Symbolbild zu KI am Arbeitsplatz: Ein Mann sitzt allein in einem kleinen Büro hinter einer Glasscheibe vor einem Laptop und einem offenen Notizbuch. Mit der Hand am Mund blickt er nachdenklich zur Seite.

KI blockieren oder gemeinsam lernen? Eine Frage der Führung

Viele Unternehmen geben aus Sorge um Datenschutz und Fehlanwendungen nur einzelne KI-Tools frei. Das ist nachvollziehbar. Ich bin überzeugt: Kurze, klare Richtlinien und eine Führung, die gemeinsames Lernen ermöglicht, schaffen mehr Sicherheit und Nutzen als viele Verbote. Damit das Lernen nicht im Verborgenen stattfindet.

In den Gesprächen in der EMBA-Klasse erlebe ich täglich, wie gross die Neugier auf KI ist. Als Leiter Verkauf Innendienst in einem Schweizer Industrieunternehmen geht es mir selbst nicht anders. KI kann heute schon erstaunlich viel: Sie übersetzt in unzählige Sprachen, prüft Verträge auf Schwachstellen und macht aus einer Handskizze ein 3D-Modell für ein CAD-System.

Gleichzeitig herrscht Unsicherheit: Was darf ich eingeben? Welches Tool ist erlaubt? Was passiert, wenn etwas schiefgeht? Sind viele Tools gesperrt, testen IT-affine Mitarbeitende neue Anwendungen oft privat, ohne Datenschutz und Qualitätssicherung. Gute Ideen bleiben so unsichtbar. Das Lernen findet im Verborgenen statt.

Warum Lernen jetzt zählt

Im Executive MBA an der Hochschule Luzern geht es auch um Lernfähigkeit. Bei KI ist es genauso. Microsoft-Chef Satya Nadella sagte einmal sinngemäss: Wer alles lernen will, kommt weiter als jemand, der glaubt, schon alles zu wissen.

Zudem verlangt seit dem 2. Februar 2025 die EU-KI-Verordnung von betroffenen Unternehmen, dass sie ihre Mitarbeitenden im Umgang mit künstlicher Intelligenz unterstützen und deren Wissen dazu fördern. Auch Schweizer Betriebe können unter diese Regelung fallen, wenn die Ergebnisse ihrer KI-Nutzung in der EU verwendet werden. Das kann zum Beispiel bei KI-generierten Angeboten an EU-Kunden der Fall sein.

Klare Leitplanken, viel Freiraum

Ob KI-Kompetenz in einer Organisation wächst, entscheidet sich laut Forschung an drei Fragen (vgl. Bachmann et al., 2025):

  • Wird Zeit fürs Ausprobieren eingeräumt?
  • Dürfen Fehlversuche offen angesprochen werden?
  • Gibt es einen Ort, an dem das Gelernte festgehalten wird?

Was würde ich einer Führungskraft raten? Halten Sie knapp fest, welche Daten nicht in frei zugängliche KI-Tools gehören, etwa HR-Daten, Geschäftsgeheimnisse oder Passwörter. Zehn Schlagworte reichen, das letzte lautet: «Gesunden Menschenverstand einschalten.» Alles andere darf Ihr Team im Arbeitsalltag ausprobieren. Nutzen Sie KI selbst sichtbar, sprechen Sie über misslungene Versuche und schaffen Sie einen Ort, an dem Erfahrungen zusammenkommen.

Am schwierigsten ist die zweite Frage. Die Harvard-Professorin Amy Edmondson zeigte schon vor einigen Jahren: Wer Angst hat, Fehler zuzugeben, lernt kaum dazu (Edmondson, 2020). Bei KI trifft das heute besonders zu. Das KI-Zeitalter hat begonnen. Gestalten wir es gemeinsam.

Symbolbild zu KI am Arbeitsplatz: Ein Mann sitzt allein in einem kleinen Büro hinter einer Glasscheibe vor einem Laptop und einem offenen Notizbuch. Mit der Hand am Mund blickt er nachdenklich zur Seite.
Darf ich das überhaupt? Ein Mitarbeiter probiert allein ein KI-Tool aus und blickt unsicher über die Schulter. Wo Führung Orientierung gibt und Fehler erlaubt sind, wird aus heimlichem Ausprobieren gemeinsames Lernen. Quelle: Eigene Darstellung, mit generativer KI erstellt.

 

Quellen: 

Bachmann, P., Griesser, S., Mohr, S., Rast, V., Stutz, N., & Zeder, R. (2025). Die GKI-Literacy von Individuen und Organisationen: Strukturationstheoretische Fundierung und empirische Analyse. In V. Allemann-Ravi (Hrsg.), New Generation Communication: Die Kommunikation in einer veränderten Welt (S. 243–275). Springer VS. https://doi.org/10.1007/978-3-658-47591-8_9 Berger, C. (2024, 20. Mai). 

Satya Nadella transformed Microsoft’s culture during his decade as CEO by turning everyone into ‘learn-it-alls’ instead of ‘know-it-alls’. Fortune. https://fortune.com/2024/05/20/satya-nadella-microsoft-culture-growth-mindset-learn-it-alls-know-it-alls/ 

Edmondson, A. C. (2020). Die angstfreie Organisation: Wie Sie psychologische Sicherheit am Arbeitsplatz für mehr Entwicklung, Lernen und Innovation schaffen (M. Kauschke, Übers.). Vahlen. https://doi.org/10.15358/9783800660681 

Verordnung (EU) 2024/1689 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juni 2024 zur Festlegung harmonisierter Vorschriften für künstliche Intelligenz (KI-Verordnung), geändert durch Verordnung (EU) 2026/1744. https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2024/1689/oj

Beat Wicki

Beat Wicki ist Leiter Verkauf Innendienst bei Müller Martini Manufacturing AG und absolviert zum Zeitpunkt der Publikation den Executive MBA an der Hochschule Luzern.

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