Vom Startup zum KMU – eine agile Herausforderung – 5 Learnings

Wie schafft es ein Startup auf dem Weg zu einem KMU trotz schnellem Wachstum agil zu sein und zu bleiben? Warum ist das ein Problem? Bei Gründung eines Startups ist das Thema Agilität einfach, weil es gar kein Thema ist. Schnelle Umsetzung, kurze Kommunikationswege, Flexibilität, Engagement sowie Leidenschaft des Teams sind Treiber für den Erfolg. Spätestens bei schnellem Wachstum entstehen Herausforderungen.

Ein digitales Startup im Bereich Softwareentwicklung, ist anfangs wie von selbst agil. Was braucht es dazu? Ein überschaubares Startkapital, wenige Softwareentwickler, Durchhaltevermögen und Menschen mit Leidenschaft, die das gleiche Ziel vor Augen und ähnliche Wertvorstellungen haben.

Ein solches Startup ist bestenfalls der Inbegriff von Agilität, ohne jemals eine SAFe, Scrum oder Lean Ausbildung absolviert zu haben oder sich dessen überhaupt bewusst zu sein.

Doch was passiert, wenn das Unternehmen schnell wächst, und sich die anfangs so selbstverständlich gelebte Dynamik auf einmal verändert?

5 Learnings, die hilfreich sind für schnellwachsende Startups:

Learning 1:
Es braucht eine Firmenkultur – als Mindset für neue MitarbeiterInnen

Wie werden neue MitarbeiterInnen eingestellt? Im Vordergrund sollte immer zuerst der Mensch stehen. Passt er oder sie in das bestehende Team? Danach die Expertise und das Entwicklungspotential. In einem Kleinunternehmen gibt es oft noch kein HR. Das erste Gespräch findet meist mit der Geschäftsleitung statt. Danach ein Folgegespräch mit VertreterInnen aus dem Team. Die interessierte Person lernt bestenfalls schnell die Werte und die Kultur der Firma kennen, die sie vorab als Richtlinie gelesen hat. Das Commitment dazu bildet die Grundlage für eine gute Zusammenarbeit. Stimmt die Ausbildung nicht mit den Wünschen der Firma überein, kann ein Assessment helfen, Klarheit zu schaffen. Die Bereitschaft zum «learning by doing» ist wichtig. In einem kleinen Unternehmen bleibt keine Zeit für eine vollumfängliche Ausbildung.

Learning 2:
Wachstum braucht Struktur

Je schneller die Firma wächst, desto schneller wird klar, dass es nicht nur ausreicht, weitere MitarbeiterInnen einzustellen, um das wachsende Arbeitsvolumen zu bewerkstelligen. Schnell ist klar, dass ein grösseres Team nicht zwangsläufig schneller vorwärtskommt. Die anfängliche Geschwindigkeit in der Softwareentwicklung wird durch weiteres Personal erst einmal abgebremst.

Jetzt kommt es darauf an, die bisher gelebte Agilität in ein strukturiertes agiles Konzept zu bringen. Mindestens ein Teammitglied absolviert so schnell wie möglich die nötigen Ausbildungen, wenn das KnowHow nicht bereits vorhanden ist. Die Person übernimmt die Verantwortung für das agile Konzept. Neue Rollen und Teams werden definiert und alle wissen, was ihre Rolle genau beinhaltet. Um so schnell wie möglich von einem theoretischen Konzept in die Praxis zu kommen, ist es sinnvoll, auf externe Beratung zurück zu greifen.

Learning 3:
Offen bleiben für Veränderungen auch als Gründungsteam

Jetzt heisst es für die FirmengründerInnen offen zu bleiben und sich weiterzuentwickeln, auch wenn das die erste grosse Veränderung bedeutet. Vertrauen und Empowernment der Teams muss gelernt und gelebt werden. Die selbst erstellte Firmenkultur darf in die Praxis umgesetzt werden. Das stellt oft ein grösseres Problem dar. Schliesslich wurde viel Herzblut investiert. Existenzängste können nicht so einfach abgestellt werden. Schliesslich müssen jeden Monat Löhne bezahlt werden.

Gesund wachsen heisst, Fokus zu setzen, loszulassen, zu befähigen, offen für neue Ideen zu sein. «Gärtlidenken» hat keinen Platz und gebraucht werden alle. Auch als UnternehmerIn ist es sinnvoll, eine Ausbildung in Bereichen des Agile-Leaderships zu absolvieren.

Eine strategische 3-Jahresplanung kombiniert mit einem klaren Budget ist grundlegend wichtig, um den Fokus nicht zu verlieren. Und dies darf nicht nur innerhalb der Geschäftsleitung kommuniziert und vorgestellt werden. Alle MitarbeiterInnen kennen die Strategie und das Budget und werden bei regelmässigen Gesprächen „abgeholt“.

Learning 4:
Business und IT-Alignment ist die „Hauptschlagader“

Business und IT arbeiten eng zusammen. Jede Person hat für alle anderen Verständnis, weil alle wissen, was jeder und jede Einzelne leistet. Sowohl die MitarbeiterInnen im Business als auch die EntwicklerInnen arbeiten für die gemeinsamen KundInnen. Sie kennen deren Bedürfnisse und die bestehenden Lösungen und Wünsche. Die Customer Experience steht im Vordergrund.

Ziele werden gemeinsam definiert. Erfolge werden gemeinsam gefeiert, und die Anerkennung gilt allen. Andererseits können laufende Produktentwicklungen kurzfristig eingestellt werden, auch wenn sie bereits weit fortgeschritten sind. Das wird ebenfalls gemeinsam entschieden. Möglicherweise ist das Resultat nicht so erfolgversprechend wie anfangs gedacht. Vielleicht hat sich aber auch zwischenzeitlich der Markt verändert, und es haben sich daraus neue Bedürfnisse entwickelt.
Kleiner Tipp: Lasst euch nicht entmutigen!

Learning 5:
Netzwerk und Kooperationen aufbauen

Raus aus der eigenen Bubble gehen und anerkennen, dass andere Firmen auch gute Lösungen anbieten, die dem eigenen Unternehmen einen Mehrwert bringen. Einerseits sind das neue Netzwerke, die aufgebaut werden, um Erfahrungen auszutauschen und voneinander zu lernen. Andererseits helfen Kooperationen, die die eigenen Lösungen ergänzen. Beispielsweise durch Schnittstellen zu anderen Systemen, die die eigenen Lösungen ergänzen oder erweitern.
Let’s connect.

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Stefanie Kälin

Stefanie ist Lead Customer Experience & Projects bei boncard payment & services ag.

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