Deskilling und Neverskilling: Wie KI unsere Skills verändert

Was passiert mit unseren Fähigkeiten, wenn KI immer mehr Aufgaben übernimmt und welche Fähigkeiten entstehen dadurch vielleicht gar nicht mehr? Diese Fragen führen direkt zu Deskilling und Neverskilling. Beide Begriffe sind aktueller denn je und werfen wichtige Fragen für unsere zukünftige Arbeitswelt mit KI auf.

Ein Gespräch, das Fragen aufwarf: Kürzlich bin ich in einem Gespräch mit einer Kollegin auf zwei Begriffe gestossen, die mich neugierig gemacht haben: Deskilling und Neverskilling. Mein erster Gedanke war, was genau dahintersteckt und wie diese Begriffe unsere Zukunft im Umgang mit KI beeinflussen könnten. Auch wenn sich die Bedeutung der Begriffe erahnen lässt, lohnt sich ein genauerer Blick. Deshalb habe ich mich für euch schlau gemacht.

Die zwei Begriffe:

Deskilling bezeichnet den Verlust oder die schrittweise Verringerung vorhandener Fähigkeiten. Dies geschieht, wenn Automatisierung oder generative KI Aufgaben übernehmen, die wir früher selbst ausgeführt haben. Die Auswirkungen von Deskilling machen vor keiner Branche halt und treten überall dort auf, wo KI- gestützte System Einzug in den Arbeitsalltag halten.

Neverskilling bedeutet, dass bestimmte Fähigkeiten gar nicht erst entwickelt werden. Das passiert vor allem dann, wenn von Anfang an generative KI eingesetzt wird. Wer z.B. beim Schreiben sofort Tools wie ChatGPT nutzt, entwickelt häufig keinen eigenen Schreibstil und erlernt grundlegende Fähigkeiten nicht ausreichend.

Zwei einfache Beispiele:

Eine erfahrene Sachbearbeiterin hat jahrelang Rechnungen manuell geprüft und alle Buchungen selbst vorgenommen. Mit der Einführung eines KI-gestützten Automatisierungssystems werden diese Aufgaben nun automatisch erledigt. Die Mitarbeiterin kontrolliert nur noch die Ergebnisse. Mit der Zeit verlernt sie, Buchungen selbstständig durchzuführen, weil sie diese Fähigkeit im Alltag kaum noch benötigt.

Hier zeigt sich, wie vorhandene Fähigkeiten schrittweise verloren gehen. Das ist ein typisches Beispiel für Deskilling.

Ein Berufseinsteiger beginnt in einer Marketingabteilung, in der Texte fast ausschliesslich mit generativer KI erstellt werden. Er gibt Stichworte ein und passt die Vorschläge nur noch minimal an. Dabei lernt er nie, Texte selbst zu strukturieren oder präzise zu formulieren. Er entwickelt keinen eigenen Ausdruck. Die notwendigen Fähigkeiten baut er gar nicht erst auf.

In diesem Fall entstehen bestimmte Fähigkeit von Anfang an nicht. Das wird als Neverskilling bezeichnet.

Aktuelle Berichte geben spannende Einblicke:

Ein Beispiel aus dem Gesundheitswesen zeigt die Problematik besonders deutlich. Die Online-Plattform „Score Forward“ berichtet über Deskilling und Neverskilling in der Medizin. Eine Untersuchung bei Darmspiegelungen ergab, dass Fachkräfte weniger Polypen entdeckten, wenn die gewohnte KI-Unterstützung fehlte. Die regelmässige Nutzung solcher Systeme scheint dazu zu führen, dass medizinische Routinefähigkeiten an Genauigkeit verlieren.

Ein weiterer Bericht zeigt, dass der Einsatz von generativer KI beim Schreiben zwar kurzfristig hilfreich ist, langfristig jedoch Nachteile haben kann. Wer sich zu stark auf solche Systeme verlässt, denkt weniger selbstständig, merkt sich Inhalte schlechter und fühlt sich weniger als Urheber der eigenen Texte. Fällt die generative KI weg, sinkt die Leistung. Das deutet darauf hin, dass eine intensive Nutzung zu einem Abbau eigener Schreib- und Denkfähigkeiten führen kann.

Chancen von KI:

Trotz dieser Risiken bietet KI grosse Chancen für Wirtschaft und Gesellschaft. Sicher ist, dass KI beide Bereiche schnell und nachhaltig verändern wird. Die Erwartungen an KI in der Schweiz sind hoch. Führende Organisationen wie PwC, Swico und economiesuisse prognostizieren in den kommenden Jahren einen Wertschöpfungsschub.

Mein Fazit:

Der Einsatz von KI bietet grosse Chancen. Ein bewusster Umgang ist jedoch notwendig, damit unsere eigenen Fähigkeiten erhalten bleiben. Deskilling und Neverskilling sind reale Risiken. Zugleich kann KI jedoch einen erheblichen Wertschöpfungsschub auslösen. Entscheidend ist, dass wir KI als Unterstützung und nicht als Ersatz einordnen. Auf diese Weise bleiben unsere Fähigkeiten erhalten, während wir gleichzeitig von den neuen Möglichkeiten profitieren.

Weiterführende Links:

KI im Kopf

Wenn die KI den Lernprozess abnimmt

Macht die Künstliche Intelligenz uns dumm?

Hinweis: Generative KI wurde ausschliesslich zur Recherche, Überprüfung von Sprache und Rechtschreibung genutzt.

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Riccarda Meier

Riccarda Meier ist Projektleiterin in der kantonalen Verwaltung Zürich und bloggt aus dem CAS Digital Business Innovation.

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