Online-Anlagebetrug: Wie man sich schützt und was zu tun ist, wenn man betrogen wurde

«Dieser Crypto John hat mich kürzlich über Insta kontaktiert und mir von einer super Anlagestrategie mit Kryptowährungen erzählt. Ich habe aus Neugier die Webseite angeschaut und gedacht, das sieht professionell aus. John hat mich super beraten und die erste kleine Investition warf sofort einen Gewinn ab! Mit Kryptowährungen kann man einfach und schnell Geld verdienen.»

Solche Aussagen lese ich des Öfteren bei Fällen, die auf einem Polizeiposten angezeigt werden. Leider enden diese Geschichten meistens damit, dass eine grosse Summe des Ersparten der Opfer der Täterschaft des dazugehörenden Cybercime-Phämonens «Online-Anlagebetrug» in die Hände fällt.

Die Schweizerische Kriminalprävention umschreibt in ihrem Merkblatt in fünf Phasen ausführlich, wie die Täter beim Betrug vorgehen. So werden die potentiellen Geschädigten in einer ersten Phase angeködert. Dies geschieht oft über Werbeanzeigen im Internet oder gar über direkte Kontaktaufnahmen. In einer zweiten Phase wird der persönliche Erstkontakt hergestellt und vertieft. Die Täter geben sich dabei meist als professionelle Anlageberater aus und versuchen, erste Zweifel an ihren Investitionsmöglichkeiten zu zerstreuen. Die dritte Phase dreht sich dann um die Vertrauensbildung. Die Betrüger nehmen sich viel Zeit, um Ihre Strategien gut zu verkaufen. Oftmals winkt nach einer ersten kleinen Investition bereits ein Gewinn, der sogar ausbezahlt wird. Doch dient dies nur darum, das Opfer zu weiteren, viel höheren Investitionen zu animieren. Es wird vorgegaukelt, dass auch diese Investitionen sehr gute Gewinne abwerfen. Wenn es dann aber darum geht, das Geld abzuheben, werden in einer vierten Phase Nachschüsse verlangt. Diese sollen dazu dienen, bspw. Steuerabgaben zu decken oder mögliche Crashes zu verhindern. Es werden aber auch unzählige weitere Gründe für solche Nachschüsse aufgeführt. Das Ganze endet dann in der fünften und letzten Phase der Verlust-Realisierung.

Schutz vor Online-Anlagebetrug

  • Recherchieren Sie: Bevor Sie eine Investitionsentscheidung treffen, sollten Sie sich gründlich über das Unternehmen oder die Person informieren, von der Sie das Angebot erhalten haben. Die Finanzmarktaufsicht (FINMA) oder die Webseite cybercrimepolice.ch führen eine Warnliste mit betrügerischen Plattformen, welche laufend aktualisiert wird.
  • Seien Sie misstrauisch gegenüber unerwarteten Angeboten: Ein Angebot, das zu gut klingt, um wahr zu sein, ist in der Regel auch zu gut, um wahr zu sein. Seien Sie besonders vorsichtig, wenn Sie plötzlich von einer unbekannten Person kontaktiert werden und dazu aufgefordert werden, sofort zu investieren.
  • Investieren Sie nur das, was Sie sich leisten können zu verlieren: Es ist wichtig, dass Sie nur Geld investieren, dessen Verlust Sie sich leisten können. Lassen Sie sich nicht von Betrügern dazu verleiten, alles auf eine Karte zu setzen, indem Sie Ihre Ersparnisse oder Ihr gesamtes Vermögen in eine vermeintlich lukrative Investition stecken.

Was tun, wenn man betrogen wurde?

  • Melden Sie den Betrug: Informieren Sie umgehend die Polizei und erstatten Sie Anzeige. Melden Sie den Vorfall auch auf der Plattform des NCSC, des nationalen Zentrums für Cybersicherheit.
  • Informieren Sie Ihr Bankinstitut: Allenfalls kann Ihr Geldinstitut die ausgeführten Zahlungen noch stoppen. Je schneller Sie handeln, desto höher ist die Chance, dass Geld wieder zu Ihnen zurückfliesst.
  • Sammeln Sie Beweise: Sammeln Sie alle Unterlagen, die mit der betrügerischen Investition zu tun haben, einschließlich E-Mails, Chatverläufe, Briefe, Überweisungsbelege oder Accountangaben. Erstellen Sie Screenshots von betrügerischen Webseiten. Sollten Sie der Täterschaft gar Zugriff auf Ihr Gerät erlaubt haben, versuchen Sie Logdaten zu sichern oder übergeben Sie Ihre Geräte einem Spezialisten.

 

Weiterführende Links zum Thema

Rendite genial, Verlust total – Schweizerische Kriminalprävention

Investmentbetrug – NCSC Nationales Zentrum für Cybersicherheit

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Marc Gerlach

Marc Gerlach ist Cyberermittler bei der Polizei und bloggt aus dem Unterricht des CAS Blockchain. In seiner täglichen Arbeit sieht er sich mit konkreten Vorfällen in Bezug auf das Cybercrime-Phänomen Online-Anlagebetrug konfrontiert.

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