Unternehmen messen heute fast alles. Doch statt Klarheit entsteht oft das Gegenteil. Zu viele KPIs führen zu widersprüchlichen Signalen und erschweren Entscheidungen. Dieser Beitrag zeigt unterschiedliche Risiken und Probleme einer KPI-Flut, wieso diese entstehen und warum weniger Kennzahlen oft mehr Wirkung haben.
Mehr messen, weniger verstehen?
„Was man nicht misst, kann man nicht steuern“. Dieser Satz prägt seit Jahren das Management. In vielen Unternehmen führte er jedoch dazu, möglichst alles zu messen.
Das Problem ist dabei nicht die Datenmenge allein, sondern die fehlende Priorisierung. Wenn zu viele Kennzahlen gleichzeitig betrachtet werden, wird es schwierig, relevante Signale von unwichtigen Informationen zu unterscheiden.
Dadurch gehen gehen wichtige Informationen im Datenrauschen unter („Signal vs. Noise„). Gleichzeitig steigt die kognitive Belastung. Konzepte wie Miller’s Law deuten darauf hin, dass Menschen nur eine begrenzte Anzahl an Informationen gleichzeitig sinnvoll verarbeiten können.
Wenn Kennzahlen falsche Anreize schaffen
Charles Goodhart formulierte es treffend: „When a measure becomes a target, it ceases to be a good measure.“
Dieses Risiko kann anhand eines bekannten Beispiels erläutert werden: Wells Fargo’s Affäre um Scheinkonten. Mitarbeitende wurden stark über Verkaufs-KPIs gesteuert und standen unter enormem Druck, neue Konten zu eröffnen. Um die Ziele zu erreichen, eröffneten sie millionenfach Konten ohne Zustimmung der Kundinnen und Kunden. Die Kennzahlen wurden erfüllt. Jedoch auf Kosten von Vertrauen, Reputation und einer sehr hohen Strafe.
Wenn Zahlen gut aussehen, aber nichts bringen
Nicht jede Kennzahl, die gut aussieht, ist auch relevant. Verbreitet sind sogenannte „Vanity Metrics„. Dies sind Zahlen, die beeindrucken, aber wenig Aussagekraft haben.
Eines von unterschiedlichen Beispielen kommt aus der digitalen Welt: Eine App verzeichnet hohe Downloadzahlen und steigende Nutzerzahlen. Ein grosser Teil dieser Nutzer ist nach wenigen Tagen inaktiv. Der eigentliche Geschäftswert bleibt aus.
Risiken einer KPI-Flut scheinen offensichtlich. Spannender ist jedoch die Frage, warum Unternehmen trotzdem immer mehr Kennzahlen erzeugen.
Warum passiert das?
Zu viele KPIs entstehen meist durch organisatorische und menschliche Faktoren.
Ein zentraler Grund ist fehlende strategische Klarheit. Ohne klar priorisierte Ziele, wird oftmals einfach alles gemessen, um der Angst vor Kontrollverlust entgegenzuwirken. Dadurch entwickelt jede Abteilung zusätzliche Kennzahlen, um eigene Ziele sichtbar und messbar zu machen, selbst wenn diese teilweise im Widerspruch zueinanderstehen.
In vielen Unternehmen spielen auch politische Realitäten eine Rolle. Wer eine Kennzahl hat, wird sichtbar. Wer keine hat, läuft in die Gefahr, übersehen zu werden. Dadurch entsteht schon fast ein Wettbewerb um KPIs.
Doch auch Technologien sind nicht immer ganz unschuldig an dem KPI-Overload: Moderne BI-Tools machen es einfach, mehr und mehr Informationen zu sammeln und darzustellen. Dadurch entsteht schnell die Annahme, dass mehr Daten automatisch zu besserer Kontrolle führen (Reporting ≠ Steuerung).
Weniger ist mehr
Die richtigen KPIs auszuwählen ist nicht einfach und gerade deshalb lohnt es sich, bewusst Zeit in diesen Task zu investieren. Denn gute Kennzahlen schaffen Orientierung, schlechte Kennzahlen unnötige Komplexität.
Hier helfen einige grundlegende Fragen: Welche Kennzahlen unterstützen tatsächlich strategische Ziele, welche existieren nur, weil sie einfach messbar sind? Welche KPIs liefern echte Entscheidungsgrundlagen? Und welche Zahlen werden zwar regelmässig rapportiert, aber kaum aktiv genutzt?
Ebenso wichtig ist der Umgang mit Zielkonflikten. Unternehmen können nicht gleichzeitig maximale Effizienz, höchstes Wachstum, minimale Risiken und perfekte Qualität optimieren. Gute Steuerung bedeutet deshalb oft, bewusst Prioritäten zu setzen statt alles parallel zu messen.
Schlussendlich benötigt es eine Verbindung zu konkreten Handlungen. Jede KPI sollte eine klare Konsequenz haben. Wenn Kennzahlen zwar rapportiert werden, daraus aber keine Entscheidungen entstehen, bleibt es bei Reporting statt echter Steuerung.
Fazit
Unternehmen werden auch in Zukunft immer mehr messen können. Die entscheidende Frage ist jedoch nicht, wie viele Daten verfügbar sind, sondern welche davon wirklich relevant sind.
Nicht wer am meisten misst, entscheidet am besten. Sondern wer das Richtige misst.
Dieser Blogbeitrag wurde mit Unterstützung von KI optimiert
