IT- Infrastruktur Verfügbarkeit – Wo bleibt die Verfügbarkeit der Grundinfrastruktur?

Bei Auslegung der Verfügbarkeit der IT-Infrastruktur geht meist das Alignment  der Provider-, Elektrizitäts-Erschliessung, sowie der Gebäudeinfrastruktur vergessen.
Wer berücksichtig bei der Betrachtung die Elemente: Energieversorgung, Verkabelungen und Umgebungseinflüsse welche meist zu den Gebäudeinfrastrukturen gehören?
Nachfolgender Kurzeinblick dient einer Sensibilisierung für diese Bereiche, und somit einer umfassenderen Betrachtung der Verfügbarkeit der IT-Infrastruktur.

Vielfach erfolgt das Alignment zwischen der IT-Infrastruktur, der Gebäudeerschliessung und der Gebäudeinfrastruktur gar nicht oder viel zu spät! Meist wiegt man sich in einer falschen Verfügbarkeitssicherheit, da man sich des gesamten Systems nicht bewusst ist.

Folgendes Praxisbeispiel soll sensibilisieren:

Um ein Gebäude finden Strassenarbeiten statt. Bei diesen Arbeiten beschädigt ein Bagger das Rohr der Gebäudezuführung in welchem die Kabel des Providers (WAN) verlaufen. Das Gebäude und damit die IT-Arbeitsplätze werden von der Anbindung an die Aussenwelt abgeschnitten. Mit der Lokalisation und Behebung des Schadens dauert der Unterbruch mehrere Stunden. Arbeiten innerhalb der Unternehmung kommen zum Stillstand und der Kundenkontakt wird unterbrochen.
Der IT-Verantwortliche darf bei der Aufarbeitung die Ereignisse Dokumentieren und vor der Geschäftsleitung Rechenschaft ablegen. Bei der Anforderung an die IT wurde definiert, dass diese höchstverfügbar sein muss. Der Rest der Geschichte erklärt sich von selbst.
Die Verfügbarkeit des Systems richtet sich immer nach dem schwächsten Element und der Wert der Gesamtverfügbarkeit liegt immer unter diesem. Da nützt es wenig, wenn man höchstverfügbare Rechencenter-Infrastrukturen realisiert und der Anbindung an die Gebäude zu wenig Beachtung schenkt!
Bei diesem Beispiel war die Providerverkabelung betroffen. Aber denkt daran, die IT funktioniert nicht ohne Strom!
Verfügbarkeit wird mit Redundanzen erreicht. Doch meist sprechen nicht alle vom selben.

Folgende Unterscheidungen müssen bewusst gemacht werden:

  • Keine Redundanz:
    Ein Lichtwellenleiter-Kabel mit 2 Fasern und einem Stecker. Switch wird mit einer Signal-Anbindung erschlossen. 
  • Signal Redundanz:
    Ein Lichtwellenleiter-Kabel mit 4 Fasern und zwei Steckern. Switch wird mit zwei Signal-Anbindungen erschlossen.
  • Kabel Redundanz:
    Ein Kabelweg zum Beispiel in einem Rohr mit zwei Lichtwellenleiter-Kabel mit je 2 Fasern und je einem Stecker. Switch wird mit zwei Signal-Anbindungen erschlossen mit?  zwei Kabeln.
  • Geo Redundanz:
    Zwei geographisch voneinander getrennte Kabelwege mit je einem Lichtwellenleiter-Kabel mit je 2 Fasern und je einem Stecker. Switch wird mit zwei Signal-Anbindungen erschlossen. Gilt sinngemäss bei den Patch-Verkabelungen auf den Switch. 1x von links und 1x von rechts. Unterschiedliche Patch-Kabelfarben können der Übersichtlichkeit dienen. (Natürlich auch bei Starkstrom-Netzkabeln zweckmässig!)

Diese Beispiele gelten nicht nur für Kabel, sondern generell für die Infrastrukturteile.

Weitere Elemente welche bei der Betrachtung mit einbezogen werden müssen (nicht abschliessend):

  • Energieversorgung: EW-Einspeisung, unterbruchlose Spannungsversorgungen für kurzfristige Netzunterbrüche und Notstromgenerator für die längerfristige Sicherstellung.
  • Blitzschutzanlage: Äusserer Blitzschutz bestehend aus Fangstangen, Fang- und Ableitungen. Innerer Blitzschutz bestehend aus Erdung und Überspannungsschutz-Ableiter. IT-Räume und Steigzonen nicht an Aussenwänden platzieren.
  • Schutz gegen elektromagnetische Strahlen: Abschirmungen….
  • Schutz gegen elektrostatische Ladungen: Ableitfähigkeit von Oberflächen…
  • Brandschutz: Brandmeldeanlage, Brandfrüherkennungssysteme, automatische Löschsysteme
  • Staubschutz: Schleusen, Filter, Beschichtungen, Farbanstriche…
  • Wasserschutz: Räume nicht im Untergeschoss, keine Wasserleitungen über IT-Equipment…
  • Kälte- und Luftversorgung: Verteilung und Erzeugung.

Empfehlung:

Liebe IT- Verantwortliche, schaut über Eure Systemgrenzen hinaus!
Holt Euch da einen Spezialisten mit Erfahrung welcher Unterstützung bietet.

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Stefan Bauer

Stefan Bauer ist Geschäftsführer der HKG Engineering AG Schlieren sowie Mitglied der Gruppengeschäftsleitung und bloggt aus dem Unterricht des CAS IT Management & Agile Transformation. Er verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung im Bereich der Elektroplanung und entsprechender Verfügbarkeitskonzepte.

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