So viel wie nötig, so wenig wie möglich – Dokumentationstiefe in der Unternehmensarchitektur

Zwischen Dokumentationsfriedhof und Blindflug liegt ein schmaler Grat in der richtigen Wahl der Dokumentationstiefe. Zu viel erstickt und führt zu übermässigem Aufwand, zu wenig lässt im Dunkeln tappen. Dieser Blog gibt Einblick, wie ein gezielt eingesetztes Metamodell als Kompass dient, im Bestimmen einer optimalen Dokumentationstiefe für die Enterprise Architecture.

Die zwei Extreme

Dokumentation ist eine sehr persönliche Sache. Einige schwören darauf, andere sehen keinen Wert darin. Die Debatte führt sich schon lange in der Informatikbranche. Enterprise Architecture ist jedoch darauf angewiesen. In grossen Systemen ist es unmöglich, alle Komponenten, Prozesse und Artefakte im Kopf zu behalten. Dennoch ist es nicht das Ziel eines Enterprise Architekturteams, die gesamte Zeit damit zu verbringen, Dokumentationen zu erstellen und überarbeiten, um beim nächsten Release-Zyklus bereits wieder veraltet oder obsolet zu werden. Der gemeinsame Nenner ist schnell ersichtlich, beide Ansätze bieten keinen Mehrwert und generieren zusätzlichen Aufwand im Suchen von Informationen oder übermässigen Dokumentieren.

An wen richtet sich EA-Dokumentation?

Genauso wie Enterprise Architecture zentral in der strategischen Ausgestaltung der IT-Vorhaben sind, stellen sie auch bei der Inventarisierung, Dokumentation und dem Aufbau von Wissen an zentraler Stelle. Dokumentation wird aus verschiedenen Ansichtspunkten benötigt, welche eigene Fokusgebiete legen. CIOs benötigen einen strategischen Überblick der Systemlandschaft, Solution Architekt:innen und Entwickler sind an Informationen über Schnittstellen, Abhängigkeiten und technischen Standards interessiert, CISOs benötigen Governance-Ansichten und das Fach benötigt die Prozesse sowie Klassifizierungen um Anforderungen richtig auszugestalten.

Dies führt dazu, dass es keine Lösung für alle geben kann. Daher sollte die erste Frage im erarbeiten eines Dokumentationskonzepts klären, an wen dies sich richtet und welche Erkenntnisse, diese Personen daraus erwarten.

 

Das Metamodell als Brücke zwischen den Stakeholder

Über die Klassifikation gibt das Metamodell die grundlegenden Nomenklaturen und Kategorisierung vor und sichert ein gemeinsames Verständnis über geteilte Begriffe. Weiter definiert es die Objekte welche dokumentiert und inventarisiert werden.
Der eigentliche Wert liegt in der Steuerungsfunktion. Es legt fest, was dokumentiert wird aber auch was bewusst weggelassen wird und beugt so Unsicherheiten und Missverständnisse vor.
Definiert das Metamodell beispielsweise Applikation als eine zentrale Entität, mit Beziehungen zu Geschäftsfähigkeiten und Schnittstellen, ist damit bereits klar, was dokumentiert wird.

 

Die richtige Tiefe finden

Der Detailgrad eines Metamodells ist eine Designentscheidung. Frameworks wie TOGAF bieten eine umfassende Konzeptbasis mit einer Vielzahl an Entitätstypen und Artefakten, welche in der Praxis nur selten in Gänze umgesetzt werden. Dagegen bieten modernere Ansätze wie LeanIX bewusst ein schlankeres Metamodell.

Am Ende jedoch besitzt jede Unternehmung eine eigene Kultur wie auch individuelle Prozesse. Daher soll das Metamodell auch von den Entscheidungen abgeleitet werden, welche die Organisation tatsächlich treffen muss und regelmässig wiederkehrende Fragen klären. Werden diese entsprechend richtig priorisiert und adressiert ergibt sich die richtige Tiefe der Dokumentation.

 

Fazit

Die Dokumentationstiefe in der Enterprise Architecture kann nicht global für jedes Unternehmen festgelegt werden sondern ist abhängig davon, wie eine Organisation arbeitet und welche Diskussionen wie auch Fragen dabei aufkommen. Wer sich Zeit nimmt, die relevanten Informationen festzuhalten aber auch den Mut besitzt, andere Dinge bewusst nicht zu dokumentieren schafft Sicherheit und Raum. So viel wie nötig, so wenig wie möglich ist kein Kompromiss, sondern ein Qualitätsmerkmal.


Addendum

Weiterführende Links

TOGAF: https://www.opengroup.org/togaf

LeanIX Meta Model: https://www.leanix.net/en/wiki/ea/enterprise-architecture-meta-model

Einsatz von KI

Dieser Blogbeitrag wurde mit Unterstützung von KI erstellt

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Basil Fuchs

Basil Fuchs ist Leiter des Avaloq E-Banking bei der Luzerner Kantonalbank besucht das CAS Enterprise Architect in welchem Rahmen auch dieser Blog entstand.

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