Workshop Café mit Andres Wanner – Konkret werden: überfachliche Skills mit Workshop Materialien üben
Wie bringt man eine Gruppe dazu, offen über ihre Anliegen und Ideen zu sprechen, ohne dass sofort diskutiert, bewertet oder widersprochen wird? Im Workshop Café vom 2. September thematisierte Andres Wanner den Einsatz von handwerklichen Materialien für Workshops, um damit Ideen greifbar zu machen. Dies entspricht der These von Bettina Minder, «dass wir Probleme besser verstehen, wenn wir etwas Konkretes bauen» (Minder 2026).
Laut denken statt diskutieren
Am Workshop Café fanden sich neun Teilnehmende zusammen, und übten in Dreiergruppen mit je unterschiedlichem Material: Play-Doh, Lego und gemischte Bastelmaterialien. Damit sollten sie gemeinsam die HSLU – Informatik darstellen.
Dieser materialbasierte Ansatz fördert lautes Denken. Teilnehmende stellen offene Fragen oder Kommentare einfach in die Runde – «ich mach mal ein paar Bits und Bytes» – ohne auf eine Antwort oder Bestätigung warten zu müssen. Es wird dann auch kaum je «Nein» gesagt. Stattdessen arbeiten die Teilnehmenden einfach weiter, bis jemand eine neue Idee einbringt.
So wird auch Unliebsames und Unausgesprochenes benennbar, und zeigt, bei welchen Themen mitgelacht wird und bei welchen nicht. Zudem wandelt sich das Denken und wird kollektiver: «Ich weiss nicht mehr, wer die Idee hatte».
Im gemeinsamen Bauen zeigte sich auch viel metaphorische Sprache: Da wurde die «KI-Bubble» gebaut, ein «schwerer Rucksack» sichtbar gemacht, «Zündstoff» in einer Diskussion benannt oder man zeigte sich gegenseitig symbolisch den Vogel.
Überfachliche Kompetenzen üben
In der anschliessenden Reflexion zeigte sich: Das Material prägt die Zusammenarbeit. Klemmbausteine wie Lego wirken kreativ und zugleich technisch, sind aber als Kinderspielzeug für viele auch vorbelastet. Die Teilnehmenden überlegten auch, wie man zurückhaltende Teilnehmende am besten dafür gewinnt, sich auf eine solche Aktivität einzulassen. Der Ansatz wurde als geeignet erachtet für gegenseitiges Kennenlernen und für gemeinsame Ideenentwicklung, ganz am Anfang eines Projekts, wenn noch offen gesucht wird.
Was auf den ersten Blick wie ein spielerischer Mittagsevent mit Bastelmaterial wirkt, ist relevant für die Lehre und Zusammenarbeit der Zukunft: Überfachliche Kompetenzen wie Perspektivenwechsel, Dialog, Austausch und gemeinsame Ideenentwicklung ergänzen als sogenannte «Future Skills» die beruflichen Fachprofile. Auch das Framework der «Inner Development Goals» greift solche Kompetenzen auf. Klemmbausteine, Knete, Korken oder Pfeifenreiniger dienen dabei als Mittel, um solche Fähigkeiten zu aktivieren und zu üben, um damit ins gemeinsame Schaffen und ins kollektive Denken zu kommen.

Im Text erwähnt: Minder, B. (2026). Edu-I Lab, Innovationen in der Hochschullehre in sieben Schritten. Hochschule Luzern Informatik.