Im Frühjahr 2014 ging die damals grösste Krytpo-Börse Mt. Gox nach einem Hack, bei welchem 850‘000 Bitcoins gestohlen wurden, in Konkurs. Die Kunden von Mt. Gox haben bis heute ihre Bitcoins nicht wiedergesehen. Doch nach über 7 Jahren Warten scheint auch dank des gestiegenen Bitcoin-Preises jetzt gar ein Happy End möglich.
In den Anfangsjahren von Bitcoin (BTC) liefen rund 70% des weltweiten BTC-Handels über die japanische Börse Mt. Gox, welche von Mark Karpelès geführt wurde. Im Februar 2014 stoppte Mt. Gox erst die Rückzüge, dann den Handel, nahm die Website offline und meldet schliesslich Konkurs an. In einem Statement meldete Mt. Gox, dass etwa 850‘000 Bitcoins gestohlen wurden. Dies entsprach rund 7% aller Bitcoins damals im Umlauf und einem Wert von USD 473 Millionen. Dies gilt bis heute als der grösste Hack in der Krypto-Geschichte. Rund 127‘000 Kunden waren betroffen. Einige Wochen nach der Schliessung meldete Mt. Gox, dass in einem alten Wallet aus dem Jahr 2011 noch 200‘000 BTCs „gefunden“ wurden.

Protest vor den Mt. Gox Büros in Tokyo (SZ.de)
Jahrelanges Ausbluten
Spätere Analysen durch das Sicherheitsunternehmens WizSec zeigen, dass bereits ab 2011 BTCs direkt aus dem Hot Wallets gestohlen wurden und, dass dies dem Unternehmen zumindest teilweise bekannt war. Die Daten in der Blockchain deuten zudem stark darauf hin, dass der Russe Alexander Vinnik, der die Krypto-Handelsplattform BTC-e betrieb, für den Hack von Mt. Gox (Mit-) Verantwortlich ist. Vinnik befindet sich inzwischen in Frankreich in Haft, doch die gestohlenen BTCs sind bis heute nicht wieder aufgetaucht.
Analyse der Mt. Gox Geschehnisse von Kim Nilsson
Komplexer Fall
Hier beginnt einer der komplexesten Konkursfälle Japans. Gemäss japanischen Recht fixierte der Konkursverwalter (Trustee) die Gläubigerforderungen zum Preis von BTC im Zeitpunkt des Starts des Konkursverfahrens von USD 483, womit die totalen Forderungen rund USD 460 Mio. betrugen. Diesen Forderungen standen rund 200‘000 BTCs an Vermögenswerten gegenüber, also knapp USD 100 Millionen bei einem BTC-Preis von USD 500.
Die Wende
Mit dem Anstieg von BTC auf über USD 10‘000 in 2017 waren die Vermögenswerte plötzlich USD 2‘000 Mio. wert und die Forderungen unverändert USD 483 Mio. Der Überschuss von rund USD 1.5 Milliarden wäre gemäss japanischem Recht den Aktionären von Mt. Gox zugestanden. Dies ist primär Mark Karpelès. Somit wäre der Verursacher des Desasters zum grossen Profiteur geworden, während die Gläubiger nicht vom Preisanstieg ‚ihrer‘ BTC profitieren konnten. Dies führte zu grossem Unmut bei den Gläubigern und es gelang mit Zustimmung von Karplès den Prozess in ein zivilrechtliches Sanierungsverfahren (Civil Rehabilitation) umzuwandeln. Somit gibt es keine fixierten Werte mehr und die Gläubiger profitieren nun anteilsmässig an den noch vorhandenen BTCs sowie den inzwischen dazugekommen Coins aus Forks, unabhängig von deren Wert. Dies war ein grosser Erfolg für die Gläubiger.
Happy End wahrscheinlich
Wer vor dem Untergang von Mt. Gox 10 BTCs zum damaligen Kurs von USD 500 besass, bekommt zwar nur noch geschätzt 1.6 BTC (plus BCH und Cash) zurück, aber diese haben aktuell einen Wert von USD 66‘000 (gemäss WizSec Claim Calculator). Dies entspräche dem 13-faches des ursprünglichen Investments und das unfreiwillige „forced hodling“ würde sich auszahlen. Aktuell stimmen die Gläubiger bis Oktober über den Entwurf des Sanierungsplans ab und, falls von der Mehrheit akzeptiert, dürften ab Mitte 2022 die Auszahlungen an die Gläubiger beginnen. Das jahrelange, nervenaufreibende Warten dürfte mit einem finanziellen Happy End enden – Hartnäckigkeit und Anstieg des BTC-Preises sei Dank.
