Der Druck auf die moderne Schweinehaltung steigt zunehmend. Hohe Anforderungen an Effizienz und Tierwohl, sowie Fachkräftemangel fordern die Betriebe stark. Gleichzeitig zeigen Studien, dass trotz Fortschritt, Kannibalismus bei Schweinen stark verbreitet ist – eine haarsträubende Tatsache! Künstliche Intelligenz (KI) solls richten: Auffälligkeiten früh erkennen, Betriebsleitende entlasten und das Tierwohl stärken – so die Idee.
Nahezu gleichviele Schweine wie Menschen leben im Kanton Luzern. Genau genommen waren es laut der LUSTAT Statistik Luzern im Jahr 2024 401’375 Schweine. Eine enorme Zahl! Damit ist Luzern die bedeutendste Schweineregion der Schweiz. Doch wie kann in Zeiten von Effizienzsteigerung, Kostendruck und Fachkräftemangel das individuelle Tierwohl in dieser Grössenordnung sichergestellt werden? Aktuell erfolgt die tägliche Kontrolle der Tiere durch regelmässige Stallgänge. Eine zeitintensive und lediglich punktuell umsetzbare Angelegenheit. Mit Kameras, Sensoren und dem Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) könnten Betriebsleitende entlastet und eine lückenlose Verhaltensanalyse der Tiere gewährleistet werden.
Schweinisches Verhalten
Schweine sind äusserst soziale und neugierige Tiere. Sie leben in Gruppen mit klarer Rangordnung. Wenn etwas nicht stimmt, zeigen sie früh subtile Signale. Ihr Unwohlsein und Stress äussern sie häufig, in dem sie sich an Artgenossen abreagieren – ein schweinisches Verhalten. Bleiben die Signale unerkannt, kann sich aggressives Verhalten bis hin zu Kannibalismus, beispielsweise in Form von Schwanzbeissen, steigern. Klingt makaber, ist die ungeschönte Realität. Das Schwanzbeissen ist keine Seltenheit. Wie von Gunten (2016) darlegt, sind 39.7% der Mastschweine am Schlachthof von Schwanzläsionen betroffen. Eine grosse Belastung für Betriebsleitende und Tier. Bei spät erkannten Verhaltensänderungen drohen den Landwirtschaftsbetrieben nebst hohen Tierverlusten, auch Verzeigungen wegen Tierschutzvergehen. Eine Lösung zur Minderung dieses Leids ist dringend gefragt!
Künstliche Intelligenz im Pionierstall
Im «Schweine reichen» Kanton Luzern ist der Landwirtschaftsbetrieb Sonneweid angesiedelt – mein Elternhaus. Als Pilotbetrieb, testen sie die Anwendung von KI im Schweinestall. Ein Lösungsansatz, um die lückenlose Verhaltensbeobachtung zu gewährleisten. 33 Kameras und 15 Sensoren sind im Innen- und Aussenbereich montiert. Auf dem eigenen Server vor Ort werden die gewonnenen Daten lokal gespeichert und bearbeitet.
Was genau kann KI?
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- Stallklima überwachen
- Aktivitäten aufzeichnen
- Bewegungen feststellen
- Futteraufnahme registrieren
- Wasseraufnahme prüfen
- Gesundheitszustand überwachen
- Abweichungen melden
- mögliche Zusammenhänge erkennen
- unermüdlich Daten sammeln, auswerten und spiegeln
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Was kann KI (noch) nicht?
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- Keine gezielte Einzeltiererkennung
- Interventionen einleiten
- Tierbetreuung anstelle des Menschen übernehmen
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Ein Einblick in den Stall
Die KI zeichnet die Bewegungen in den jeweiligen Buchten kontinuierlich auf. Jedes Tier im Stall wird mit einem weissen Punkt dargestellt. So ergeben sich Bewegungsmuster, die von der KI analysiert werden.

Zeigen die Tiere verändertes Verhalten, schlägt das System Alarm – meist lange bevor ein Mensch es bemerken würde. Die Betriebsleitung erhält in Echtzeit eine Meldung zur Auffälligkeit. Dies ermöglicht ein schnelles Eingreifen, bevor es zu aggressivem Verhalten oder Kannibalismus kommt. Angezeigt wird nur die Bucht, nicht das spezifische Tier. Eine visuelle Kontrolle und das Einleiten gezielter Massnahmen durch Betriebsleitende sind unabdingbar.
Typische Massnahmen nach einem eingegangenen Alarm sind:
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- Bereitstellen von Spiel- und Beschäftigungsmaterial
- Anpassen von Fütterung oder Einstreu
- Beobachtung der betroffenen Gruppe in den nächsten Stunden
- Isolation des „Beissers“ oder des verletzten Tieres
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Nicht nur im Stall, auch in der Entwicklung der KI ist der Mensch nicht wegzudenken. Momentan wird auf der Sonneweid die künstliche mit natürlicher Intelligenz trainiert. Täglich circa eine Stunde lang. Eine Investition die sich auszahlt? Das wird die Zukunft zeigen.
Fazit
Künstliche Intelligenz (KI) in der Schweinehaltung steht noch am Anfang. Das Weiterführen von Pilotbetrieben und Forschungsprojekten ist unerlässlich. Denn jeder Betrieb ist einzigartig. Die Implementierung wird Zeit, technische Affinität und ein gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis fordern. Mit dem Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) in der Schweinehaltung ist ein entscheidender Schritt hin zu einer modernen und verantwortungsvollen Landwirtschaft getan. Sie zeigt einen Weg auf, wie Innovation und Tierwohl zusammenfinden können.
Quellen:
- LUSTAT Statistik Luzern
- KI im Schweinestall – Sonneweid
- von Gunten, C., 2016. Prävalenz von und Risikofaktoren für Caudophagie bei Mastschweinen in der Schweiz. Masterarbeit, Universität Bern.
