Bitcoin und Co. – und die Krux mit dem Stromverbrauch

China hat es getan, Iran schon länger – und nun auch Russland. Viele Länder haben das Mining von Kryptowährungen in jüngster Zeit verboten. Hauptargument ist der gigantische Stromverbrauch. Wie erklärt sich das? Und was bedeutet das alles für die Zukunft der Blockchain-Technologie?

Es ist unbestritten: Kryptowährungen wie Bitcoin sind gigantische Stromfresser. Die Cambridge Universität in England berechnet seit Jahren, wie viel Energie, wie viel Rechenpower fürs Mining global eingesetzt werden muss – und diese Zahlen haben es in sich. Rund 200 Terrawattstunden waren das im vergangenen Jahr, so viel Strom also, wie die ganze Schweiz in vier Jahren verbraucht. Tendenz stark steigend. (> Hier geht’s zu den Daten)

Woher dieser Stromverbrauch?

Dazu muss man sich zunächst die Grundidee von Blockchain bzw. Kryptowährungen vor Augen führen. Anders als Banken, die Geldmenge, Währungen etc. beherrschen oder steuern, werden Bitcoins nicht von einer Institution zentral verwaltet, sondern dezentral von grundsätzlich unendlich vielen Computern irgendwo auf der Welt. Jeder einzelne Teilnehmer/Miner versucht – weil er dadurch mit Bitcoins belohnt wird –  die nächste irgendwo auf der Welt getätigte Transaktion (zwischen User A und B) zu verifizieren, in dem er als erster das jeweils vorliegende komplexe kryptographische Rätsel löst, das die Transaktion schliesslich auf der jeweiligen Blockchain speichert. Dieses Konzept lautet “proof of work”, also Nachweis einer geleisteten Arbeit, und benötigt viel Strom. 

Nix für Hobby-Miner und Klimaschützer

Wer beim Lesen dieser Zeilen auf die Idee kommen sollte, selber als Miner anzufangen und damit Geld zu verdienen, dem sei hier Folgendes gesagt: ein normaler Computer reicht dafür nicht (weil zu wenig Rechenleistung). Es müssen also einerseits kostenintensive Hardware-Komponenten dazu gekauft werden, vor allem aber steht man als einzelner Miner sowieso im Schilf, weil man zum Lösen jedes einzelnen Transaktions-Rätsels gegen gigantische Mining-Pools antritt, die grundsätzlich unbegrenzte Computerpower vereinen. Hier kommt der Faktor “Stromkosten” ins Spiel. In vielen Ländern, wie eben China, Iran oder Russland, wo die Energiepreise deutlich tiefer sind als etwa in der Schweiz, wurden in den vergangenen Jahren tausende Fabrikhallen aus dem Boden gestampft, die bis zum letzten Zentimeter gefüllt sind mit leistungsstarken Computern, die 24 Stunden am Tag auf Hochtouren laufen (und von Klimaanlagen durchgehend heruntergekühlt werden). Notabene zu einem grossen Teil mit Strom aus CO2-schädlichen fossilen Brennstoffen.

Was ist mit Alternativen zum stromfressenden “proof of work” – Mechanismus?

Zunächst soll hier kurz einer der renommiertesten Krypto-Kenner im deutschsprachigen Raum zitiert werden, Philipp Sandner. In einem Interview mit Business Insider sagte er, das Konzept Bitcoin würde ohne diesen hohen Stromverbrauch nicht funktionieren. Das Vertrauen – und das ist ja zentral bei einer Währung, die nicht durch Zentral- und sonstige Banken kontrolliert wird (und damit vertrauenswürdig erscheint) – sei vor allem wegen der hohen Netzwerksicherheit durch diesen “proof of work”-Mechanismus entstanden. “Somit ist der Stromverbrauch in der Masse ein Bollwerk gegen Angriffe von außen“, sagt Sandner.

Schön und gut, Fakt ist aber auch, dass reihenweise Länder das Mining verboten haben – wegen diesem gigantischen Stromverbrauch. Welche anderen Möglichkeiten gäbe es also, Vertrauen und Sicherheit in Kryptowährungen zu garantieren? Eine abschliessende Antwort dazu gibt es im Januar 2022 nicht. Die Kryptowährung Ethereum etwa verspricht seit Jahren die Umstellung zu einem “proof of stake”-Mechanismus. Hier müssten die abertausenden Computer im Netzwerk keine Rätsel mehr lösen, es würden stattdessen bei jeder Transaktion Anteilsnachweise ausreichen (Mehr zum Thema).

Ganz zu trauen scheint man der Sache jedoch nicht, weil die Einführung bisher immer wieder verschoben wurde. Vorläufig werden also absehbar weitere Länder das Mining mit diesem “proof of work”-Mechanismus verbieten, gleichzeitig wird damit der Anteil des Mining-Kuchens für andere Länder (ohne Verbot) umso grösser. Aber klar: Langfristig – mit Blick auf den Pariser Klimavertrag und die ambitionierten Netto-Null-Ziele vieler Teilnehmerstaaten – muss eine Alternative zum gigantischen Stromverbrauch her. 

 

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Samuel Wyss

Samuel Wyss ist ab Februar 2022 Informationsbeauftragter beim Staatssekretariat für Migration. Zuvor war er mehr als 10 Jahre Journalist bei SRF (u.a. Moderator der Hintergrundsendung “Echo der Zeit”) und hat dort die Entwicklung von Bitcoin und Co. intensiv verfolgt. Er bloggt hier aus dem CAS Blockchain.

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