Business-IT Alignment – Erfahrungen aus Patientensicht

Als ich das CAS IT Management & Agile Transformation Mitte Oktober 2024 startete, war mir schnell klar, dass ich meinen Blog-Artikel zum Thema Business-IT Alignment schreiben würde. Der Kontext, den ich schliesslich wählte, war jedoch so nicht geplant.

Aus der Not eine Tugend machen

Kurz nach Beginn des CAS erlitt ich einen Bandscheibenvorfall, der zu einem zweiwöchigen Spitalaufenthalt und mehreren Eingriffen führte. Dies hatte zur Folge, dass ich mein drittes CAS nun praktisch ausschliesslich online absolvierte. Es ist bei weitem nicht dasselbe Erlebnis wie der Präsenzunterricht an der HSLU, aber technisch funktionierte es einwandfrei. Ursprünglich hatte ich geplant, das Thema Business-IT Alignment anhand meiner beruflichen Situation zu erörtern. Der Spitalaufenthalt bot jedoch eine unerwartete Gelegenheit, dieses Thema aus einer anderen Perspektive zu betrachten – nämlich aus der Sicht eines Patienten.

Fünf Parteien, ein Ziel!

Als Aussenstehender macht man sich selten Gedanken darüber, was alles notwendig ist, um einen reibungslosen Spitalbetrieb zu gewährleisten. Betreiber der Spitalinfrastruktur müssen mit Belegärzten und deren Teams, dem Pflegepersonal, dem Hotelservice sowie weiteren Diensten eng zusammenarbeiten, um das Ziel des Patientenwohls sicherzustellen. Dabei ist ein hoher Koordinationsaufwand und intensiver Informationsaustausch erforderlich.

Dies birgt Potenzial für Fehlerquellen, bietet jedoch gleichzeitig die Chance, durch eine gute Business-IT-Alignment-Strategie diese Fehlerquellen stark zu minimieren und die Customer Journey für Patienten so angenehm wie möglich zu gestalten. Als Patient merkt man sofort, dass die Hirslanden Klinik St. Anna hier viel investiert hat. Dennoch sind auch hier Abläufe nicht frei von Missverständnissen.

Business-IT Alignment: Was ist das?

Business-IT Alignment bezeichnet die strategische Abstimmung zwischen den Geschäftsprozessen und -zielen eines Unternehmens sowie dessen IT-Infrastruktur und -Strategien. Ziel ist es, sicherzustellen, dass IT-Ressourcen und -Investitionen die Geschäftsziele optimal unterstützen und dass IT als treibender Faktor für Innovation und Wettbewerbsvorteile genutzt wird.

Das ist eine Herausforderung, da Business und IT oft parallel organisierte Strukturen aufweisen. Ziel muss es sein, dass Business und IT wie Körper und Nervensystem ein harmonisches Ganzes bilden.

Quelle: Vorlesung ITM-Grundlagen 17.10.2024 – Georges Grivas – In Anlehnung an Tiemeyer 2013

Um dies zu erreichen, bedarf es eines gezielten Business-IT Alignments. Die wichtigsten Aspekte hierbei sind:

  1. Gemeinsames Zielverständnis: IT-Strategien an Geschäftszielen ausrichten.
  2. Kommunikation: Enge Zusammenarbeit zwischen Geschäfts- und IT-Verantwortlichen.
  3. Governance: Klare Verantwortlichkeiten und Entscheidungsprozesse.
  4. IT als Enabler: IT als Treiber von Innovation und Effizienz nutzen.
  5. Messung: Erfolg mittels KPIs überwachen.

Erfahrungen aus Patientensicht

Als Aussenstehender bzw. Patient ist es natürlich schwierig zu beurteilen, ob das Business-IT Alignment optimal funktioniert. Doch anhand von Beobachtungen lassen sich positive Aspekte sowie Optimierungspotenzial erkennen.

Patientensicherheit: Patientensicherheit hat oberste Priorität. Ein Mix aus technischen und organisatorischen Massnahmen führt hier zum Ziel. Beispielsweise wird man mehrfach nach Geburtsdatum und geplantem Eingriff gefragt. Mit Armbändern und Barcodes wird ein Quervergleich mittels technischer Hilfsmittel jederzeit möglich. Auch durch zahlreiche Formulare werden sicherheitsrelevante Informationen erhoben. In Bezug auf die Patientensicherheit konnte ich kein Optimierungspotenzial feststellen.

Patienteninformation: Informationen sind entscheidend – sowohl zwischen den verschiedenen Stellen im Spital als auch gegenüber dem Patienten. Zwischen Belegärzten und der Patientenpflege funktioniert der Informationsfluss jedoch nicht immer optimal. Koordinationsstellen versuchen, dies zu verbessern, verfügen jedoch nicht über zeitgemässe, mobile IT-gestützte Werkzeuge. Gegenüber den Patienten ist die Informationsvermittlung hingegen vorbildlich. Mittels App und persönlicher Kommunikation wird man umfassend über den Aufenthalt und Eingriff informiert.

Patientenpflege: Die Patientenpflege folgt grösstenteils einem klaren Tagesablauf. Die Pflegefachpersonen nutzen computergestützte mobile Erfassungsstationen für die Datenerhebung und Medikamentenabgabe. Das System weist jedoch offensichtlich Optimierungspotenzial auf, da der Prozess nicht immer flüssig abläuft und häufig Anlass zu Klagen gibt. Der Hotelservice, der für die Verpflegung zuständig ist, funktioniert hingegen reibungslos, serviceorientiert und hochgradig flexibel.

Schlussfolgerung

Dass Business und IT in der Hirslanden Klinik St. Anna stark miteinander verknüpft sind, wird aus Patientensicht klar ersichtlich. Gleichzeitig zeigt sich, dass der Prozess der digitalen Transformation noch lange nicht abgeschlossen ist und auch zukünftig eine Herausforderung bleiben wird. Dies ist nicht zuletzt dem wachsenden Kostendruck geschuldet, der im Gesundheitswesen wohl auch ein limitierender Faktor sein dürfte.

Weiterführende Artikel zum Thema

Literatur zum Thema

Luftman, J., Strategic Alignment Maturity, in: Handbook on Business Process Management 2, J. vom Brocke and M.Rosemann (eds.), Berlin, 2015

Henderson, J.C., N. Venkatraman, and S. Oldach, Aligning business and IT strategies. Competing in the informationage: strategic alignment in practice. 1996, Oxford University Press

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Martin Weibel

Martin Weibel ist Projektleiter Unternehmenssteuerung bei Weibel Hess & Partner AG und bloggt aus dem CAS IT Management & Agile Transformation. Im Rahmen der Unternehmens- und Organisationsentwicklung beschäftigt er sich mit Themen rund um die Digitale Transformation. Sein Hauptinteresse gilt dabei den Veränderungsherausforderungen, neuen Führungsmodellen und den notwendigen Voraussetzungen für einen agilen Mindset.

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