Die Technik ist das kleinste Problem bei einer Cloud-Migration. Das merkt man spätestens dann, wenn man mitten in einem ERP-Wechsel steckt und plötzlich erkennt: Das grösste Risiko sind nicht die Server, es sind die Menschen die gehen, bevor das Wissen weitergegeben ist. Wer eine IT-Transformation wirklich meistern will, muss zuerst die Menschen verstehen. Drei Dinge, die ich als IT-Architekt dabei gelernt habe.
Wenn die Technik nicht das Problem ist
Viele Unternehmen stehen heute vor der gleichen Situation: Die bestehende IT-Infrastruktur ist veraltet, Ersatzteile für alte Hardware sind weltweit kaum noch zu finden, und der ERP-Hersteller stellt den Support für die aktuelle Version ein. Der Weg in die Cloud ist damit keine strategische Option mehr, es ist eine Notwendigkeit.
So auch bei uns: Wir migrieren von IFS Apps 10 auf IFS Cloud und wechseln von einer vollständig On-Premises-Umgebung in die Cloud. IFS ist unser zentrales ERP-System. Es steuert Kernprozesse in Produktion, Logistik und Finanzwesen. Ein ERP-System ist das digitale Rückgrat eines Unternehmens: Es verbindet alle wichtigen Geschäftsprozesse in einem einzigen System.
Die technische Migration ist komplex, aber planbar. Was mich als IT-Architekt weit mehr beschäftigt: Was passiert mit den Menschen dahinter?
Das eigentliche Risiko: Wissen, das in Rente geht
In vielen Industrieunternehmen betreuen IT-Teams seit Jahrzehnten dieselben Systeme. Sie kennen jeden Prozess, jede Schnittstelle, jeden Workaround. Dieses Wissen ist nirgendwo vollständig dokumentiert, es steckt in den Köpfen der Menschen.
In der Schweiz werden bis 2033 rund
54’400 ICT-Fachkräfte fehlen und gleichzeitig geht eine Pensionierungswelle durch die Branche:
43 Prozent mehr IT-Fachleute treten bis 2026 in den Ruhestand als noch eine Dekade zuvor. Was sie mitnehmen, ist selten aufgeschrieben.
Genau das ist das eigentliche Risiko einer IT-Migration, nicht die neue Technologie sondern das Wissen, das mit erfahrenen Mitarbeitenden geht bevor die neue Welt fertig aufgebaut ist «
Wissensmanagement», also die systematische Weitergabe von Erfahrungswissen, wird in Transformationsprojekten oft zu spät angegangen.
Legacy-Systeme also veraltete Systeme, die eigentlich längst abgelöst sein sollten laufen in vielen Betrieben noch weiter. Nicht weil niemand wechseln will, sondern weil das Wissen so spezialisiert ist, dass ein Abschalten ohne sorgfältige Übergabe zu riskant wäre.
Was mich positiv überrascht hat
Ich hatte erwartet, dass Widerstand das grösste Problem sein würde. Das war es nicht.
Die Motivation der erfahrenen Mitarbeitenden ist enorm. Ihr Wissen ist ein Schatz einer, den man als IT-Architekt nutzen muss, bevor er verloren geht. Wer diese Menschen aktiv einbindet gewinnt nicht nur ihr Wissen, er gewinnt auch ihr Vertrauen.
Das ist keine Selbstverständlichkeit. Denn die Fragen im Hintergrund sind real: Werde ich noch gebraucht? Kann ich das noch lernen? Was passiert mit meiner Stelle? Diese Fragen hört man nicht immer direkt – aber man spürt sie. Und wer sie ignoriert, verliert die Menschen, bevor das Projekt beginnt.
Drei Dinge, die ich als IT-Architekt gelernt habe
- Blueprints sind nicht nur Technik sie sind Kommunikation. Ein Blueprint, also ein detaillierter Architekturplan, macht komplexe Veränderungen für alle sichtbar und verständlich. Wer zeigt, wohin die Reise geht, nimmt Unsicherheit, dass gilt für Führungskräfte genauso wie für Mitarbeitende im Betrieb.
- Nähe schlägt Konzept, ein Blueprint ersetzt das direkte Gespräch. Wer die Menschen wirklich versteht ihre Arbeitsweise, ihre Bedenken, ihren Alltag trifft bessere Architekturentscheide. Technologie muss zu Menschen passen, nicht umgekehrt, dass klingt selbstverständlich doch in der Praxis wird es häufig vergessen.
- Das Ziel immer wieder sichtbar machen in langen Transformationsprojekten verliert man leicht den Überblick. Was hilft: Das Ziel konkret machen. Nicht abstrakt «wir modernisieren die IT» sondern «Mit IFS Cloud können wir Prozesse automatisieren, die heute noch manuell laufen. Das entlastet euch direkt.» Wer das Warum versteht, trägt das Wie mit.
Fazit: Transformation ist Vertrauenssache
Eine Cloud-Migration ist kein reines IT-Projekt. Sie ist ein Veränderungsprojekt mit Menschen im Zentrum die Technik lässt sich planen. Das Vertrauen der Menschen muss man sich erarbeiten.
Wer das versteht, hat die wichtigste Architekturentscheidung bereits getroffen noch bevor die erste Zeile Code geschrieben ist.
Dieser Blogbeitrag und die verwendeten Bilder wurden durch Unterstützung einer Künstlichen Intelligenz (KI) erstellt.