Wenn Maschinen reden – und niemand zuhört

Viele Betriebe haben bereits ein Data Warehouse oder DataLake – für ERP, CRM und Verkaufsdaten. Was fehlt: die Maschinen selbst sprechen nicht damit. SPS-Systeme und Historian-Server zeichnen sekündlich wertvolle Daten auf – Temperaturen, Fehlercodes, Laufzeiten. In vielen Betrieben werden sie nicht systematisch integriert. Dabei liegt genau dort der grösste Hebel: Erst wenn Maschinendaten und Geschäftsdaten zusammenkommen, wird aus einer Störung eine Prognose, aus einem Fehlercode ein Frühwarnsignal – und aus reaktiver Instandhaltung ein echtes Frühwarnsystem.

Das fehlende Puzzlestück

Wer einen typischen Produktionsbetrieb anschaut, sieht folgendes Bild: ERP-System, CRM, MES – all diese Daten fliessen ins Data Warehouse, oder DataLake. Und dann gibt es die Produktionsanlagen. Jede SPS (Speicherprogrammierbare Steuerung) und jeder Historian-Server – das sind die Datenrekorder der Maschinen – zeichnet sekündlich auf: Temperaturen, Fehlercodes, Laufzeiten. Diese Daten existieren. Sie werden nur nicht genutzt. Sie liegen auf lokalen Servern in der Produktion, isoliert vom Rest der Datenlandschaft.

BI-Referenzarchitektur – Eigene Darstellung: Bestehende Systeme (ERP, CRM, MES) ergänzt um OT/SPS-Anbindung im Data Lakehouse (Bildquelle: Vilson Krasniqi)

Das eigentliche Problem
Nicht fehlende Daten sind das Problem – sondern fehlende Verbindung.
Eine Anlage, die dreimal pro Woche einen Fehlercode wirft, ist für sich allein eine Warnung.
Erst wenn man weiss, dass diese Anlage nächste Woche 80 % der dringenden Kundenaufträge
produzieren soll, wird aus einer Warnung ein kritisches Risiko.

Die Lösung: bestehend erweitern, nicht ersetzen

Das bestehende Data Warehouse bleibt. Was hinzukommt, ist ein erweiterter Datenpfad – ein Data Lakehouse. Eine solche Plattform ist flexibel genug für Maschinenzeitreihen und gleichzeitig strukturiert genug für klassisches Reporting. Die Daten durchlaufen drei Stufen:

Stufe Inhalt Beispiel aus der Produktion
Bronze
(Raw)
Rohdaten, unverändert SPS-Fehlercodes, ERP-Aufträge – genau so wie sie ankommen
Silver
(Curated)
Bereinigt, verknüpft Störungshistorie + Produktionslast + Liefertermine in einem Datensatz
Gold
(Serving)
BI-fertig, auswertbar Risiko-Score pro Anlage, Frühwarnsignal für die Instandhaltung

Medallion-Architektur – Rohdaten werden schrittweise zu auswertbaren Informationen veredelt

Drei Signale – ein Handlungssignal

Vorausschauende Instandhaltung (Predictive Maintenance) klingt nach KI. In der Praxis beginnt es viel einfacher. Ein vereinfachtes Beispiel zeigt, wie das aussehen könnte – man stellt drei bereits vorhandene Informationen nebeneinander:

Signal Woher Was es bedeutet
Störungsfrequenz OT-Historian: 3x Fehlercode in 7 Tagen Komponente zeigt Verschleiss
Produktionslast ERP: nächste Woche 45% mehr Aufträge Anlage wird stark beansprucht
Liefertermin-Druck CRM: 3 Prio-A Aufträge, Lieferung in 4 Tagen Stillstand wäre existenzbedrohend
→ Ergebnis Risiko: HOCH Wartung sofort einplanen

Drei Signale aus drei Systemen – erst zusammen ergibt sich ein Handlungssignal

Kein Machine Learning nötig im ersten Schritt. Ein einfacher Schwellenwert reicht – und spart im Ernstfall Kosten, Stillstandsstunden und unnötigen Ärger.

So sehen verbundene OT- und ERP-Daten in der Praxis aus – Störungen werden sichtbar, bevor sie eskalieren:

Screenshot: Störungsübersicht / Dashboard – anonymisiert (Bildquelle: Vilson Krasniqi, eigener Betrieb)

Wo anfangen – ein pragmatischer Einstieg in vier Schritten

  1. OT-Daten sichten: Welche Historian-Server oder SPS-Systeme zeichnen bereits auf? Die Daten sind meist vorhanden – nur nicht zugänglich.

Sicherheit zuerst: Vor jeder Anbindung müssen Netzwerksegmentierung und kontrollierte Zugänge sichergestellt sein. OT-Daten dürfen nicht ungesichert ans Data Lakehouse angebunden werden – Purdue-Modell und PAM (Privileged Access Management) sind Voraussetzung. Mehr dazu in meinem OT-Security-Beitrag (CAS IT Management & Agile Transformation).

  1. Eine Anlage wählen: Eine kritische Maschine als Pilotprojekt – nicht alle gleichzeitig.
  2. Ersten Join machen: Störungshistorie + ERP-Produktionslast verbinden. Dieser Schritt allein liefert bereits ein Frühwarnsignal – ohne CRM, ohne ML.
  3. Visualisieren: Eine einfache Risiko-Ampel pro Anlage genügt. Die Instandhaltung braucht Klarheit, nicht Komplexität.

Kein Big-Bang nötig
Das bestehende Data Warehouse bleibt unangetastet. Der Historian-Server wird parallel angebunden.
Phase 1 (ERP + OT) liefert bereits Mehrwert. CRM und Logistik folgen in Phase 2.

Reale Hürden nicht unterschätzen: Unterschiedliche Zeitstempel, inkonsistente Anlagencodes und ungeklärte Verantwortlichkeiten zwischen Produktion, IT und Daten-Team sind die häufigsten Stolpersteine. Wer sie früh kennt, kommt schneller zum ersten Ergebnis.

Fazit: BI als Frühwarnsystem

Business Intelligence endet nicht beim monatlichen Report. In der Produktion kann BI zum operativen Frühwarnsystem werden. Die Voraussetzungen sind in den meisten Betrieben bereits vorhanden – ERP, OT-Daten, CRM. Was fehlt, ist die Verbindung.

Eine moderne Datenplattform – häufig als Data Lakehouse – kann diese Integration ermöglichen. Entscheidend ist nicht die Architekturbezeichnung, sondern die konsequente Zusammenführung von Business- und Maschinendaten.

Für produzierende Unternehmen bedeutet das: weniger Stillstände, höhere Lieferfähigkeit und direkte Auswirkungen auf Umsatz und Kundenzufriedenheit.

Predictive Maintenance beginnt nicht mit KI – sondern mit Kontext.

Hinweis: Dieser Blog-Beitrag wurde mit Unterstützung von KI erstellt.
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Vilson Krasniqi

Vilson Krasniqi besucht das CAS Business Intelligence & Analytics an der Hochschule Luzern. Als Applications Manager mit Schwerpunkt SAP und Prozessautomatisierung arbeitet er in der Lebensmittelindustrie und beschäftigt sich seit Jahren mit der Verbindung von ERP-Systemen, Produktionsdaten und modernen Datenarchitekturen.

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