In Agility: We Trust

Entschliesst sich eine Organisation, den Weg in die Agilität zu beschreiten, ist das Vertrauen ein essenzieller Faktor und Voraussetzung für funktionierende agile Arbeitsweisen. Doch, das ist wohl leichter gesagt als getan.

Die Basis

Agilität braucht also Vertrauen. In erster Linie ist dabei aber nicht gemeint, dass wir in die Agilität vertrauen sollen, sondern, dass, wenn agil gearbeitet wird, wir uns grundsätzlich gegenseitig mit Vertrauen begegnen müssen. Vertrauen bedeutet, keine Scheu davor zu haben, offen zu kommunizieren, einander zu glauben, sich zu unterstützen und sich aufeinander zu verlassen. Dass dieses Vertrauen der Grundstein für erfolgreiches Zusammenarbeiten legt, zeigen einige agile Frameworks und Theorien auf. Beispielsweise wird die Abwesenheit von Vertrauen als die Wichtigste der fünf agilen Dysfunktionen genannt. Fehlt in einem Team das Vertrauen, herrscht Unsicherheit und dadurch wird eine offene Zusammenarbeit behindert. Begegnen wir uns jedoch mit Vertrauen, schafft dies eine Atmosphäre der Offenheit und des Respekts und ermöglicht dem Team, sich frei auszudrücken und innovative Lösungen zu entwickeln.

Die fünf Dysfunktionen eines Teams (Grafik von root-beratung.de/blog)

 

Die Sache mit dem Vertrauen

Ursachen für fehlendes Vertrauen können unterschiedlicher Natur sein. Hat eines oder mehrere Teammitglieder in der Vergangenheit negative Erfahrungen gemacht, kann dies eine Grundunsicherheit in das Team bringen, was einen offenen Austausch hemmt. In diesen Fällen ist es wichtig, den Raum zu schaffen, neue Erfahrungen sammeln zu können und sich Zeit für den Vertrauensaufbau zu nehmen.

Eine weitere Ursache ist eine unklare Erwartungshaltung. Weiss eine Person nicht, was genau von ihr erwartet wird und was sie vom Gegenüber erwarten kann, ist dies sehr unbefriedigend und führt zu Missverständnissen und Fehlinterpretationen. Hier können Workshop-Methodiken angewendet werden, welche Transparenz schaffen, um eine gemeinsame Basis und ein gemeinsames Verständnis zu finden. Eine beliebte Methode ist beispielsweise das Delegation-Poker. Es hilft, das Rollenverständnis zu schärfen und transparent über unterschiedliche Ansichten der Aufgabenverteilung zu sprechen.

Eine dritte Ursache für fehlendes Vertrauen ist ein autokratischer oder autokratisch angehauchter Führungsstil. Hier werden Mitarbeitende für wichtige Entscheidungen nicht mit einbezogen, sondern es wird als richtig angesehen, dass die Führungsperson Verantwortung übernimmt und möglichst alleine entscheidet. Zudem herrscht hier das Motto „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“, was ein grundlegendes Misstrauen in die Mitarbeitenden bedeutet. In einer agil aufgestellten Organisation sollte es zwar gar nicht möglich sein, eine hierarchische Struktur zu haben, welche solche Führungsstile zulässt, in der Realität sind agile Organisationen jedoch meist auch nur Unternehmen, welche früher klassisch, hierarchisch aufgestellt wurden und sich kulturell noch im Wandel befinden. Wie spürbar die Einstellung aus der alten Welt ist, und wie sie das Vertrauen und den Wandel in die Agilität beeinflusst, ist stark von den Individuen abhängig. Besonders bei Personen, welche seit vielen Jahren in dem Unternehmen in ihrer Rolle tätig sind, kann es herausfordernd sein, diese Grundsatzveränderung, wie Führung gelebt wird, neu zu verankern. Es gilt vorzuleben, wie Führung in agilen Strukturen gelebt wird und zu zeigen, welche Vorteile und Chancen daraus entstehen, wenn man sich vertraut. Sich als Führungskraft selbst verletzlich zu zeigen und Fehler einzugestehen ist nicht leicht, aber der Schlüssel gegen fehlendes Vertrauen. Zudem fördert es eine offene Fehlerkultur, welche ein so wichtiger Faktor für eine erfolgreiche agile Arbeitsweise ist.

Was ist zu tun?

Arbeitet stetig daran, einander zu vertrauen. Das Vertrauen muss in sämtliche Richtungen gehen. Nicht nur die Führungskräfte sollen ihren Mitarbeitenden vertrauen, sondern auch die Mitarbeitenden sollen sich untereinander, und auch ihren Vorgesetzten, Teamleitenden, POs, SMs, etc. Vertrauen entgegenbringen. Vertrauen aufzubauen oder zu erhalten ist dabei ein stetiger Prozess und benötigt Zeit und Engagement. Doch es lohnt sich in so vielerlei Hinsicht, darin zu investieren. Also lasst uns vertrauen, um eine kreative, offene, innovative und effiziente Zusammenarbeit zu schaffen, welche Spass macht.

Weiterführenden Links zum Thema:

  • Was ist Agilität
    https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/agilitaet-99882
  • Die fünf agilen Dysfunktionen
    https://www.it-agile.de/agiles-wissen/agile-teams/die-5-dysfunktionen-eines-teams/
  • Was ist ein Autokratischer Führungsstil
    https://agileprofi.de/fuehrungsstile/
  • Was ist eine offene Fehlerkultur
    https://www.leanprinzip.de/woerterbuch/offene-fehlerkultur/
  • Was ist Delegation-Poker?
    https://t2informatik.de/wissen-kompakt/delegation-poker/
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Anna Rebecca Müller

Anna Rebecca Müller, Teamleiterin und Scrum Master in der Testautomatisierung mit Wirtschaftsinformatik Background und Teilnehmerin des CAS DevOps Leadership & Agile Methods.

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