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Wenn 98 Prozent das Problem sind: Nachhaltigkeit beginnt vor der Fabriktür

Die Milchverarbeiterin Emmi hat erkannt, dass echte Nachhaltigkeit nicht in der eigenen Fabrik entsteht, sondern entlang der gesamten Lieferkette. Eine Erkenntnis, die weit über die Lebensmittelbranche hinausgeht.

Im Rahmen unserer MBA-Weiterbildung an der HSLU präsentierte Deborah Jossen, Leiterin Nachhaltigkeit bei Emmi Schweiz, eine Zahl, die uns aufhorchen liess.

98 Prozent der CO²-Emissionen des Unternehmens entstehen ausserhalb der eigenen Betriebe, bei Milchlieferanten, in der Logistik und beim Recycling von Verpackungen. Nur 2 Prozent fallen auf die eigene Produktion. Das klingt zunächst erschreckend, zeigt aber vor allem, wo der eigentliche Hebel liegt.

Nachhaltigkeit fängt beim Bauern an, nicht erst im Betrieb

Als Führungskräfte in der Informationssicherheit kennen wir dieses Prinzip gut. Ein System ist nur so sicher wie sein schwächstes Glied. Bei Emmi gilt dasselbe Denken.

Im Pilotprojekt KlimaStaR arbeitet Emmi mit 222 Bauernbetrieben daran, die landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen um 20 Prozent zu senken. Nachhaltig zu werden bedeutet also nicht, eine Solaranlage auf das Fabrikdach zu stellen, sondern die gesamte Wertschöpfungskette neu zu denken.

Besonders bemerkenswert ist, dass Emmi die Verantwortung für diese 98 Prozent freiwillig übernimmt, obwohl sie gar nicht im eigenen Betrieb anfallen. Viele Unternehmen würden diesen Anteil einfach ausblenden. Emmi tut das Gegenteil und beweist damit ein Verantwortungsbewusstsein, das weit über das gesetzlich Geforderte hinausgeht.

Nachhaltigkeit als strategischer Hebel, nicht als Pflichtübung

Im MBA haben wir gelernt, dass Strategie bedeutet, auf Basis klarer Prioritäten langfristige Wettbewerbsvorteile aufzubauen. Emmi macht genau das. Nachhaltigkeit ist fester Bestandteil der Unternehmensstrategie, eingebettet in eine klare Governance-Struktur mit messbaren Zielen.

Die eigenen Emissionen sollen bis 2031 um 46 Prozent sinken, die Vision lautet Net Zero bis 2050. Das ist nicht Altruismus, das ist unternehmerisches Kalkül. Emmi hält fest, dass Nachhaltigkeit Wachstum fördert, Kosten senkt, Lieferketten sichert und das Vertrauen von Investoren sowie Mitarbeitenden stärkt.

Unsere gemeinsame Überzeugung ist, dass Unternehmen, die Nachhaltigkeit als Kostenfaktor begreifen statt als strategischen Hebel, mittelfristig unter Druck geraten werden. Die 98 Prozent bei Emmi sind keine Entschuldigung, sie sind eine Einladung, Führung neu zu denken, über die eigenen vier Wände hinaus.

Bereits heute erfüllt 100 Prozent der in der Schweiz verarbeiteten Milch den Standard «Nachhaltige Schweizer Milch». Dennoch hat Emmi ambitionierte Nachhaltigkeits-Ziele. (Bildquelle: Emmi Gruppe)

Mike Meier, Thomas Arnold

Mike Meier ist Bauführer bei GEBR. BRUN AG. Thomas Arnold ist Teamleader im SOC der InfoGuard AG. Beide absolvieren zum Zeitpunkt der Publikation den MBA an der Hochschule Luzern.

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