Ein normaler Abend zu Hause. Plötzlich ein dunkler Fleck am Boden, obwohl man nichts verschüttet hat. Woher kommt das bloss? Was wie ein plötzliches Ereignis erscheint, hat sich über Wochen oder Monate entwickelt – und zwar unsichtbar und tief im Boden. Eine neue Generation von intelligenten Baustoffen erkennt das Problem, bevor ein Schaden entsteht.
Warum das selbst beim besten Handwerk vorkommt
Solche Schäden entstehen nicht, weil das Handwerk schlecht gearbeitet hat. Sie entstehen, weil Holz ein anspruchsvoller Baustoff ist und Feuchtigkeit viele verborgene Wege findet.
Zimmerer und Zimmererinnen sind heute weit mehr als nur Holzbauprofis. Sie müssen mit verschiedenen, zusätzlichen Problemstellungen vertraut sein, unter anderem auch mit diversen bauphysikalischen Themen. Dazu gehören auch die Luft- und Winddichtheit einer Gebäudehülle.
Jede Durchdringung im Boden, im Dach oder der Wand – eine Steckdose, ein Rohr, ein Balken – muss lückenlos abgedichtet werden. Kleinste Lücken reichen, damit warme Raumluft in die Konstruktion eindringt, dort abkühlt und als Kondensat niederschlägt. Unsichtbar, still über Monate. Dazu kommt Feuchtigkeit von aussen: Während der Bauphase ist Holz oft tagelang Regen ausgesetzt, bevor das Dach geschlossen wird. Und selbst wenn alles trocken ausschaut, kann Restfeuchte mit verbaut werden.
Das sind drei Quellen für Feuchtigkeit, welche die Bausubstanz schädigen können: Meteorwasser, Kondensat und eingeschlossene Baufeuchte. Es reicht also nicht, dass einwandfrei und luft- und winddicht gebaut wird. Wir brauchen eine Absicherung wie das Sicherungsseil beim Bungee-Sprung. Was geschieht, wenn eben doch etwas passiert?
Eine Folie, die mitdenkt
Hier setzt eine Entwicklung an, die in der Baubranche gerade Fahrt aufnimmt: Baustoffe, die nicht nur ihre ursprüngliche Schutzfunktion ausüben, sondern sich gleichzeitig auch selber überwachen. Eine Abdichtungsfolie mit eingebauten Sensoren wird im Bodenaufbau verbaut – so weit, so gut. Steigt nun die Feuchte über einen kritischen Wert, löst ein kleines Steuergerät eine Mitteilung übers Internet an einen Server (IoT) oder direkt an eine App aus. Das System erkennt, ob es sich um eine einmalige Überschreitung der Feuchtegrenze handelt oder ob die Konstruktion permanent einer zu hohen Feuchte ausgesetzt ist.

Wir reden hier vom Smarthome für den Fussboden. Die Kaffeemaschine, die man auf dem Weg von der Arbeit nach Hause bereits aktiviert, ist netter Luxus. Die Folie im Fussboden hingegen ist das digitale Immunsystem des Hauses. Sie schützt vor massiven Schäden an der Bausubstanz und hohen Sanierungskosten.
Sorgfältiges Handwerk bleibt unverzichtbar
Es ist beruhigend zu wissen, dass im schlimmsten Falle die Technik hilft, kostspielige Reparaturen zu verhindern. Das heisst aber nicht, dass beim Hausbau Abstriche bei der Qualität gemacht werden dürfen. Die luft- und winddichte Schicht einwandfrei umsetzen, bleibt ein unverzichtbares Fundament für ein problemloses und langlebiges Haus.
Ausblick: Das Haus, welches sich selbst versteht
Solche smarten Folien sind erst der Anfang. Häuser werden ihr eigenes digitales Nerven- und Immunsystem bekommen. Wir dürfen alle gespannt sein auf die Zeit, in der das Internet der Dinge in unserer Wohnung oder in unserem Haus jeden noch so verborgenen Winkel überwacht und auf Probleme prüft. Schläuche, Wände, Heizungen, Rohre und Fenster werden intelligent.
Die Gebäudehülle wird permanent ihren eigenen Zustand messen. Feinste Haarrisse in der Fassade werden erkannt, lange bevor Feuchtigkeit eindringen kann. Hat man ausreichend gelüftet? Das Haus wird es einem sagen.
Diese Innovationen werden auch neue Fragen aufwerfen. Was für Konsequenzen wird das für Versicherungen, Garantien, Haftungsfragen haben? Wer haftet, wenn das Haus einen drohenden Schaden meldet, aber niemand reagiert?
Häuser werden von passiven Hüllen zu aktiven Partnern. Sie steuern sich nicht mehr nur für mehr Komfort, sondern sie schützen sich selbst vor Schäden. Damit wir beruhigt schlafen können, während das Haus für uns die Wache übernimmt.
