Flexible Leinstungsnachweise: Mehr Mitbestimmung, mehr Motivation?
Stand-up vom Dienstag, 13. September 26 mit Laszlo Arato
Wie verändert sich die Motivation von Studierenden, wenn sie selbst entscheiden können, wie ihre Leistungen gewichtet werden? Dieser Frage ging Laszlo im Frühlingssemester 2026 im Rahmen eines Experimentiermoduls nach.
Idee: Studierende setzen eigene Schwerpunkte
Im Kernmodul ADCREA konnten die Studierenden selbst bestimmen, wie stark ihre Projektarbeit und die schriftliche Semesterprüfung in die Gesamtnote einfliessen. Für das Projekt konnten sie eine Gewichtung zwischen 30 und 70 Prozent wählen. Ihren Entscheid mussten sie früh im Semester verbindlich mitteilen.
Das Ziel: den Studierenden mehr Eigenverantwortung übertragen und ihre Motivation fördern, sich vertieft mit dem Lernstoff auseinanderzusetzen.
Fazit: Ein kleines Experiment mit positiver Wirkung
Die Rückmeldungen der Studierenden waren durchwegs positiv. Auch Laszlo beobachtete eine höhere Motivation bei der Projektarbeit. Sein Fazit: Die flexible Gewichtung ist kein Gamechanger, aber eine einfache Möglichkeit, den Studierenden entgegenzukommen und ihre individuellen Stärken zu berücksichtigen.
Trotz eines gewissen administrativen Mehraufwands würde er das Modell weiterempfehlen. Künftig möchte er zusätzlich eine Zwischenprüfung einführen, die fix 20 Prozent zählt. Die restlichen 80 Prozent können die Studierenden weiterhin selbst zwischen Projekt und Abschlussprüfung aufteilen.
Und welche Rolle spielt KI?
Das Experiment warf auch Fragen zum Einsatz künstlicher Intelligenz bei Leistungsnachweisen auf. Während KI bei der Projektarbeit erlaubt war, zeigte sich ihr Einsatz in der schriftlichen Prüfung als problematisch, denn die Ergebnisse fielen auffallend gut aus. Insbesondere bei Design- und Verständnisfragen erleichterte KI die Lösungsfindung erheblich.
Laszlo zieht daraus eine Konsequenz und will künftig KI in der schriftlichen Prüfung nicht mehr zulassen. Bei der Projektarbeit bleibt sie erlaubt, allerdings müssen die Studierenden ihren Code verstehen und erklären können.
Diskussionsstoff: Wie prüfen wir im KI-Zeitalter?
Für eine faire Prüfung ohne unerlaubte KI-Unterstützung setzt Laszlo ein Script ein, das während der Prüfung regelmässig Screenshots erstellt. In der anschliessenden Diskussion kam auch die bestehende Laborumgebung der HSLU I zur Sprache, in der bereits Prüfungen ohne externen Netzzugang durchgeführt werden. Ob diese auch für Laszlos Prüfungsformat geeignet wäre, ist allerdings offen. Insbesondere müsste geklärt werden, ob sich die benötigten Entwicklungswerkzeuge wie Unity und Visual Studio Code dort einsetzen lassen.
Die Diskussion ging aber weit über technische Lösungen hinaus. Wie vermitteln wir Studierenden, dass Grundlagenwissen auch dann unverzichtbar bleibt, wenn KI scheinbar mühelos Antworten liefert? Ein Dozent brachte es auf den Punkt: Wer lediglich KI-generierte Lösungen einreicht, vergibt die Chance auf wertvolles Feedback zum eigenen Lernprozess.
Das Stand-up Meeting zeigte damit, dass es bei Leistungsnachweisen im KI-Zeitalter nicht nur um die Frage geht, welche Hilfsmittel erlaubt sind. Entscheidend ist, wie wir eigenständiges Denken fördern und sichtbar machen können.
Link zur Aufnahme zum Talk mit Nino Ricchizzi, 5. Oktober 2026
Slides zum Stand-up