Vom IT-Chaos zur Symphonie: Wie EAM den Takt vorgibt

„Kannst du dir mal mein Haus anschauen?“ Diese Frage stellte mir kürzlich ein Freund meines Vaters. Er wusste, dass ich als Architekt arbeite, meinte jedoch Bauwesen. Dabei geht es in meiner Arbeit nicht um Gebäude, sondern um das Zusammenspiel komplexer IT‑Systeme. Enterprise Architecture Management (EAM) orchestriert die Gesamtarchitektur wie in einem Orchester und bringt Ordnung in Systemlandschaften. Dieser Beitrag zeigt anhand der Orchester‑Metapher, wie das gelingt.

Der Enterprise Architect als Dirigent der Gesamtarchitektur

Ein Dirigent steht vor einem Orchester aus hochspezialisierten Musizierenden. Jede Person beherrscht ihr Instrument und kennt ihren Part. Ohne Koordination entsteht jedoch kein harmonisches Gesamtwerk. Der Dirigent selbst spielt kein Instrument, sondern steuert Einsätze, Dynamik und Zusammenspiel.

So lässt sich auch die Rolle des Enterprise Architects beschreiben. Statt mit Instrumenten arbeitet er mit Systemen, Anwendungen, Datenflüssen und Teams. Einzelne Systeme funktionieren für sich oft gut – die eigentliche Herausforderung liegt im Zusammenspiel. Ohne Abstimmung entstehen isolierte Entscheidungen, Redundanzen und Brüche in der IT‑Landschaft. EAM setzt genau hier an und gestaltet das Gesamtsystem bewusst, statt Einzellösungen isoliert zu optimieren.

Aufbau und Orchestrierung der IT‑Landschaft

Eine IT Landschaft ist kein Solostück, sondern wie ein Orchester ein komplexes Zusammenspiel vieler Elemente. Ein Orchester besteht nicht nur aus Instrumentengruppen, sondern auch aus klaren Rollen, Regeln und Abhängigkeiten. Musiker beherrschen ihr Instrument, Sektionen sind aufeinander abgestimmt, Notationen geben Struktur und gemeinsame Proben sorgen dafür, dass das Zusammenspiel funktioniert.

So ist auch eine IT Landschaft aufgebaut. Sie besteht aus unterschiedlichen Architekturdomänen, klaren Verantwortlichkeiten, technischen Abhängigkeiten und gemeinsamen Leitplanken. Erst durch gezielte Orchestrierung entsteht daraus ein funktionierendes Ganzes.

Orchester in Segmenten (Farben) als Metapher für Architekturdomänen.Quelle: Erstellt mit ChatGPT (DALL·E)
Orchester in Segmenten (Farben) als Metapher für Architekturdomänen.
Quelle: Erstellt mit ChatGPT (DALL·E)

In der EA wird diese Struktur typischerweise in Architekturdomänen gegliedert

  • Geschäftsarchitektur definiert Ziele, Capabilities und fachliche Zusammenhänge
  • Applikationsarchitektur übersetzt Anforderungen in Systeme, Services und deren Interaktionen
  •  Datenarchitektur sorgt für konsistente Informationen und saubere Datenflüsse
  • Technologiearchitektur stellt Stabilität, Sicherheit und Skalierbarkeit sicher

Jede dieser Domänen kann für sich betrachtet gut funktionieren. Die eigentliche Komplexität entsteht jedoch nicht innerhalb der Domänen selbst, sondern an ihren Schnittstellen, dort wo fachliche Anforderungen in IT Services übersetzt werden, wo Daten über Systemgrenzen hinweg fliessen oder wo technologische Entscheidungen langfristige Abhängigkeiten erzeugen.

EAM übernimmt hier die Rolle der Orchestrierung. Es sorgt dafür, dass diese Übergänge bewusst gestaltet werden und sich alle Domänen an einem gemeinsamen Zielbild orientieren statt isoliert optimiert zu werden.

Transparenz schaffen – die „Partitur“

Damit ein Orchester gemeinsam spielen kann, braucht es eine Partitur. Sie zeigt Struktur, Einsätze und das Zusammenspiel aller Instrumente. Für Musikerinnen und Musiker ist sie die gemeinsame Grundlage, um dasselbe Werk zu interpretieren.

In der EA übernehmen Modelle, Prinzipien, Standards und Zielbilder die Rolle der Partitur. Sie schaffen Transparenz, indem sie sichtbar machen,

  • Offenes Notenbuch mit Diagrammen (Ist, Abhängigkeiten, Zielbild, Roadmap).Quelle: Erstellt mit ChatGPT (DALL·E)
    Offenes Notenbuch mit Diagrammen (Ist, Abhängigkeiten, Zielbild, Roadmap). Quelle: Erstellt mit ChatGPT (DALL

    wie die IT‑Landschaft aktuell aufgebaut ist (Ist‑Zustand),

  • welche Abhängigkeiten zwischen Systemen bestehen,
  • wohin sich die Architektur entwickeln soll (Zielbild)
  • und wie dieser Weg schrittweise umgesetzt werden kann, etwa über einen Bebauungsplan (Roadmap).

Dieser Bebauungsplan beschreibt, welche Teile der Architektur wann verändert, erweitert oder abgelöst werden. Wie in der Musik gibt die Partitur damit nicht nur Struktur vor, sondern auch eine zeitliche Orientierung für die Weiterentwicklung der IT‑Landschaft.

 

Kommunikation – der Dirigentenstab

Eine Partitur allein reicht nicht aus. Erst durch Führung wird daraus Musik. Der Dirigentenstab steht für Kommunikation, Präzision und Abstimmung. Mit klaren Signalen steuert der Dirigent Einsätze, Tempo und Dynamik.

Nahaufnahme eines Dirigenten mit Taktstock als Symbol für Steuerung.Quelle: Erstellt mit ChatGPT (DALL·E)
Nahaufnahme eines Dirigenten mit Taktstock als Symbol für Steuerung.
Quelle: Erstellt mit ChatGPT (DALL·E)

Auch im EAM ist Kommunikation zentral. Architektur wirkt nur, wenn sie verstanden und mitgetragen wird. Erst dadurch werden Prinzipien, Entscheidungen und Zielbilder in konkrete Umsetzung übersetzt. Architektur entsteht nicht im Modell, sondern in der Umsetzung. Kommunikation verbindet beide Ebenen.

 

Fazit: Meine Rolle als Junior Domain Architect

Bleibt man beim Bild des Orchesters, leiten wir nicht das gesamte Ensemble, sondern eine einzelne Sektion. Diese muss für sich funktionieren und gleichzeitig in das Gesamtbild passen. So verstehe ich meine Rolle: Ich gestalte meinen Bereich aktiv, vermeide isolierte Lösungen und behalte das Zielbild der Enterprise Architecture im Blick. Erst wenn alle Sektionen zusammenspielen, entsteht eine funktionierende Symphonie.

 


Dieser Blogbeitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz erstellt.


 

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Cheick Idriss Diomandé

besucht das CAS-Enterprise Architecture an der Hochschule Luzern. Er arbeitet als Junior Domain Architect bei der BKW im Bereich Energy Market und beschäftigt sich mit der strukturierten Gestaltung komplexes IT und Business Zusammenhänge in der Energiewirtschaft.

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