Wenn sich angehende Soziokulturelle Animatorinnen Gedanken zur Raumgestaltung machen… – ein Bericht von Jelena Jankovic und Delia Strassmann

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Partizipation ist wohl eines der Worte, welches uns Studierenden der Hochschule Luzern im Verlauf des Studiums am häufigsten begegnet (Auch hier im Blog haben wir kürzlich über das Thema Partizipation an der HSLU – Soziale Arbeit berichtet). Mitsprechen, Mitwirken, Mitgestalten, auf die Bedürfnisse der Zielgruppen eingehen. Die Zielgruppe der HSLU, das sind wir, die Studierenden der Sozialen Arbeit. Mitwirken wird von uns in erster Linie anhand einer aktiven Unterrichtsbeteiligung gefordert. Einer partizipativen Unterrichtsraumgestaltung wird hingegen meist keine grosse Beachtung geschenkt. Dabei zeigen Forschungsergebnisse eindeutig: Die Raumgestaltung hat einen wesentlichen Einfluss auf das Lernverhalten und den Lernerfolg der Studierenden. So gilt es, die für den Frontalunterricht konzipierte Raumgestaltung zu durchbrechen.

Konkrete Umgestaltungsideen und Feststellungen aus der Sicht der Nutzerinnen:

Farbe
Fangen wir mal bei der Farbe an. So gut wie alle Wände der Unterrichtsräume unserer Schule sind weiss gestrichen. Weiss – eine neutrale Farbe, die mit Sauberkeit und Frische gleichgesetzt wird. Da kann man doch nichts falsch machen! Oder vielleicht doch? Gerade in grösseren Räumen wirkt weiss oft steril, kalt und wenig inspirierend. Die Farbe wirkt nicht fördernd für das Lernen, im Gegenteil, Weiss begünstigt das Vergessen. Wie oft bist du schon vor einem weissen Blatt gehockt und hast nicht gewusst, was du daraus machen sollst? Dahingegen ist beispielsweise Gelb eine Farbe, die den Verstand anregt, eine positive Atmosphäre fördert, sich positiv auf das Aneignen von Wissen und die Konzentrationsfähigkeit auswirkt. Auch Orange wirkt inspiriert, schafft eine gemütliche Atmosphäre und fördert Kreativität sowie Kommunikation und Interaktion. Die Farbe sollte auf jeden Fall auf die im jeweiligen Raum vorherrschenden Lichtverhältnisse sowie die Raumfunktion abgestimmt sein. Farbe lässt sich zudem auch anders in einen Raum einfliessen. Nicht unbedingt müssen ganze Wände gestrichen werden, je nach dem reichen schon Farbtöne an, im Unterrichtsraum verwendeten, Gegenständen oder Möbel aus, um die Atmosphäre zu verbessern.

Möbel
Um den Raum dem jeweiligen Unterrichtssetting anpassen zu können, sind flexible und mobile Möbel von Vorteil. Leichte Tische mit Rollen zum Beispiel, würden das individuelle Einrichten um einiges erleichtern. Das Setting könnte geändert und die Tische verschoben werden, ohne die Studierenden im nebenanliegenden Zimmer durch den Lärm zu stören. Auch verschiedene Sitzgelegenheiten (Stühle, Sitzbälle, Sitzsäcke) oder die Möglichkeit, im Stehen zu Lernen, würden unterschiedliche Lernformen unterstützen. Für das Wohlbefinden können Möbel, welche an die vertraute Atmosphäre von Zuhause erinnern, Hilfreich sein. Wir kennen von der Hochschule Luzern besonders die Idee der multifunktionalen Räumlichkeiten – alle Räume sollen von unterschiedlichen Nutzergruppen bespielbar sein. Zwischen den Unterrichtsblöcken müssen die Räume schnell umgestellt werden können, damit der schweizerische Zeitplan eingehalten werden kann. Hier könnten z.B. auch multifunktionale Möbel eingesetzt werden, damit die Raumgestaltung je nach Bedarf schnell hergerichtet und vielfältig genutzt werden kann.

Pflanzen
Wir kennen es alle: Man kommt am Morgen in den frisch gelüfteten Unterrichtsraum. Energie ist vorhanden, man ist bereit für den Tag, alles ist gut. Und dann, spätestens nach einer Stunde, oder wenn man kurz auf der Toilette war und wieder zurück in den Unterrichtsraum kommt, nichts als dicke und verbrauchte Luft, die Konzentration weicht langsam der Müdigkeit. Klar ist da Lüften immer eine gute Option, doch nach 2 Minuten ist es den einen zu kalt, die anderen stören sich am Verkehrslärm vor dem Haus. Raumpflanzen haben nicht nur den Vorteil, schön auszusehen und die Sterilität gewisser Räume etwas aufzuheben. Pflanzen nehmen Kohlendioxid auf und geben Sauerstoff ab. Damit kann die Raumluftqualität bereits verbessert werden. Gewisse Pflanzen bewirken sogar noch viel mehr. Sie reinigen die Luft und nehmen die dort vorkommenden Chemikalien auf.

Visualisierung
Von fast jedem Unterrichtstag bleibt man von den zahlreichen Flipcharts nicht verschont. Sei es den Output einer Gruppenarbeit festzuhalten, um Notizen während dem Plenum zu visualisieren oder als einfaches Medium für eine Präsentation. In den Unterrichtsräumen sind diverse Befestigungsmöglichkeiten für Flipcharts montiert und einfach nutzbar. Oft wird den Flipcharts wenig Aufmerksamkeit geschenkt, da sie alle häufig gleich aussehen und mit schneller Schrift und wenig Vorüberlegungen darauf losgeschrieben oder gemalt wird. Wenn jemand eine spezielle Schriftart, Farbe oder Darstellungsart verwendet, gilt er oder sie schon als kreativ. Gibt es denn für uns Studierende keine andere Möglichkeit, unsere Outputs schnell zu visualisieren, ohne dabei immer Kiloweise Papier zu verwenden? Die Visualizer gibt es auch noch! Wie die Hellraumprojektoren aus den alten Schulklassenräumen kann man mit dem Visualizer jedes Blatt, Handy oder Notiz auf die Leinwand projizieren lassen. Dies spart uns häufig Zeit und wir sparen dabei noch einen grossen Haufen Papier. Weiter wäre es denkbar, dass in den einzelnen Klassenräumen eine Wand so gestaltet ist, dass man die einzelnen Flipcharts aufhängen kann und dabei einen Rahmen aus Farbe rundum hat. Mit unterschiedlichen Farben kann, wie oben im Text schon erwähnt, vielfältig gearbeitet und visualisiert werden.

Sitzordnung
In der täglichen Raumgestaltung passiert die Sitzordnung häufig so wie der Dozent / die Dozentin es vorgibt oder so, wie der Raum bereits vorgefunden wurde. Je nach Unterrichtsinhalt sitzen wir auch im Kreis, an Sitzinseln oder wir stehen. Hier stellt sich die Frage, ob Studierende der Sitzordnung überhaupt Aufmerksamkeit schenken oder sich einfach fügen? Wir überlegen uns am Morgen auch, in welchen Kleidern wir uns den ganzen Tag wohlfühlen können. Wieso überlegen wir uns dann nicht, wie wir uns den ganzen Tag platzieren möchten, damit wir uns wohl fühlen? Hierbei spielen unterschiedliche Faktoren mit. Einerseits müssen wir uns gut verständigen können und einander sehen, wenn jemand das Wort ergreift. Andererseits muss die Sitzordnung so sinnvoll gestaltet sein, damit die einzelnen Unterrichtsteile nach Plan verlaufen können, ohne dabei immer den ganzen Raum neu einzurichten. Was bisher immer geholfen hat, ist Abwechslung. Wenn der Unterrichtsinhalt sich ändert, darf sich der Raum auch verändern. So können einzelne, zum Teil fast schlafende Studierende wieder aus ihren Tagträumen gerissen werden.

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