Wenn Tradition auf Digitalisierung trifft: Hornussen

Traditionelle Sportarten gelten oft als wenig digitalisiert. Doch auch im Hornussen hält die Digitalisierung zunehmend Einzug- von Live-Ergebnissen in Apps bis hin zu Live-Übertragungen direkt in der Anwendung. Welche Auswirkungen hat diese Entwicklung auf den Sport, und welche Potenziale bleiben bisher ungenutzt?

Was ist Hornussen?
Hornussen ist eine traditionelle Schweizer Sportart, bei der eine Mannschaft den sogenannten «Nouss» möglichst weit ins Spielfeld schlägt, während die gegnerische Mannschaft versucht, diesen mit den Schindeln abzufangen «Abzutun». Ziel ist es, möglichst alle Nousse abzuwehren, da jeder nicht abgefangene Nouss im Spielfeld als «Nummer» zählt. Die Mannschaft mit den wenigsten Nummern gewinnt das Spiel. Die Schlagweite wird insbesondere dann relevant, wenn beide Mannschaften gleich viele Nummern aufweisen, sowie für die Einzelspielerwertung.

IST-Zustand der Digitalisierung
Auch im Hornussen haben die ersten digitalen Lösungen Einzug gehalten, um verschiedene Bereiche zu unterstützen. So ermöglicht eine App den Zugriff auf Resultate sämtlicher Ligen sowie von Turnieren und kleineren Events. Zusätzlich bietet sie die Funktion, Hornusserplätze zu lokalisieren und eine direkte Routenplanung über Kartenanwendungen zu starten. Ergänzend dazu wurden Live-Streams für die Spiele der NLA und NLB implementiert, wodurch der Sport für ein breiteres Publikum verfolgbar ist.
Die beschriebenen digitalen Entwicklungen haben bereits erste Auswirkungen auf den Hornusser-Sport.

Analyse:
Die Digitalisierung erhöht die Reichweite des Hornusser-Sports, da der Zugang zu Resultaten und Informationen deutlich vereinfacht wurde. Insbesondere die Verfügbarkeit einer eigenen Smartphone-Applikation erleichtert den Zugang für neue Zielgruppen und spricht vor allem jüngere Personen an.
Trotz dieser Entwicklungen bleibt Hornussen jedoch eine Sportart mit einer vergleichsweise kleinen Community. Dadurch ist auch die Monetarisierung nur begrenzt möglich. Selbst in den höchsten Ligen kann der Sport nicht als eigentliche Einnahmequelle genutzt werden und bleibt primär ein Hobby.
Obwohl grundsätzlich eine Offenheit gegenüber digitalen Lösungen besteht, ist deren Weiterentwicklung mit hohem organisatorischem und technischem Aufwand verbunden. Aufgrund der begrenzten Ressourcen erfolgt die Digitalisierung deshalb nur schrittweise.

Zukunft:
Abschliessend stellt sich die Frage, welche weiteren Digitalisierungsmöglichkeiten im Hornusser-Sport künftig denkbar wären.
Eine einfache und gleichzeitig sinnvolle Erweiterung wäre ein digitales Regelwerk mit integrierten Videos. Dadurch könnten Regeln nicht nur schriftlich, sondern zusätzlich visuell vermittelt werden, was insbesondere neuen Spielern den Einstieg erleichtern würde.
Weitere Möglichkeiten bestehen im Einsatz technischer Hilfsmittel im Spielfeld. Beispielsweise könnten Lichtschranken oder Sensorsysteme eingesetzt werden, um automatisch zu erkennen, ob ein Nouss innerhalb oder ausserhalb des Spielfelds zu Boden gegangen ist. Ergänzend dazu könnten Lichtsignale oder digitale Feldmarkierungen genutzt werden, um Entscheidungen eindeutiger darzustellen und manuelle Prozesse zu reduzieren.
Ebenfalls denkbar wäre die Integration eines GPS-Tags im Nouss, damit dieser schneller gefunden werden kann, beispielsweise wenn er im hohen Gras oder im Wald landet.
Nicht jede Digitalisierung bringt jedoch automatisch einen echten Mehrwert. Eine Geschwindigkeitsmessung des Nouss beim Abschlag – vergleichbar mit dem Tennis – wäre zwar interessant für Spieler und Zuschauer, hätte jedoch kaum Einfluss auf das eigentliche Spielgeschehen. Dies zeigt, dass Digitalisierung gezielt dort eingesetzt werden sollte, wo sie einen praktischen Nutzen schafft.

Fazit:
Die Auseinandersetzung mit der Digitalisierung im Hornusser-Sport zeigt, dass digitale Lösungen zunehmend auch in traditionellen Bereichen Einzug halten. Obwohl die Möglichkeiten aufgrund begrenzter Ressourcen und einer kleinen Community eingeschränkt sind, bieten digitale Technologien Potenzial, Prozesse zu vereinfachen, den Zugang zum Sport zu verbessern und die Reichweite zu erhöhen. Gleichzeitig wird deutlich, dass nicht jede technische Innovation automatisch einen Mehrwert schafft. Entscheidend bleibt daher ein sinnvoller und zielgerichteter Einsatz der Digitalisierung.

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Samuel Tschanz

Samuel Tschanz ist Business Process Analyst bei der CSL Behring AG in Bern und bloggt aus dem Unterricht des CAS Digital Business Innovation.

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