Schweizer KMU sind Weltmeister im Tagesgeschäft, aber Digitalprojekte bleiben oft auf der Strecke. Warum? Weil der Laden läuft – und genau das ist das Problem. Wer immer nur Aufträge abarbeitet, verpasst die Chance, das eigene Unternehmen fit für die Zukunft zu machen. Sollte die Auftragslage schwächer werden fehlt plötzlich das Geld für die notwendige Transformation. Was also tun? Ganz einfach: Packe den Stier bei den Hörnern, solange du die Kraft hast!
Gute Stimmung, volle Auftragsbücher –Transformation bleibt aus
Schweizer KMU sind das Rückgrat unserer Wirtschaft – innovativ, agil, erfolgreich. Über 95% aller Unternehmen gehören dazu, und die Stimmung ist recht gut: Die meisten blicken optimistisch in die Zukunft, die Umsätze stimmen, die Auftragsbücher sind ziemlich voll. Das sagt die Schweizer Mittlestandstudie 2024. Doch genau hier liegt der Hund begraben: Solange das Geschäft läuft, bleibt für Digitalisierung kaum Zeit. Die Priorität liegt auf Liefertreue und operativer Exzellenz – Digitalisierungsinitiativen landen auf der Warteliste.
Dabei ist längst klar: Wer digitalisiert, steigert die Wertschöpfung. Automatisierung, KI und Cloud-Lösungen sind keine Zukunftsmusik mehr, sondern Realität. Programme wie der „KMU-DigitalScan“ – ein äusserst nützliches Tool zur Analyse des Digitalisierungsgrads von Unternehmen und zur gezielten Identifikation von Verbesserungsmöglichkeiten – werden trotz intensiver Werbemassnahmen und attraktiver, subventionierter Angebote kaum genutzt. Warum? Weil die Chefs und Teams im Tagesgeschäft feststecken. Digitalisierung ist wichtig, aber – solange die Margen stimmen – nicht dringend.
Die Gründe für das Zögern: Zeitmangel, Ressourcenknappheit und Unsicherheit
Die Zahlen sprechen Bände: Nur etwa die Hälfte der KMU hat eine digitale Strategie. KI wird meist nur in Pilotprojekten getestet, systematisch nutzen sie gerade mal 8–9%. Im internationalen Vergleich hinken wir hinterher. Die Gründe? Fehlende Zeit, knappe Ressourcen, zu wenig Know-how und manchmal schlicht Angst vor der Komplexität. Viele Mitarbeitende fühlen sich mit KI unsicher, Führungskräfte überschätzen oft den digitalen Reifegrad ihres Betriebs. Es, fehlt der Druck, wirklich etwas zu ändern.
Warum digitalisieren KMU? Ganz klar: Effizienzsteigerung. Prozesse sollen schneller, einfacher, günstiger werden. Qualität verbessern, Kosten senken – das sind die Top-Motive. Neue Geschäftsmodelle oder Umsatzsteigerung? Nett, aber nicht dringend. Digitalisierung wird als Werkzeug zur Optimierung gesehen, nicht als Motor für echte Transformation.
Und genau diese wäre echt nötig. Für die kommenden Jahre – so schätzen sich die KMU selber ein –wirken sich die Zollfragen und die unsicheren EU-Beziehungen negativ auf die Stimmung aus, vor allem bei exportorientierten KMU. Diese Unsicherheit dämpft Umsatz- und Margenerwartungen und überlagert Themen wie Inflation, Fachkräftemangel sowie Cyber- und Datensicherheit. Diese Unsicherheiten bremsen die Investitionen in die digitale Transformation und ohne diese Transformation werden wir weiter in der Wettbewerbsfähigkeit zurückfallen. Sind die Auftragsbücher voll haben wir keine Zeit. Sind sie leer, haben wir kein Geld.
The Busy Trap: Das Dilemma der KMU
Volle Auftragsbücher verhindern, dass Zeit und Geld in die Zukunft investiert werden. Weiterbildung, Datenqualität, neue Plattformen – alles bleibt liegen, solange das Tagesgeschäft läuft. Erst wenn die Margen schrumpfen oder externe Schocks kommen – die Corona-Krise lässt grüssen – wird Digitalisierung plötzlich wichtig. Bis dahin bleibt sie ein „nice to have“. Werden die Aufträge weniger fehlen plötzlich die Mittel für Transformation. Was für ein Dilemma!
Was jetzt zu tun ist: Proaktiv statt reaktiv handeln
Chefs müssen jetzt handeln, bevor der Druck von aussen kommt. Reserviert Kapazitäten, schafft Budgets und gebt Digitalprojekten klare Verantwortlichkeiten – unabhängig von der aktuellen Auftragslage. Orientiert euch an den Bedürfnissen der neuen Kundengeneration, setzt messbare Ziele, die über reine Effizienz hinausgehen: Datenqualität, neue Services, schnellere Angebote. Nur so wird Digitalisierung zum Erfolgsfaktor und nicht zum Lückenfüller.
Fazit
Solange es den Schweizer KMU gut geht, bleibt die Digitalisierung ohne Priorität. Geht es ihnen schlecht, fehlt das Geld für die Investition. Wer aber heute investiert, sichert sich morgen die Pole Position – und läuft nicht Gefahr, von der nächsten Welle überrollt zu werden. Also: Raus aus der Busy Trap, rein in die Zukunft!
