Fractional Investing – Viel Potential, aber nicht risikolos

Die Börsen boomen dank billigem Geld. Mit Fractional Investing können auch Kleinstanleger investieren und Miteigentümer an trendigen Firmen wie Apple, Amazon oder Tesla werden. Fractional Investing ist nicht neu, aber Blockchain erweitert die Möglichkeiten enorm. Anleger sollten sich bewusst sein, dass es keinen «free lunch» gibt. Ein Plädoyer für Achtsamkeit!

Fractional Investing hat grosses Potential

Fractional Investing finde ich eine tolle Idee und sehe viel Potential. Tokenisierte fraktionierte Aktien ermöglichen es, einzelne Aktien in kleine Stücke zu zerlegen. Damit können auch Kleinanleger mit weniger Kapital kostengünstig in teure Aktien investieren und dies unabhängig vom traditionellen Finanzsystem. Doch das Ganze hat einen Haken: es werden neue Risiken geschaffen. Weshalb? Neue Player kommen ins Spiel, die mit zusätzlichen Risiken verbunden sind. Warum das so ist, sehen wir, indem wir uns überlegen wie eine Aktie tokenisiert und fraktioniert werden kann.

 

Der Trick bei der tokenisierten Fraktionierung

Anbieter fraktionierter Aktien (z.B. FTX) wenden einen Trick an. Bekanntlich werden an der Börse nur ganze Stückzahlen und keine Teilaktien (z.B. 0.355 Aktien Apple) gehandelt. Weil fraktionierte Aktien (noch) nicht von der Firma (z.B. Apple) selbst ausgegeben werden, braucht es zwischengeschaltete Dritte, welche die Zerstückelung für die Anleger vornehmen.

Mithilfe dieser Drittparteien werden neue Bockchain-basierte Finanzinstrumente mit geringer Stückelung geschaffen, die den Kursverlauf der Apple-Aktie abbilden. Dafür kommen Security- oder Anlagetoken in Form von tokenisierten Derivaten, tokenisierten Fonds oder tokenisierten Obligationen in Frage. Mit dem Geld der Anleger kauft der Emittent in eigenem Namen aber auf Rechnung der Anleger über die Börse die Aktien. Die Anleger erhalten im Gegenzug Anteile der neu geschaffenen tokenisierten Obligation. Sie erhalten damit indirekt Anspruch auf die anteilige Wertentwicklung der Apple-Aktie. Während die Rendite mit der realen Aktie übereinstimmt, sind die Risiken aber gestiegen.

 

Creation of ractional shares with tokenized bonds
Schaffung fraktionierter Aktien mit tokenisierten Obligationen (Bildquelle: eigene Darstellung)

Tokenisierung erhöht das Risiko

Stellen Sie sich vor, der Emittent der tokenisierten Obligation fällt aus irgendeinem Grund aus (z.B. Zahlungsunfähigkeit). Dies hat zur Folge, dass die Aktien in die Konkursmasse fallen und die Anleger dadurch schlimmstenfalls ihr Geld verlieren könnten. Tokenisierung führt also zum Aufbau von Gegenpartei-, Kredit- und Emittentenrisiken. Paradoxerweise kann der Anleger also sein Geld verlieren, obwohl die Apple-Aktie selbst unverändert werthaltig ist.

 

Risikominderung ist möglich und wichtig

Mit geeigneten Massnahmen können die Risiken reduziert werden, aber das kostet. Pfändung oder Sicherungsbetrag (Collateral) sind zwei Möglichkeiten. Ebenfalls ist der Einsatz von reinen Verbriefungs-Zweckgesellschaften ratsam, da deren Ausfallwahrscheinlichkeit geringer ist.

 

Achtsamkeit ist gefragt

Tokenisierte fraktionierte Aktien sind ein hervorragendes Mittel, um bei kleinen Beträgen ein diversifiziertes, attraktives Portfolio aufzubauen. Das Thema ist aber komplexer als es viele Marketingtexte glaubhaft machen wollen. Die Angebote richten sich gezielt an Kleinanleger, die aus regulatorischer Perspektive ein erhöhtes Schutzbedürfnis haben. Transparenz und Aufklärung sind oberstes Gebot. Anleger sollten sich bewusst sein, dass sie keine effektiven Teilaktien, sondern ein tokenisiertes Derivat oder eine tokenisierte Obligation kaufen. Damit sind Risiken verbunden. Stellen Sie daher vor der Investition Fragen:

  • Wie erfolgt die Tokenisierung?
  • Wie werden die Risiken der Tokenisierung eingedämmt?
  • Wo kann das Instrument gehandelt werden?

Mein Rat: Investieren Sie nur, was sie verstanden haben oder lassen Sie sich von einem beaufsichtigten Finanzinstitut beraten.

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Dr. Reto Degen

Dr. Reto Degen ist Stv. Bereichsleiter Wertpapiere und Märkte bei der Finanzmarktaufsicht Liechtenstein und bloggt aus dem Unterricht des CAS Blockchain.

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