Wörterbuch der Generationen

Klagen Sie noch, oder übersetzen Sie schon?

Der demografische Wandel prägt Unternehmen bereits heute und verschärft den Fachkräftemangel. Gleichzeitig verändern die Digitalisierung sowie neue gesellschaftliche Erwartungen an Arbeit und Selbstverwirklichung die Arbeitswelt nachhaltig. Damit wird Generational Leadership zunehmend zu einer Führungsaufgabe. Nicht die Unterschiede zwischen den Generationen sind entscheidend. Entscheidend ist, was Unternehmen daraus machen.

«Die Jungen wollen nur noch Homeoffice.» – «Die Älteren sind zu wenig offen für Veränderungen.» Bei der Sager AG arbeiten Mitarbeitende mit einem Altersunterschied von 52 Jahren. Wie bei den allermeisten Firmen, arbeiten so bis zu vier Generationen gleichzeitig zusammen. Unterschiedliche Erfahrungen, Erwartungen und Wertvorstellungen bringen eine grosse Vielfalt an Perspektiven, führen aber auch zu Spannungen.

Im Arbeitsalltag zeigt sich dies beispielsweise beim Umgang mit Künstlicher Intelligenz, digitalen Werkzeugen oder flexiblen Arbeitsformen. Ich stelle dabei fest: Während jüngere Mitarbeitende neue Technologien oft selbstverständlich nutzen, gehen erfahrene Kolleginnen und Kollegen häufig vorsichtiger damit um. Auch beim Homeoffice, bei der Kommunikation oder bei Karrierevorstellungen bestehen unterschiedliche Vorstellungen und Erwartungen.

Ein Generationenkonflikt?

Was auf den ersten Blick wie ein Generationenkonflikt aussieht, ist häufig Ausdruck unterschiedlicher Erfahrungen, gesellschaftlicher Rahmenbedingungen, Prägungen und Bedürfnissen. Jüngere Mitarbeitende bringen neue Perspektiven, digitale Kompetenzen und Veränderungsbereitschaft ein. Erfahrene Mitarbeitende verfügen über Fachwissen, Marktkenntnisse und ein tiefes Verständnis für Zusammenhänge.

Gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des zunehmenden Fachkräftemangels wird generationelle Vielfalt zu einer strategischen Ressource. Unternehmen können es sich immer weniger leisten, das Potenzial einzelner Altersgruppen ungenutzt zu lassen.

Lernen in beide Richtungen ermöglichen

Im Executive MBA der Hochschule Luzern beschäftigen wir uns intensiv mit Leadership. Gerade in der generationenübergreifenden Zusammenarbeit wird für mich deutlich, dass erfolgreiche Führung heute vor allem eines bedeutet: Unterschiede so zu verbinden, dass daraus gemeinsame Stärken entstehen. Gemeinsamkeiten zu betonen, Lernen in beide Richtungen zu ermöglichen und flexible Rahmenbedingungen zu schaffen, wird immer wichtiger.

Genau hier entscheidet sich, ob Vielfalt zu einem Wettbewerbsvorteil wird oder im Alltag ungenutzt bleibt. Erfolgreiche Teams bestehen nicht aus Menschen, die gleich denken. Sondern aus Menschen, die unterschiedlich sind und genau deshalb gemeinsam stärker werden.

Führungskräfte müssen übersetzen

Führungskräfte müssen weniger verwalten, sondern mehr verbinden. Bei Generational Leadership werden sie zu Übersetzern zwischen unterschiedlichen Sichtweisen, Bedürfnissen und Arbeitsweisen.

Nicht die Unterschiede zwischen den Generationen sind entscheidend. Entscheidend ist, was Unternehmen daraus machen. Wer Jung gegen Alt ausspielt, verschenkt Potenzial. Wer Vielfalt gezielt verbindet, schafft bessere Entscheidungen, mehr Innovation und widerstandsfähigere Organisationen.

Führungskräfte werden zu Übersetzern zwischen den Generationen. Wer unterschiedliche Sichtweisen versteht und verbindet, macht generationelle Vielfalt zur gemeinsamen Stärke. (KI-generiertes Bild)

Sebastian Zurkinden

Sebastian Zurkinden ist Leiter Produktmanagement und Anwendungstechnik bei der Sager AG und absolviert derzeit den EMBA an der Hochschule Luzern.

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