Das elektronische Patientendossier (EPD) sollte Gesundheitsdaten besser verfügbar machen. Trotzdem blieb der Nutzen im Alltag oft abstrakt. Mit dem neuen elektronischen Gesundheitsdossier (E-GD) will der Bund jetzt vorwärtsmachen. Wird aus einer guten Idee endlich ein Werkzeug, das Patientinnen, Patienten und Fachpersonen wirklich hilft?
Das elektronische Patientendossier, kurz EPD, war als wichtiger Schritt für die digitale Gesundheitsversorgung in der Schweiz gedacht. Relevante Dokumente wie Austrittsberichte, Laborwerte oder Medikationslisten sollten nicht mehr in Tools oder gar Papierordnern bei Praxen und Spitälern versanden. eHealth Suisse beschreibt das EPD als nationales Projekt, das isolierte Einzellösungen verbinden und Informationen entlang der Behandlungskette nutzbar machen sollte.
In der Praxis blieb die Wirkung schlicht aus. Das Bundesamt für Gesundheit hält fest, dass das EPD weder in der Bevölkerung noch bei den Leistungserbringern wirklich genutzt wird. Die neue gesetzliche Grundlage in Form des E-GD bietet die Chance, aus einem digitalen Archiv endlich ein alltagstaugliches Gesundheitswerkzeug zu machen.
Was habe ich als Patientin davon?
Aus Patientensicht ist der mögliche Nutzen gross. Wer mehrere Gesundheitsfachpersonen konsultiert, kennt das Problem: Informationen sind verteilt, Berichte fehlen, Medikamentenlisten sind nicht aktuell. Mal gibt es einen Papierausdruck mit nach Hause, mal die allseits beliebten HIN-Mails mit PDF anhängen. Ein gutes digitales Dossier könnte helfen einen Überblick über die eigene Behandlung zu haben, diese besser zu verstehen und im Notfall wichtige Informationen verfügbar machen.
Eine Studie aus dem Kanton Waadt zeigt jedoch, dass nur 30 Prozent der befragten Nutzenden mit dem EPD zufrieden waren, obwohl fast 70 Prozent es weiterempfohlen hätten. Die Idee überzeugt also mehr als die konkrete Erfahrung. Für Patientinnen und Patienten entsteht Nutzen nicht, weil ein Dossier existiert. Es muss verständlich, vollständig und einfach nutzbar umgesetzt sein.
Fachpersonen brauchen mehr als ein weiteres Tool
Auch für Gesundheitsfachpersonen kann ein sinnvolles Dossier wertvoll sein. Wenn relevante Informationen rasch auffindbar sind, sinkt das Risiko von Doppelspurigkeiten, Medienbrüchen und fehlenden Angaben. Das kann Patientensicherheit und Behandlungsqualität verbessern und langfristig auch Kosten senken. Soweit die Theorie.
Wenn das E-GD jedoch zusätzlichen Dokumentationsaufwand erzeugt oder schlecht in bestehende Systeme integriert ist, wird es zu einer zusätzlichen Belastung. Eine Schweizer Stakeholder-Studie nennt unter anderem Fragmentierung, fehlende Interoperabilität und Papierprozesse als zentrale Hürden für die flächendeckende Adaption von digitalen Gesundheitslösungen. Die Umsetzung genau dieser Punkte wird entscheidend sein, ob das E-GD effektiv genutzt werden wird oder weiterhin nur verwaltet.
Die Daten sind längst da
Ein weiteres heiss diskutiertes Thema im Gesundheitswesen ist der Datenschutz, so auch im Kontext EPD und E-GD. Aus meiner Sicht dreht sich die Diskussion aber zu oft darum, ob Gesundheitsdaten überhaupt entstehen sollten. Tatsächlich sammeln viele Menschen sie längst selbst: Apple Watch, Garmin, Oura Ring, Blutdruckmessgeräte oder Glukosesensoren sind längst im Alltag angekommen.
Diese Daten könnten Prävention und Selbstmanagement stärken. Wer Trends erkennt, kann früher reagieren. Auch Gesundheitsfachpersonen könnten zusätzliche Hinweise erhalten, etwa bei Herzrhythmusstörungen oder Aktivitätsveränderungen. Ein Review zu patientengenerierten Gesundheitsdaten aus mobilen Geräten betont jedoch, dass solche Daten bisher meist nicht routinemässig mit elektronischen Gesundheitsakten verbunden sind.
Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht: Daten, ja oder nein? Die Daten sind längst da. Entscheidend ist, ob sie unkontrolliert bei Geräteherstellern liegen oder ob Patientinnen und Patienten sie bewusst, sicher und nützlich in ihre Versorgung einbringen können. Das E-GD könnte dafür einen besseren Rahmen schaffen, wenn es patientenzentriert umgesetzt wird. Datenschutz ist wichtig und richtig. Er darf aber nicht nur verhindern, sondern muss auch ermöglichen: Menschen sollten ihre eigenen Daten überblicken, verstehen, kontrollieren und sinnvoll nutzen können.
Mein Fazit: Das E-GD bietet die Chance das EPD zu verbessern, wenn es mehr ist als ein neues Gesetz. Es muss für Patientinnen, Patienten und Gesundheitsfachpersonen im Alltag nützlich sein, während es den Datenschutz sicherstellt. Ansonsten bleibt digitale Gesundheit in der Schweiz eine Vision mit vergoldetem Login-Fenster.
Dieser Blogbeitrag wurde mit Unterstützung von KI erstellt.
