Zwischen Code und Kittel: Die Schnittstelle von Medizin und IT

„Können wir die KIS-Berichtsvorlage rasch anpassen? Nur ein zusätzliches Pflichtfeld, das spart uns auf Station viel Klickarbeit. Ach ja, und die Schnittstelle zum Labor hängt – wir müssen gleich auf Visite.“ Szenen wie diese gehören vielerorts zum Alltag der Klinik-IT. Spontane Anrufe aus dem Ambulatorium, dringliche Change Requests per Mail und der Wunsch nach „unbürokratischen“ KI-Tools prägen die Schnittstelle zum klinischen Betrieb.Die Realität

Was zunächst wie ein Kommunikationsproblem erscheint, ist ein tiefes organisatorisches Spannungsfeld. Dabei treffen zwei unterschiedliche Logiken aufeinander: Die klinische Praxis verlangt Flexibilität und schnelle Lösungen, während die IT-Governance Stabilität, Informationssicherheit und Compliance gewährleisten muss.

Wenn medizinisches Personal formale IT-Prozesse umgeht, geschieht dies meist aus akutem Zeitdruck im Spitalalltag. Aus Sicht der Klinik muss die Lösung oft «gestern» verfügbar sein, während die IT kontrollierte Prozesse einhalten muss. Für die IT führen spontane Anfragen jedoch zu ständigen Kontextwechseln, welche die Fehleranfälligkeit bei Systemkonfigurationen erheblich erhöhen. Gleichzeitig begünstigt die unkoordinierte Einführung von Software die Entstehung von Schatten-IT. Diese gefährdet Datenschutz und Interoperabilität – zwei zentrale Voraussetzungen für den sicheren, institutionsübergreifenden Datenaustausch im Rahmen des Elektronischen Patientendossiers (EPD) und klinischer Informationssysteme (KIS).

Gleichzeitig steigt die digitale Belastung des medizinischen Personals. Übermässige Warnmeldungen führen zu Alert Fatigue und erhöhen den Cognitive Load. Studien zeigen Zusammenhänge zwischen schlecht integrierter Health-IT, fragmentierten Arbeitsabläufen und steigenden Burnout-Raten. Reagieren IT-Abteilungen darauf primär aus technischer Perspektive, verstärken sich Frustration und gegenseitiges Unverständnis zwischen den Berufsgruppen.

Zwischen Agilität und Stabilität

Die Herausforderung besteht deshalb nicht darin, eine Seite von der anderen zu überzeugen, sondern beide Perspektiven sinnvoll miteinander zu verbinden. Zur Bewältigung dieser Situation setzen IT-Abteilungen auf bewährte Standards wie ITIL 4. Dahinter steckt ein einfacher Grundsatz: Änderungen sollten nicht erst dann bewertet werden, wenn bereits etwas schiefgelaufen ist. Deshalb werden Anpassungen vor der Umsetzung geprüft und ihre Auswirkungen abgeschätzt. Solche Prozesse wirken auf den ersten Blick bürokratisch – insbesondere dann, wenn die gewünschte Lösung bereits für gestern eingeplant war. Letztlich dienen sie jedoch dem gleichen Ziel wie in der Klinik selbst: Risiken zu minimieren und die Patientensicherheit zu gewährleisten.

Agile Methoden wie Scrum oder DevOps fördern die enge Zusammenarbeit mit den späteren Nutzerinnen und Nutzern. Im Gesundheitswesen haben solche Ansätze jedoch Grenzen. Was bei einer gewöhnlichen Softwareanwendung tolerierbar ist, kann bei Patientendaten oder sicherheitskritischen Prozessen schnell zum Risiko werden. Deshalb braucht es eine ausgewogene Kombination aus Flexibilität, sorgfältiger Prüfung und klaren Freigabeschritten.

Evidenzbasierte Lösungsansätze

Eine nachhaltige digitale Transformation erfordert konkrete strukturelle Veränderungen an den Nahtstellen:

Eine wichtige Brückenfunktion übernehmen Fachpersonen mit medizinischer und IT-bezogener Expertise. Sie erfassen klinische Anforderungen präzise. Eine interprofessionelle Governance schafft Transparenz und priorisiert Vorhaben nach Patientensicherheit, Effizienz und Compliance.

In der Praxis setzen viele Spitäler auf unterschiedliche Entwicklungsgeschwindigkeiten: Während Kernsysteme stabilen Release-Zyklen folgen, können weniger kritische Anwendungen flexibler weiterentwickelt werden. Ergänzend fördern Hospitationen und Schulungen zur digitalen Kompetenz das gegenseitige Verständnis von Klinik und IT. Beide Seiten stellen dabei häufig fest, dass die jeweils andere Gruppe nicht absichtlich kompliziert arbeitet – sondern schlicht mit einer anderen Form von Komplexität kämpft.

Der Erfolg dieser Zusammenarbeit lässt sich messen. Neben klassischen Kennzahlen zur Systemverfügbarkeit sollten auch die Effizienz der Arbeitsabläufe, die Entwicklung der Störungsraten und die Nutzerzufriedenheit berücksichtigt werden. Spätestens wenn weniger Tickets mit dem Betreff «Es funktioniert nicht» eingehen und gleichzeitig weniger Meetings zur Eskalation notwendig sind, wird der Fortschritt auch ausserhalb des Kennzahlen-Dashboards sichtbar.

Dieser Blogbeitrag wurde mit Unterstützung von KI erstellt.

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Marceline Schenk

Marceline Schenk ist Applikationsverantwortliche für das Klinikinformationssystem in der Forel Klinik und bloggt aus dem CAS Digital Healthcare. Gelernte Kinderkrankenschwester mit Erfahrung in Medizin Informatik, Stationsleitung, Onkologie und Intensivpflege.

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