Jahrzehntelang sass die Pathologin oder der Pathologe vor dem Mikroskop, betrachtete Gewebeproben auf Glasobjektträgern und stellte Diagnosen. Heute erscheinen dieselben Präparate zunehmend als hochauflösende digitale Bilder auf Monitoren – und Algorithmen lernen mit.
Wie hat die Digitalisierung die Pathologie verändert – und was könnte die Zukunft dieses Fachgebiets noch bringen?
Die Pathologie vor der Digitalisierung
Die klassische Pathologie war über viele Jahrzehnte vollständig analog geprägt. Diagnosen wurden am Mikroskop anhand von Gewebeproben auf Glasobjektträger erstellt. Präparate und Befunde mussten physisch verarbeitet, transportiert und archiviert werden. Besonders aufwendig waren Konsile und Zweitmeinungen: Für Zweitmeinung reisten Glasobjektträger oft tagelang per Post durchs Land. Dies führte häufig zu Verzögerungen und erschwerte die Zusammenarbeit zwischen den Spezialisten. Gleichzeitig kämpfte auch die Pathologie zunehmend mit Fachkräftemangel und steigenden Fallzahlen. Die rein analogen Prozesse stiessen dadurch immer stärker an ihre Grenzen. Doch was bedeutet dieser digitale Wandel eigentlich konkret für den Alltag in der Pathologie – und wie stark wird künstliche Intelligenz (KI) die Diagnostik künftig mitprägen?
Der Wandel zur digitalen Pathologie
Die Digitalisierung krempelt die Pathologie grundlegend um. Ein wichtiger Schritt ist das «Whole Slide Imaging» (WSI). Dabei werden Glasobjektträger digitalisiert und als digitale Präparate gespeichert. Befunde können direkt am Bildschirm beurteilt und digitale Slides innert Sekunden geteilt werden. Dies vereinfachte Konsile und die Archivierung erheblich. Ortsunabhängiges Arbeiten wurde möglich. Moderne Systeme ermöglichen zudem «Prefetching», bei dem frühere Fälle eines Patienten automatisch mit den neuen Proben verknüpft werden. Dadurch stehen Vorbefunde bereits bei der Diagnosestellung zur Verfügung und der Gang ins Archiv entfällt. Die Digitalisierung brachte jedoch auch Herausforderungen mit sich. Digitale Slides erzeugen grosse Datenmengen und hohe Anforderungen an die IT-Infrastruktur. Zudem sind Scanner und Systeme kostenintensiv. Ein Problem ist die fehlende Interoperabilität zwischen Herstellern: Proprietäre Dateiformate führen zu Herstellerabhängigkeiten. Datenschutz und IT-Sicherheit bleiben zentrale Themen. Die Umstellung der Arbeitsprozesse bleibt für viele Institute eine Herausforderung. Besonders erfahrene Pathologinnen und Pathologen stehen der digitalen Befundung teilweise kritisch gegenüber. Doch wie weit darf KI in der Medizin überhaupt mitentscheiden?
Wenn Pixel intelligent werden: KI in der Pathologie und ein Blick in die Zukunft
Mit der Digitalisierung entstand auch die Grundlage für den Einsatz von KI in der Pathologie. Moderne Algorithmen können digitale Präparate analysieren, Muster erkennen und beispielsweise Tumorbereiche markieren oder Zellstrukturen quantifizieren. Dadurch können repetitive Aufgaben effizienter gemacht werden und Pathologinnen und Pathologen bei der Diagnostik unterstützen.
Trotz dieser Entwicklungen gilt KI hauptsächlich als Assistenzsystem und nicht als Ersatz für medizinische Fachpersonen. Die finale Diagnose und deren Verantwortung bleibt weiterhin beim Menschen. Gleichzeitig stellen sich auch neue Fragen:
- Wie zuverlässig sind KI-Modelle?
- Wer trägt die Verantwortung bei Fehlinterpretationen?
- Wie transparent sind die Entscheidungen solcher Systeme?
Auch in Zukunft wird die digitale Vernetzung weiter zunehmen. Cloud-Systeme könnten den standortübergreifenden Austausch von Präparaten und Daten weiter vereinfachen. Zudem entwickelt sich die Pathologie zunehmend in Richtung integrierter Diagnostik, bei der Bilddaten, molekulare Analysen und klinische Informationen kombiniert werden. Weitere KI-Assistenzsysteme sowie digitale Netzwerke zwischen Spitälern könnten die Zusammenarbeit künftig zusätzlich verbessern und den Zugang zu Spezialwissen erleichtern. Für Fachpersonen stellt sich damit eine zentrale Frage: Wie lässt sich der technologische Fortschritt sinnvoll nutzen, ohne Qualität, Verantwortung und Datenschutz aus den Augen zu verlieren?
Die digitale Pathologie befindet sich weiterhin im Wandel. Während Technologien wie WSI und KI neue Möglichkeiten schaffen, bleiben Herausforderungen wie Datenmanagement, Interoperabilität und regulatorische Anforderungen zentrale Themen.
Klar ist jedoch, die Digitalisierung wird die Pathologie auch zukünftig nachhaltig verändern.
Weiterführende Links:
Eine neue Industrie: Scanner für histologische Schnittpräparate
Algorithmen und künstliche Intelligenz in der Pathologie
Dieser Blogbeitrag wurde mit Unterstützung von KI überarbeitet
