Zwischen Bauchgefühl und Fakten: Technologien verändern den Reitsport

Reiten lebt von Emotionen, Erfahrung und einer tiefen Beziehung zum Pferd. Entscheidungen sind selten eindeutig. Entsprechend wächst der Wunsch nach mehr Sicherheit und Unterstützung. Immersive Technologien bringen neue Perspektiven in den Stall und stärken die Beziehung zu den Tieren nachhaltig, indem sie im Alltag entlasten und zusätzlich Transparenz bieten.

 

Reiten zwischen Intuition und Innovation

Beim Reitsport basiert vieles auf Erfahrung, Intuition und Interpretation. Geht es um Fragestellungen rundum die Tiergesundheit, Leistungsfähigkeit und eigene Wirkung im Sattel, bleibt häufig eine Restunsicherheit bestehen. Diese Ungewissheit gehört für mich zum Alltag und macht einen Teil der Faszination dieses Sports aus. Geht es jedoch um das Wohlbefinden meiner Pferde, wünsche ich mir mehr Gewissheit gestützt durch Daten und Fakten.

Während ich als Hobbypferdehalterin lediglich eine Stallkamera nutze, nehmen Sensoren, Algorithmen und datenbasierte Auswertungen schon längst einen festen Platz im professionellen Reitsport ein. Damit treffen ein traditionsreicher, intuitiver Sport und eine technologiegestützte, analytische Denkweise aufeinander.

Im folgenden Beitrag gebe ich einen Überblick über technologiebasierte Unterstützungstools im Reitsport und ziehe zum Schluss ein persönliches Feedback.

 

Technische Unterstützung im Stall für mehr Tierwohl

Bereits sind erste Ställe mittels Internet of Things (IoT) überwacht. Sogenannte «Smart Stables» ermöglichen u.a. eine individuell abgestimmte Fütterung, automatisiertes Misten sowie eine kontinuierliche Überwachung der Vitaldaten. Beispielsweise ermöglicht die Transponder-Technologie (RFID) in Offenställen eine automatische Identifikation der Tiere an der Futterraufe. Auf dieser Basis erhalten die Pferde individuell angepasste Rationen. Fütterungsautomaten regulieren dabei sowohl die Fütterungsmenge als auch den -zeitpunkt abhängig von Alter, Aktivitätsniveau oder Gesundheitszustandes des jeweiligen Pferdes.

Eine weitere technische Unterstützung sind Gurten mit integrierten Sensoren, welche Körpertemperatur, Herzfrequenz und Atmung messen und in einer App sichtbar machen. So lassen sich jederzeit und ortsunabhängig die Daten der Tiere überwachen, was insbesondere bei kranken Pferden oder trächtigen Pferden eine grosse Entlastung ist.

 

Üben ohne Belastung

Komplexe Bewegungsabläufe mittels Virtual Reality (VR) zu trainieren, ist aktuell ein starker Trend. Um diese Abläufe gezielt zu erlernen oder optimieren, kommen vermehrt Reitsimulatoren zum Einsatz. So können Reiter/-innen ihre Hilfegebungen isoliert analysieren und gezielt korrigieren. Ergänzend kann Augmented Reality (AR) während des Reitens ein Feedback direkt ins Sichtfeld projizieren und damit den Lernprozess unterstützen, ohne das Pferd fehlzuleiten.

Üben ohne Belastung
Präzises Training durch AR und VR (Bildquelle: KI-generiert mit ChatGPT).
Objektivere Einschätzungen bei Prüfungen

Interessant ist zudem der Einsatz bewegungsanalytischer Technologien im Turniersport. Beispielsweise in der Dressur lassen sich Rhythmus, Symmetrie und Linienführung genauer analysieren. So werden etwa Inertialsensoren oder Motion-Capture-Technologien zur Analyse von Bewegungsabläufen eingesetzt. Dabei werden am Körper des Pferdes oder am Sattel Sensoren oder Kameras befestigt, um Daten zu erfassen und zu vergleichen. Im Springreiten können so Tempo, Absprung sowie Landung des Pferdes analysiert und ausgewertet werden. Solche Analysen ermöglichen bereits heute ein gezielteres Training und so wiederum eine bessere Vorbereitung auf zukünftige Turniere, ohne das Pferd zu belasten.

 

Mein Fazit: Empathie macht den Unterschied

Trotz moderner technologischer Möglichkeiten bleibt in meinem Hobby die menschliche Interpretation entscheidend. Daten liefern Hinweise, sind jedoch kontextabhängig zu lesen. Ein erhöhter Puls bei meinen Vollblutarabern weist beispielsweise nicht zwingend auf ein gesundheitliches Problem hin. Es kann ebenso Ausdruck von Nervosität, Freude oder einer kurzen Stresssituation sein. Digitale Technologien unterstützen das Tierwohl zukünftig durch mehr Transparenz, ersetzen jedoch weder Erfahrung noch Bauchgefühl. Entscheidend ist das verantwortungsvolle Zusammenspiel von Empathie, Fachwissen und digitalen Hilfsmitteln. Faszinierend ist für mich, zwei Bereiche, welche mich beide begeistern, zukünftig noch stärker zu verbinden.

 

Weiterführende Links

 

Künstliche Intelligenz wurde ausschliesslich zur Recherche, Überprüfung von Sprache und Rechtschreibung genutzt.

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Celine Villiger

Celine Villiger bloggt aus dem Unterricht des CAS Digital Business Innovation. Sie ist Projektleiterin ICT und verbringt ihre Freizeit in der Natur mit ihren Pferden.

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