Open Access grundsätzlich ja – bei der Umsetzung gibt’s aber Kritik: Eine Umfrage zu Open Access der HES-SO

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Haute École de gestion et tourisme, Sierre CC-BY-SA

Was halten unsere Forschenden von Open Access? Die HES-SO (Haute Ecole Spécialisée de Suisse occidentale) wollte es wissen und hat ihre Mitarbeitenden über ihre Haltung zu Open Access sowie über ihre Publikationsgewohnheiten befragt. Die Ergebnisse liegen nun in einem ausführlichen Bericht vor.

Kurz zusammengefasst zeigt die Umfrage, dass die grosse Mehrheit der Forschenden den Grundsätzen von Open Access zustimmt, dass es jedoch Kritik und Fragen bei der konkreten Umsetzung gibt.

Die Umfrage der HES-SO ist durchaus auch für die Hochschule Luzern spannend da die HES-SO – wenn auch um einiges grösser – fachlich der HSLU nahesteht: So besteht die HES-SO aus sechs Departementen, nämlich Ingénierie et Architecture, Santé, Economie et Service, Travail social, Design et art visuel sowie Musique et Arts de la scène.Die Umfrage fand Ende 2019 statt, befragt wurden alle Mitarbeitenden (3225 Personen) der HES-SO, der Rücklauf betrug ungefähr zehn Prozent. Die Umfrage zeigt, dass die Publikationskulturen zwischen den einzelnen Fächer stark variieren: So publizieren Wirtschaftswissenschaftler/innen sowie die Ingenieur/innen und Architekt/innen v.a. in Englisch, während in den anderen Fächer Französisch die vorherrschende Sprache ist. In der Kunst und der sozialen Arbeit spielen Bücher eine wichtige Rolle, in der Wirtschaft und den Ingenieurwissenschaften herrschen Zeitschriften vor.

Auf die Frage, ob sie mit den Grundsätzen von Open Access einverstanden seien, antworteten 67 % mit ja, 13% mit nein und 9% hatten keine klare Meinung – alles in allem ein recht klares Bekenntnis zu Open Access. Interessant ist, dass Personen, die älter als 50 Jahre sind, Open Access positiver beurteilen als jüngere Forschende. Dies dürfte damit zusammenhängen, dass der Druck, in Journals mit hohem Impact Factor zu publizieren, auf den jüngeren Forschenden stärker lastet. Unterschiede gibt es auch zwischen den Fachbereichen: Am deutlichsten befürworten die Wirtschaftswissenschaftler/innen Open Access, eher skeptisch sehen die Kunstwissenschaftler/innen Open Access (63% Befürworter/innen) und eher ablehnend stehen die Musiker/innen Open Access gegenüber (43% Befürworter/innen) wobei es bei den letzteren der Rücklauf sehr gering war. Als Gründe für die Unterstützung von Open Access werden von den Befragten die gute Sichtbarkeit, eine schnellere Publikation, die allgemeine Optimierung von Innovation und höhere Zitationsraten genannt.

An Open Access kritisiert werden namentlich Probleme bei der Umsetzung, nämlich die zu entrichtenden Artikelgebühren, Befürchtungen vor einer Qualitätsverminderung oder vor einem Verlust der akademischen Freiheiten. Besonders die Kunstwissenschaften fürchten  auch den Verlust von qualitativ hochstehenden gedruckten Publikationen.

Drei Viertel der Personen begrüssen es ausserdem, dass die HES-SO (wie die Hochschule Luzern) im Rahmen der nationalen Open Access-Strategie sogenannte Read & Publish-Abkommen abschliesst. Gleichzeitig wünschen sich zwei Drittel mehr Publikationsunterstützung seitens der HES-SO in der Form eines institutionellen Verlages oder institutionell geführter Zeitschriften (wie die HSLU mit interact verfügt das Departement Travail Social der HES-SO über einen eigenen Verlag). Und weniger als die Hälfte ist überzeugt, dass kommerzielle Verlage Schlüsselservices bei der Verbreitung von Publikationen anbieten – das Vertrauen in die grossen Verlage ist offenbar eher fragil und Unsicherheiten bei der Qualität von Open Access-Publikationen bedeutet nicht unbedingt, dass dieses Vertrauen bei „klassischen“ Veröffentlichung vorbehaltlos da ist!

Wenn es um die Wahl einer Zeitschrift oder eines Verlages für die eigene Publikation geht, ist – wenig überraschend – das Prestige das Hauptkriterium. Nach den Kosten rangiert Open Access dann aber bei den Zeitschriften bereits als drittes Kriterium, bei den Büchern nach der Qualität der verlegerischen Dienstleistungen an vierter Stelle. Damit ist Open Access unter den Forschenden an der HES-SO ein wesentliches Kriterium bei der Wahl eines Publikationsorgans. Der Impact Factor spielt bei der Beurteilung der Qualität einer Publikation eine zentrale Rolle, ein Umstand, der Open Access eher hindert und erklären könnte, warum junge Forschende, die sich ihre Karriere erst noch aufbauen müssen, mehr Probleme mit Open Access haben als ältere.

Wenn es um das eigene Publizieren in Open Access geht, zeigt sich, dass zahlreiche Forschende ihre Publikationen über akademische soziale Netzwerke wie Researchgate oder Academia zugänglich machen, diese werden deutlich besser genutzt als das institutionelle Repositorium ArODES. Häufig wird eine Publikation ausserdem über verschiedene Plattformen, z.B. über ein Netzwerk und das Repositorium verbreitet. Die finanzielle Unterstützung des SNF bei der Publikation von Open Access-Büchern scheint wenig bekannt zu sein. Alles in allem machen Forschende ihre Artikel zu je einem Drittel über das Repositorium bzw. den goldenen Weg zugänglich, bei den Büchern ist dieser Anteil viel geringer: 16% über den goldenen Weg, 5 Prozent über das Repositorium.

Und last but not least: Abgerundet wurde die Umfrage nach Verbesserungsvorschlägen in Bezug auf das institutionelle Repositorium ArODES. Auf der Wunschliste der Forschenden finden sich neben Vereinfachungen des Eingabeprozesses und einer verbesserten Suche die Möglichkeit, Publikationslisten zu exportieren, die Anzeige von Downloads und Altmetrics pro Artikel und eine Verlinkung zum persönlichen Profil auf der Webseite. Diese letzteren Funktionen sind in der Lösung der HSLU (PPDB und LORY) umgesetzt – obgleich Anpassungen des Prozesses auch an der HSLU im Raum stehen.

Die Umfrage legt nahe, dass die Hochschulen ihre Aktivitäten weniger auf die Überzeugung bzgl. Open Access, sondern vielmehr auf unterschiedliche Unterstützungs- und Informationsmassnahmen zur Umsetzung von Open Access legen sollen: Dazu gehören einfache Prozesse, Publikationsfonds, Beratungen und eventuell die Einrichtung von eigenen verlagsähnlichen Dienstleistungen.

Link zum Bericht
Informationen rund um Open Access an der Hochschule Luzern

Simone Rosenkranz

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