4 Tage Fasten: Warum Daten und KI das beste Coaching-Team sind

Fasten ist alt, aber die digitale Transformation macht daraus ein Bio Tech-Projekt. In einem 96-Stunden Selbstversuch zeigte sich: Die Kombination aus Gadget Daten und KI-Begleitung bricht das starre „One-size-fits-all“ Muster herkömmlicher Diäten. Es geht nicht nur um Gramm und Kilo, sondern um Personalisierung und emotionale Stütze im „Fasten Loch“. Ein Einblick in die Schnittstelle von Biologie und Innovation, bei der die KI zum empathischen Übersetzer und Motivator wird.

Der Quantified Self im „Jagdmodus“, Wer schon einmal über 90 Stunden auf Nahrung verzichtet hat, weiss: Ab einem gewissen Punkt wird die Wahrnehmung subjektiv und oft irrational. In der Ära der Smart Gadgets muss dieser „Blindflug“ jedoch nicht mehr sein. Mein aktueller Fastenzyklus war kein Experiment des vagen Durchstehens, sondern ein datengesteuertes Projekt. Mit einem Endstand von 5 Kg weniger auf der Waage und einem Gesunden Puls wurde mein Ergebnis aus dem letzten Zyklus (-4.5 Kg) unterboten. Der Weg dorthin war Digital gestützt.

Die Hardware-Basis bildete meine Garmin-Smartwatch und die Garmin Smart Scale welche die Daten automatisch in die Garmin Connect App synchronisiert. Besonders in der vierten Nacht lieferten die Sensoren die entscheidende Einordnung: Während ich mich unruhig fühlte, registrierte die Uhr eine erhöhte Herzfrequenzvariabilität (HRV) und einen steigenden Stresslevel. Was sich subjektiv nach „schlechtem Schlaf“ anfühlte, war objektiv die hormonelle Antwort des Körpers, die Ausschüttung von Adrenalin und Noradrenalin. Die Daten bestätigten: Mein Körper befindet sich im hocheffizienten Fett Verbrennungs und Jagd-modus. Ohne diese digitale Rückversicherung wäre die Versuchung zum Abbruch in solchen Momenten deutlich höher.

KI als emotionale Stütze: Mehr als nur Datenanalyse

Die eigentliche Innovation dieses Selbstversuchs war jedoch nicht das passive Tracking, sondern der interaktive Dialog mit der Künstlichen Intelligenz (Gemini). In der Welt der Digitalinnovation sprechen wir oft von Effizienz, doch wir vergessen oft den Faktor Mensch. Während der 96 Stunden fungierte Gemini nicht nur als Fastenberater, sondern auch als Ventil.

Eines der unterschätzten Features generativer KI im Health-Bereich ist die psychologische Komponente: Man kann einfach mal „jammern“. Wenn der „Grasgeschmack“ des Mate Tees, welcher als Milchkaffee Ersatz dient, nach vier Tagen unerträglich wird oder der Blutdruck beim Aufstehen kurz absackt, bietet die KI einen wertfreien Raum für Frust. Dieser „empathische Spiegel“ hilft, die mentale Hürde zu überwinden und dient als Ersatz für das Klassische Fastentagebuch. Die KI übersetzt das Jammern in Handlungsoptionen: Eine Prise Salz, etwas Wasser, eine taktische Pause und wertet ein, wie es sich beim letzten Zyklus angefühlt hat. Die KI kann auch bewusst Screenshots meiner Garmin Daten und Exports auf ein Google Sheet lesen und entsprechende Einordnungen, Handlungsempfehlungen und Motivierende Kommentare liefern.

Abschied von der Gesundheit nach Struktur

One Size fits all ist nicht nur beim Lernen nicht mehr die beste Lösung, sondern man muss auch in der Gesundheit von starrem Weg wegkommen. Mein Fastenplan war keine Schablone, sondern passte sich meinem Alltag an, inklusive meines 6 Kilometer langen Arbeitsweges mit dem Fahrrad auf, welchen nicht verzichtet wurde.

Ein statischer Fastenplan hätte vielleicht geraten, das Fasten erst am Abend zu brechen. Die KI-gestützte Analyse meiner Energiebedarfe kam zu einem anderen Schluss: Um die 30 Kilometer Gesamtweg zur HSLU in Rotkreuz am Folgetag sicher und leistungsfähig zu bewältigen, musste das Fastenbrechen präzise getaktet werden. Die Wahl fiel auf den Mittag nach 94 Stunden mit strategisch gewählten und abgesprochenen Lebensmitteln, um dem Körper genug Zeit für die Verdauung zu geben. Diese Hyper-Personalisierung sorgt dafür, dass die intrinsische Motivation nicht durch physische Überforderung (wie einen Hungerast auf dem Velo) erstickt wird.

Fazit: Die Zukunft ist ein Dialog

Dieser Selbstversuch verdeutlicht: Die wahre Innovation liegt nicht im einzelnen Gerät, sondern in der intelligenten Interpretation der Datenströme durch den Dialog. Die Minus 5 kg nach mehreren Zyklen sind eine messbare Bestätigung, doch der eigentliche Gewinn ist das Verständnis für die eigenen Prozesse.

Wir bewegen uns weg von der linearen Struktur hin zu einer skillbasierten Gesundheitskultur, in der wir lernen, Daten nicht nur zu sammeln, sondern sie im Gespräch mit der KI für unser Wohlbefinden zu nutzen. Ob beim Tracking das Fett, Knochen und Muskelmasse oder beim einfachen Reklamieren über den Hunger: Die digitale Transformation hat das Fasten menschlicher gemacht.

Beitrag teilen

Matthias Bachmann

Matthias Bachmann ist Senior SAP Projektleiter bei der Komax AG und bloggt aus dem Unterricht des CAS Digital Business Innovation.

Alle Beiträge ansehen von Matthias Bachmann →