzern habe ich mich vertieft mit Edutainment beschäftigt, der gezielten Verbindung von Bildung (Education) und Unterhaltung (Entertainment).

Den Schlüssel liefert das Belohnungssystem unseres Gehirns: Dopamin. Dieser Botenstoff fördert Motivation und Aufmerksamkeit.  Erleben Mitarbeiter oder Lernende ein Training als aktiv und belohnend, schüttet ihr Gehirn Dopamin aus. Die Aufmerksamkeit steigt, Inhalte bleiben besser haften und der Transfer in den Alltag gelingt leichter.

Drei kleine Hebel, die Schulungen sofort beleben

Dafür müssen Sie nicht gleich die ganze Lernarchitektur umbauen. Oft bewirken kleine Anpassungen eine völlig neue Dynamik. Hinterfragen Sie Ihre Formate kritisch.

  • Spielelemente nutzen (Gamification): Bauen Sie ein schnelles Kahoot!-Quiz in Ihre Präsentation ein. Die direkte Rückmeldung und der faire Wettbewerb sorgen für Dopaminschübe.
  • Kurz und mobil lernen (Micro-Learning): Überführen Sie wiederkehrende Schulungsinhalte in kurze Lern-Apps. So lernen Mitarbeitende genau dann, wenn sie das Wissen im Arbeitsalltag brauchen.
  • Analog und digital kombinieren: Verknüpfen Sie klassische Arbeitssicherheitsschulungen mit VR-Anwendungen. So trainieren Mitarbeitende das richtige Verhalten in Gefahrensituationen risikofrei und realitätsnah.

Wer versteht, wie das Gehirn lernt, macht aus der lästigen Pflichtübung einen strategischen Wettbewerbsvorteil.

Mein Fazit: Starten Sie klein und bauen Sie in Ihre nächste Schulung ein einziges interaktives Element ein. Dann zücken Ihre Teilnehmenden das Smartphone nicht zur Ablenkung, sondern fürs Quiz.

Lernende in einer Schulung zu Toleranzen in der Fertigung beantworten ein Kahoot-Quiz
Schulung zu Toleranzen in der Fertigung: Ein Kahoot-Quiz bringt Bewegung in die Theorie (Bild: libs)

Egzon Alushoski

Egzon Alushoski ist Bereichsleiter bei libs Industrielle Berufslehren Schweiz und absolviert zum Zeitpunkt der Publikation den Executive MBA an der Hochschule Luzern.

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