Ein gemeinsames Netz für Strom und Daten: Unser Stromnetz wird mit der Weiterentwicklung zum Smart Grid intelligent. Hierbei können sich für Energieanbieter neue Geschäftsmodelle eröffnen. In diesem Beitrag werden drei Gebiete vorgestellt in denen sich neue Möglichkeiten öffnen.
Was ist ein Smart Grid?
Das Smart Grid ist die Weiterentwicklung des traditionellen Stromnetzes. Neben Energie werden neu auch grosse Menge an Daten innerhalb des Netz transportiert. Dank dem Einsatz von digitalen Kommunikationstechniken wird der Datenaustausch zwischen dem Energieversorger und dem Energieverbraucher in Echtzeit sichergestellt. Dies eröffnet die Möglichkeit mit Automatisierungen zu arbeiten und so die Reaktionszeiten bei geänderten Netzbedingungen zu verkürzten. Ein Smart Grid hat das Ziel, die Steuerungsmechanismen zu nutzen um eine zuverlässigere und effizientere Energieversorgung zu gewährleisten.
Warum braucht es das Smart Grid und welche Geschäftsmodelle könnten entstehen?
Die Integration der erneuerbaren Energien ist einer der treibenden Faktoren der für ein Smart Grid spricht: Bislang waren grosse, zentralisierte Kraftwerke die Grundlage unserer Energieversorgung. In den letzten Jahren erlebt die Schweizer Stromlandschaft jedoch einen Wandel weg von diesem Bild, hin zu mehr dezentralisierter Energieproduktion durch erneuerbare Quellen wie Photovoltaik und Wind. Die Energieproduktion dieser Kraftwerke ist jedoch deutlich volatiler und schwieriger zu prognostizieren. Beides Einflussfaktoren die sich negativ auf die Stabilität im Stromnetz auswirken. Will man die Versorgung weiterhin in hoher Qualität sicherstellen können, steigen die Anforderungen an das Energienetz. Mittels im Smart Grid verbauten Sensoren, der dazugehörigen Kommunikationstechnologie und intelligenten Automatismen wird es möglich diese Schwankungen auszugleichen. Dieses Management und die datengetriebene Steuerung der Energieflüsse kann an unterschiedlichen Punkten die Möglichkeit zu neuen Geschäftsmodellen öffnen. Hier drei exemplarische Cases:
Nachfragesteuerung
Eine Möglichkeit, das Ungleichgewicht im Netz wieder auszugleichen, ist die Stromnachfrage zu regulieren. Der Energieversorger kann über finanzielle Anreize den Energieverbrauch bei den Konsumenten beeinflussen. Eine erste Ausprägung davon wäre, dass energieintensive Geräte (z.B. Klimaanlage oder Boiler) beim Endkunden automatisch gedrosselt werden könnten, in Zeiten in denen die Nachfrage grösser als das Angebot ist. Erklärt sich der Kunde bereit bei diesem Modell mitzumachen, erhält er eine finanzielle Vergütung dafür. Eine weitere Ausprägung der Nachfragesteuerung wäre ein dynamischer Energiepreis. So könnte der Energieversorger bei extremer Nachfrage den Energiepreis erhöhen und ein Preissignal durch das Netz senden. Nur Geräte die den neuen, höheren Preis akzeptieren würden dann weiterhin mit Strom versorgt werden.
Virtuelle Kraftwerke
Wird eine grosse Solaranlagen, ein grosser Batteriespeicher und ein Verbraucher mit einer zentralen Steuerung verbunden und als Gesamtsystem betrieben, kann der Betreiber als virtuelles Kraftwerk gegenüber dem Netz agieren. Als virtuelles Kraftwerk kann er nun Dienstleistungen zur Neztstabilisierung anbieten. Beispielsweise kann er überschüssige Energie aus dem Batteriespeicher ins Netz einspeisen und so Engpässe schnell beheben. Der Netzbetreiber kann so die Stabilität im Netz sicherstellen und der Kraftwerkbetreiber kann sich seine Dienstleistung vergüten lassen.
Peer-to-Peer-Energiehandel
Für Privatpersonen könnte sich die Möglichkeit vom Peer-to-Peer Energiehandel eröffnen. So könnten sich Plattformen etablieren auf denen der Energiehandel möglich wird. Beispielsweise könnte man die Überproduktion einer eignen Solaranlage auf dieser Plattform anbieten, anstatt sie dem Netzbetreiber zu verkaufen. Die Transaktionen könnte man technisch mittels Smart Contacts abwickeln um einen automatisierten und transparenten Vertragsprozess zu ermöglichen. Als Plattformanbieter könnte man bei jeder dieser Transaktionen eine kleine Gebühr in Rechnung stellen.
Fazit
Ein Smart Grid kann die technischen Voraussetzungen für diverse neue Geschäftsmodelle schaffen. Neben den technischen Voraussetzungen ist der rechtliche Rahmen wohl die herausfordernde Komponenten in diesen Geschäftsmodellen. Hier muss nun angesetzt werden um diese Geschäftsmodelle zum Leben zu erwecken.
Quellen und weiterführende Informationen
ETH Zürich – Automatic Control Laboratory
Swissolar – Marktentwicklung
Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz
Quartier-Strom
