Warum wir trotz Vollgas nicht vorankommen – und was wirklich dahinter steckt

Du gibst Vollgas – und kommst trotzdem nicht vom Fleck? Damit bist du nicht allein. Im Schnitt geht fast die Hälfte unseres Arbeitstags für E-Mails, Suchen und Koordination drauf – nicht für die eigentliche Arbeit (Asana). Die gute Nachricht: Das liegt nicht an dir, sondern am System – und lässt sich ändern.

Es ist kein Motivationsproblem
Die übliche Antwort auf das Hamsterrad-Gefühl: mehr Mindset, mehr Resilienz, Werte-Poster im Meetingraum. Gut gemeint, aber an der Sache vorbei. Die meisten sind hochmotiviert und leiden selbst am stärksten darunter, nicht voranzukommen.
Das eigentliche Problem ist strukturell: Informationsflut, unkontrollierte Tool-Vielfalt und fehlendes Wissen, wie sich Aufgaben, E-Mails und Abmachungen managen lassen.

Was die Zahlen sagen
Die Forschungslage ist deutlich:

  • 28 Prozent der Arbeitswoche fliessen in E-Mails, weitere 19 Prozent in die Informationssuche (McKinsey).
  • 23 Minuten dauert es im Schnitt, nach einer Unterbrechung wieder fokussiert zu sein (Gloria Mark, UC Irvine).
  • Alle sechs Minuten prüfen Wissensarbeitende ihr Postfach oder ihren Chat (RescueTime).
  • Über 175 Software-Anwendungen nutzt ein Unternehmen mit mehr als 2.000 Beschäftigten (Okta).
    Fast die Hälfte der Arbeitszeit fliesst in die Verwaltung von Kommunikation – nicht in die eigentliche Arbeit.

Du arbeitest nicht zu viel – du arbeitest doppelt
Du öffnest die Inbox. Liest eine E-Mail. Denkst: «Mach ich später.» Eine Stunde später öffnest du dieselbe E-Mail nochmals. Nichts ist entschieden – und was nicht entschieden ist, kommt zurück.
Dasselbe mit Aufgaben: ein Teil im Kopf, ein Teil in der Inbox, ein Teil im Kalender, irgendwo Notizen, vielleicht noch ein Teams-Chat. Wer keine klaren Entscheidungen trifft, arbeitet nicht zu viel, sondern doppelt und dreifach.

Es gibt einen Stress, über den niemand spricht. Keinen lauten, spektakulären – sondern einen konstanten: offene E-Mails, offene Aufgaben, offene Gedanken.

Warum neue Tools und Workshops zu kurz greifen
Das übliche Repertoire: neue Methode, neues Tool, ein Workshop. Doch:

  • Methoden wie OKR (Objectives und Key Results), GTD (Getting Things Done) oder Kanban werden eingeführt, aber selten verankert.
  • Neue Tools verstärken oft das Tool-Chaos, statt es zu lösen.
  • Einmaltrainings sind punktuelle Interventionen in einem dauerhaften Problem.
    Am Montag warten wieder dieselbe übervolle Inbox und dieselben Benachrichtigungsfluten.

KI verschärft das Problem – wenn die Grundlagen fehlen
Viele hoffen, dass KI die Produktivitätsprobleme von selbst löst. Diese Hoffnung wird enttäuscht. KI greift nur, wenn Wissen sauber strukturiert und gepflegt ist. Verschwinden Aufgaben zwischen Kanälen, schliesst auch die beste Automatisierung diese Lücke nicht.
Wer digitale Arbeit nicht beherrscht, wird durch KI nicht produktiver – sondern überfordert.

Fünf Hebel, die sofort etwas verändern
Aus den Inhalten von Steven Käser (productivityhabits.ch) haben sich fünf Ansatzpunkte herauskristallisiert, mit denen du ohne neues Tool effizient in deinem Arbeitsalltag werden kannst:

  1. Eine einzige, verlässliche Aufgabenliste führen. Nicht im Kopf, nicht über fünf Apps verteilt.
  2. E-Mails nur einmal anfassen. Erledigen, delegieren, terminieren oder löschen – statt sie zum zehnten Mal zu lesen.
  3. Benachrichtigungen radikal reduzieren. Mindestens 90 Minuten am Stück ungestört arbeiten.
  4. Team-Konventionen klären. Welcher Kanal für was? Wo erfassen wir Aufgaben? Wo dokumentieren wir Abmachungen?
  5. An echten Aufgaben üben, nicht im Workshop. Drei Wochen dranbleiben bringt mehr als ein zweitägiges Seminar.

Wie es aussieht, wenn es funktioniert
In Teams, die digitale Arbeit beherrschen, ist klar, welche Arbeit zählt. Vereinbarungen werden eingehalten – weil ein System dahintersteht, sondern weil ein System dahintersteht. Reaktive Hektik weicht gezielter Umsetzung. In den Inhalten, die mir Steven Käser zur Verfügung stellte, nennt er für begleitete Teams rund drei Stunden Zeitersparnis pro Person und Woche. Ein Head of Procurement bei der SBB schreibt auf Käsers Website: «Die Productivity Habits verändern unsere tägliche Arbeit und machen uns zuverlässiger.»

Was du heute tun kannst
Die Trennlinie zwischen Teams, die digitale Arbeit beherrschen, und solchen, die darunter leiden, zieht sich gerade. Mit KI wird der Unterschied grösser. Du musst nicht härter arbeiten – du brauchst ein System, dem du vertrauen kannst.
Ein Startpunkt für morgen: Notiere einmalig alles, was dir durch den Kopf geht. Aufgaben, E-Mails, halbfertige Gedanken. Du wirst überrascht sein, wie viel dein Kopf gleichzeitig trägt – und wie befreiend es ist, das auf Papier oder in eine App zu bringen.

Weiterführende Links
Steven Käser, Productivity Habits
Steven Käser, YouTube-Kanal
Asana, , Anatomy of Work Index
McKinsey Global Institute, The Social Economy
Gloria Mark, Interview zu Arbeitsunterbrechungen (UC Irvine, via Gallup)
RescueTime, Communication Overload
Okta, Businesses at Work 2021

Hinweis: Dieser Blogbeitrag wurde mit Unterstützung von KI erstellt und basiert auf Inhalten von Steven Käser (productivityhabits.ch), sowie meinen eigenen Erfahrungen aus der Umsetzung. Die fachliche Einordnung, Auswahl und persönliche Sicht stammen vom Autor.

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Kenan Gündogdu

Kenan Gündogdu besucht das CAS Business Intelligence & Analytics an der Hochschule Luzern. Arbeitet als Testing System Engineer und leitet als Projektingenieur die Entwicklung, Aufbau und Qualifizierung von Endtestsystemen für die Serienproduktion an der Schnittstelle zwischen Produktentwicklung, Produktion und externen Partnern.

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