Dank Kryptomining: Solaranlage zwei bis drei Mal schneller amortisiert

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In einem kürzlich durchgeführten Proof of Concept konnte ich beweisen, dass sich durch gezieltes Kryptomining eine Solaranlage innerhalb von nur 4-8 Jahren amortisierten lässt. Es gibt im Bereich des Minings jedoch verschiedene schwer vorhersehbare Variablen, welche das bewusste Eingehen von Risiken erfordern. Zudem fehlen noch Commodity-Produkte, welche den Einsatz dieser Technologie ohne tiefes IT-Fachwissen ermöglichen.

Das Prinzip

Optimierte Solaranlage durch Kryptomining und regelgbasierter Steuerung: Eigenverbrauch 100% (Bildquelle: Pascal Arnold)

  • Die Sonne scheint, meine Solarzellen produzieren Strom
  • Die nicht direkt verwendete Energie wird nicht ans Netz abgegeben, sondern den Mining-Rigs zugeführt
  • Dieser Prozess erfolgt automatisch über eine intelligente Steuerung (welche zusätzlich mit den Strompreisen und Wechselkursen ergänzt werden kann).
  • Die Rigs gehören einem Miningpool an und produzieren Kryptowährungen (Ether, Bitcoin)
  • Die geschürften Beträge werden automatisch auf meine Wallet-App überwiesen
  • Ich kann diese Beträge verwenden, um einfach online einzukaufen

Dieses Setup konnte im Jahre 2020 über 6 Monate in einer Testanlage erprobt werden. Zum Einsatz kamen 28 Solarpanels (8 kWp Leistung) und eine Mininganlage mit 75 Grafikkarten (GPUs). Das Fazit war verblüffend: Pro Kilowatt Stunde (kWh) konnte so rund 22 Rp erzeugt werden. Das Einspeisen desselben Strom ins Netz hätte lediglich 7 Rp pro kWh Rückerstattung ergeben. Schnell wird klar: Je mehr Strom ich selbst verbrauche, desto rascher ist der ROI erreicht.

Interessant ist an diesem Ansatz, dass Netzzuschläge, Leistungsspitzen und Steuern (machen aktuell bei Kleinanlagen 50% und bei Grossanlage 75% des Strompreises aus) legal optimiert werden können oder gänzlich wegfallen.

Das gewonnene/geschürfte Geld ist ohne das Ausführen einer manuellen Transaktion für mich als Konsument innerhalb eines Tages automatisch via Mobile-Wallet verfügbar (Payout aus Mining findet täglich statt). Sofern dieses Geld regelmässig eingesetzt wird um Güter oder Dienstleistungen zu kaufen, entspricht dies auf Grund der täglichen Auszahlungen sogar einem indexierten Währungskurs -was wiederum das Risiko hoher Kursschwankungen der Kryptowährung abfedert. Zudem sind hier Intermediäre wie Banken oder Kreditkartengesellschaften nicht mehr nötig.

Rechnen, rechnen, rechnen…
Wer sich eine Solaranlage anschaffen will oder kürzlich installiert hat fängt rasch an zu rechnen – es geht immer um die gleiche zentrale Frage: Wann ist die Anlage amortisiert? Nach einigen Stunden Excel-Rechnerei durch verschiedene Tarife, Zuschläge, Bundes- und Kantonsbeiträge, Rückspeisevergütungen und Annahmen der Stromproduktion kommt man zu folgendem Schluss:

  • Je mehr Strom selbst verbraucht wird, desto rascher lohnt sich die Investition. Denn bezogener Strom kostet rund 21 Rp. Pro kWh
  • Rückspeisung von Strom (oft mit 70 – 80% der grösste Anteil) ist nicht lukrativ. Im Kanton Luzern liegt dieser Betrag aktuell bei rund 7-8 Rp. pro kWh. Siehe auch Energieheld Schweiz.
  • Batterien als Speicher: Durch Batterien lässt sich zwar die Autonomie steigern, der Eigenverbrauch ebenso. Aber Batterien sind nach wie vor teuer da ein kWh gespeicherte Energie ca. 25 Rp kostet ohne die Produktionskosten.

Üblicherweise wird dann etwas ernüchternd festgestellt: Die Anlage amortisiert sich in 12 -18 Jahren. Immerhin: Das grüne Gewissen bleibt.

Noch ein Stromdetail – und nun kommt der Prosumer ins Spiel
Strompreise sind für den Laien durchaus schwer zu verstehen. Wir konzentrieren uns hier jedoch auf den noch nicht liberalisierten Storm, welchem Privatpersonen via vorgeschriebenem Elektrizitätswerk unterliegen (in unserem Fall die CKW, Tarife 2021).Somit ist klar: Selbst erzeugter Solar-Strom ist sehr günstig, sofern man ihn selbst verbraucht.

Strompreis für bezogenen Strom
–        Herstellung 10.77 Rp.
–        Netzgebühr 7.97 Rp.
–        Steuerliche Abgaben 2.48 Rp.
–        Total   21.22 Rp.
Strompreis für selbst produzierten Solarstrom
–        Rückspeisevergütung 7 Rp.

 

Was nun, wenn ich selbst meinen Strom zu 100% selbst verbrauchen könnte? Der Eigenverbrauchsanteil lässt sich durch kluge regelbasierte Steuerungen wie beispielsweise SmartFox deutlich erhöhen. Auch der Einsatz von gezielter Warmwasseraufbereitung, Wärmepumpenansteuerung und e-Fahrzeugbetankung hilft – aber 100% selbst nutzen? Kann das gehen? Wenn ja: Wie?

Dazu müssen wir die Fragestellung umformulieren: Was, wenn ich pro kWh verbrauchtem Strom mehr als 7 Rp. verdienen würde? Das ist möglich – durch das Mining von Kryptowährungen!

Serverrack mit Mining Rigs (Bildquelle: Pascal Arnold)

Jetzt wird’s IT-lastig
Nebst der korrekten Planung der Elektroanschlüsse müssen stabile Rigs gebaut und betrieben werden. Dazu gehört auch die Staubfilterung und vor allem die Abführung von Hitze (beim Mining entsteht viel Hitze). Ein effizienter, automatisierter Betrieb mehrerer Rigs (oftmals duzender Grafikkarten) ist zudem nicht trivial. Aktuell bedingt dies tiefgreifendes spezifisches IT-Knowhow. Nebst der richtigen Hardware müssen effiziente Mining Pools, Kryptowährungen und Algorithmen gewählt werden. Diese sind bei sich wechselnder Bedingungen rasch und dynamisch zu ändern. Ein schneller Internetanschluss und ein passendes Netzdesign sind zudem wichtige Erfolgsfaktoren. Details zum hier gewählten Mining-Setup sowie Mining kontrovers gesehen siehe Mining kontrovers diskutiert.

Was in diesem Bereich noch fehlt ist ein Serviceanbieter, welcher Out of the Box Lösungen hierzu bietet. Bereitgestellt beispielsweise mittels Abo-Modellen oder durch Direktauszahlung bei Erreichung von Miningerfolgen.

Mining Rig auf GPU Basis (Bildquelle: Pascal Arnold)

Man muss bereit sein, Krypto-Risiken einzugehen
Einerseits können technische Entwicklungen komplette Gamechanger bedeuten. Jüngere Beispiele dafür sind das Bitcoin-Halving (letztmals im Mai 2020). Dadurch erhielt ein Miner plötzlich nur noch die Hälfte des Mining-Rewards. Oder in einem anderen Beispiel die Ethereum Blockchain im Dezember 2020: Durch das Überschreiten von 4 GB DAG Size (Directed Acyclic Graph) wurden alle Grafikkarten mit 4 GB Speicher (d.h. der Grossteil der fürs Mining eingesetzten Grafikkarten) von einem Tag auf den anderen zum Mining unbrauchbar.

Andererseits werden sich mittelfristig einige wichtige Kryptowährungen von Mining weg zu anderen Methoden zwecks Validierung von Blocks wenden.

Risiko der Kursentwicklung: Kurse von Kryptowährungen können erheblich schwanken – was das Schürfen rasch unrentabel machen – oder genau das Gegenteil bewirken. Auch Strompreis- und Wetterschwankungen sind schwierig vorher zu sehen und nicht zu vernachlässigen.

Das Thema ist und bleibt interessant. Ich bin gespannt, ob sich bald erste Solar-Kryptomining-Millionäre als solche outen 😉.

 

Weiterführende Quellen & Links
Nähkästchen-Talk und 9 Problemstellungen
Mining kontrovers diskutiert
Berechnungsdetails
Linksammlung

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About Author

Pascal Arnold ist Informatik-Ingenieur und fundierter Kenner von Blockchain Technologien; und bloggt aus dem Unterricht des CAS Digital Business Innovation. Er betreibt seit Juni 2020 eine solarbetriebene Kryptomining-Versuchsanlage (8 kWp/75 GPUs) und untersucht aktuell die Serienfertigung, Zukunfts- und Marktfähigkeit sowie gesellschaftspolitischen Aspekte solcher Mining-Modelle.

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