Nutzen und Herausforderungen der Data Governance: Eine Übersicht

Der Umgang mit Daten gewinnt in Unternehmen stark an Bedeutung. Denn die gesammelten Daten sind ein wertvolles Gut. Damit lassen sich unter anderem Kundenbindungen vertiefen, Innovationen realisieren und schlussendlich Gewinne erzielen. Vor allem mit der Anwendung von Analytics Use Cases können Wettbewerbsvorteile gegenüber Mitbewerbern geschaffen werden. Aber halt! Damit nicht Anarchie ausbricht oder ein komplettes Chaos entsteht, muss der Datenumgang geregelt werden. Mit der Einführung einer Data Governance werden entsprechende Regeln festgelegt und überwacht.   

Eine gut eingeführte Data Governance leistet einen beachtlichen Beitrag zur Wertschöpfung eines Unternehmens. Wie generell bei der Einführung von Neuerungen muss auch bei der Data Governance der Wille im Unternehmen vorhanden sein, sich intensiv mit dieser auseinanderzusetzen. Die Data Governance ist nämlich nicht nur ein einmal eingeführter Prozess, sondern muss im Unternehmen gelebt werden. Je nach Unternehmen werden dabei beträchtliche finanzielle und personelle Ressourcen benötigt. Zielunternehmen sind datenorientierte Unternehmen*.

Eckpunkte einer Data Governance

Die Data Governance regelt die Verwendung der Unternehmensdaten. Darunter fallen alle Daten, die durch das Unternehmen gesammelt werden.

Bestandteile einer Data Governance sind Weisungen, Standards, Unternehmensrollen, Messsysteme und Definitionen,

  • welche die Datenklassifikation regeln,
  • welche die Datenverarbeitung (Data Lifecycle) regeln,
  • welche die Datenverantwortungen innerhalb des Unternehmens sicherstellen,
  • welche die Einhaltung der regulatorischen Vorgaben bspw. zum Datenschutz sicherstellen,
  • welche sich mit Analytics und der Ethik im Umgang mit Daten beschäftigen,
  • welche sich intensiv mit der Effizienz von Datenprozessen beschäftigen und
  • welche die Datenqualität verbessern.
Eckpunkte der Data Governance
Abbildung 1: Eckpunkte der Data Governance (eigene Darstellung)

Das Data Management, das die täglichen operationellen Datenanwendungen sicherstellt, ist nicht Teil der Data Governance.

Stolpersteine auf dem Weg zur Data Governance

Falls sich ein Unternehmen entscheidet die Data Governance einzuführen, ist die Unterstützung über alle Hierarchieebenen vom Management bis zum Sachbearbeiter notwendig. Zudem ist ein pragmatischer und unternehmensorientierter Fokus wesentlich.

Mit der Einführung einer Data Governance beauftragte Personen sind mit folgenden Stolpersteinen konfrontiert:

  • Ohne extrinsischen oder intrinsischen Druck ist das Management schwer vom Nutzen zu überzeugen.
  • Die Schlüsselprozesse zur Einführung einer Data Governance sind oft nicht bekannt und müssen identifiziert werden.
  • Motivierte Mitarbeiter, welche die Datenverantwortung leben, sind schwer zu finden. Meistens haben sie andere Aufgaben innerhalb des Unternehmens.
  • Der anfängliche Scope der Data Governance wird v.a. bei international tätigen Unternehmen zu umfassend definiert. Unterschiedliche Kulturen, Verständnisse und Regulatorien müssen berücksichtigt werden und gefährden die erfolgreiche Umsetzung.
  • Die Aufgabengebiete der involvierten Personen sind zu Beginn nicht bekannt und entwickeln sich erst mit der Zeit.
  • Die Einführung einer Data Governance ist ein Programm und setzt eine starke Führung voraus.
  • Projektmitarbeiter sind zu wenig mit den Prozessen und der Unternehmenskultur vertraut.
  • Die Auswirkungen sind im Unternehmen nicht unmittelbar erkennbar und greifbar. Sie entwickeln sich über die Zeit.
Stolpersteine der Data Governance
Abbildung 2: Stolpersteine der Data Governance (eigene Darstellung)

Nutzen für das Unternehmen

Meistens wird der Nutzen einer Data Governance nicht beachtet. Erwartete Kosten schrecken bereits zu Beginn vom Thema ab. Anbei eine Auflistung Abbieiniger Vorteile, mit welchen die Unternehmen mit einer Data Governance punkten können:

  • Eine ausgeklügelte Data Governance schützt das Unternehmen vor Cyberangriffen und baut dessen Resilienz aus.
  • Obwohl der Name „Governance“ stark nach Compliance klingt, fördert die Data Governance die Zusammenarbeit im Datenumgang und nimmt nicht eine Compliance-Rolle ein.
  • Einheitliche Vorgaben unterstützen z.B. die Verbesserung der Datenqualität.
  • Mit Hilfe der Data Governance wird die Vermittlung und Zusammenarbeit zwischen IT und dem Business gefördert, wodurch durchgängigere und effizientere Prozesse der Datenverwendung erreicht werden können.
  • Eine Data Governance kann die Umsetzung der Unternehmensstrategie vorantreiben, sofern diese auch den digitalen Datenumgang abdeckt.
Nutzen der Data Governance
Abbildung 3: Nutzen der Data Governance (eigene Darstellung)

Schlussfolgerungen für eine erfolgreiche Datenzukunft

Datenorientierte Unternehmen* sind gut beraten, über die Einführung einer Data Governance nachzudenken. Inhaltlich werden Vorgaben im Datenumgang definiert, umgesetzt und überwacht. Die Data Governance ist ein Programm, deren Einführung eine lange Zeitdauer in Anspruch nimmt. Die Kosten einer funktionierenden Data Governance können hoch sein, weshalb der Nutzen von allen Mitarbeitenden verstanden werden muss.


*Datenorientierte Unternehmen treffen Entscheidungen und optimieren ihre Geschäftsprozesse anhand ihrer Daten und deren Analysen. Sie sind in verschiedenen Bereichen und Branchen anzutreffen. Von Transportunternehmen und Technologieunternehmen bis hin zu Finanzdienstleistern und Gesundheitsunternehmen setzen viele Unternehmen heute auf datengesteuerte Ansätze.

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Literaturhinweis

Reichental, J. (December 2022). Data Governance for Dummies. John Wiley & Sons Inc.

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Sonja Krapfl

Sonja Krapfl arbeitet als Information Security Officer bei der Bank Julius Bär & Co. AG und bloggt aus dem Unterricht des CAS Data Governance.

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