Ist KI eine disruptive Techologie?

Der bekannte US-Erfinder und Automobilpionier spiegelte mit seinen Äusserungen die industrielle Haltung wider, bei der Arbeiter oft auf ihre Arbeitskraft reduziert wurden. Die Angst der Arbeitnehmer, durch eine Maschine oder „höhere Intelligenz“ ersetzt zu werden, wiederholt sich gerade. Eine Studie von IBM ergab, dass fast 50 % der Angestellten weltweit befürchten, durch KI ihren Arbeitsplatz zu verlieren.

Kein Wunder ist Künstliche Intelligenz (KI) derzeit ein heiss diskutiertes Thema.

Was bedeutet „Disruption“?
Disruption entsteht, wenn eine neue Technologie nicht nur bestehende Prozesse optimiert, sondern völlig neue Möglichkeiten schafft. Beispiele aus der Vergangenheit sind der Buchdruck, welcher die Massenverbreitung von Wissen ermöglichte oder die Autos, die die Pferdekutschen überflüssig machten, aber auch das Smartphone, das Digitalkameras und MP3-Player ersetzt hat.

Künstliche Intelligenz hat das Potenzial, nahezu alle Branchen grundlegend zu verändern. Deutlich zeigt sich das in den folgenden Bereichen:

  • Automatisierung von Arbeitsprozessen: KI-gesteuerte Systeme übernehmen bereits heute Aufgaben in der Kundenbetreuung, Buchhaltung oder im Gesundheitswesen. Routinearbeiten werden immer häufiger automatisiert.
  • KI in der Landwirtschaft und Industrie: In der Landwirtschaft ermöglicht KI präzisere Ernteprognosen, automatisierte Bewässerungssysteme und Schädlingsbekämpfung in Echtzeit. In der Industrie optimieren KI-gesteuerte Roboter Fertigungsprozesse.
  • Kreative Disruption: Künstliche Intelligenz ist nicht nur in analytischen Prozessen, sondern auch in kreativen Bereichen wie Design, Musik oder Textproduktion aktiv.

Chancen durch Veränderung der Wertschöpfungsketten
Unternehmen mit traditionellen Geschäftsmodellen stehen vor der Herausforderung, sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen oder ihre Marktstellung zu verlieren.  Jene, die KI in ihre Prozesse integrieren, können effizienter arbeiten und neue Dienstleistungen anbieten. Beispielsweise ermöglicht maschinelles Lernen in der Medizin eine frühere und genauere Diagnose von Krankheiten. Der Einsatz von Insektiziden und Pflanzenschutzmitteln kann dank KI reduziert werden. In der Industrie erhöht sich die Produktivität und der Ausschuss reduziert sich dank smarter Überwachung, um nur einige Vorteile zu nennen.

Dank KI mehr Zeit für den Menschen
Ein oft unterschätzter Vorteil der KI ist, dass sie uns von monotonen oder zeitaufwendigen Aufgaben entlastet. Dadurch bleibt mehr Zeit für kreative, soziale und strategische Tätigkeiten. KI kann also nicht nur Arbeitsprozesse optimieren, sondern auch Raum für Innovation und zwischenmenschliche Beziehungen schaffen.

Datenschutz und ethische Herausforderungen
Mit der zunehmenden Nutzung von KI steigt auch die Bedeutung des Datenschutzes. Viele KI-Systeme basieren auf grossen Mengen an Nutzerdaten, die analysiert und verarbeitet werden. Dies wirft Fragen zur Datensicherheit, Privatsphäre und Transparenz auf. Wohin gehen meine Daten und wer sieht sie? Wie werden sie geschützt? Und welche ethischen Richtlinien müssen eingehalten werden? Experten forderten schon früh eine stärkere Regulierung, um sicherzustellen, dass KI-Technologien verantwortungsvoll und zum Wohle der Gesellschaft eingesetzt werden. Ein Schritt in diese Richtung verspricht die KI Verordnung (AI Act) der EU, die am 1. August 2024 in Kraft getreten ist. Es ist das weltweit erste umfassende Gesetz zur Regulierung von künstlicher Intelligenz, welches Regeln für den Einsatz von KI festlegt.

Fazit
KI kann als disruptive Technologie angesehen werden. Die Geschichte zeigt aber, dass obwohl neue Technologien zunächst viele Jobs vernichteten, sie langfristig auch neue Berufe schufen.

Es wird wohl zu Umstrukturierungen am Arbeitsmarkt kommen, was wir aber unbedingt als Chance sehen müssen. Wir haben heute Branchen, die Mühe haben, Personal zu finden. Wenn wir es schaffen, KI vor allem dort einzusetzen, wo es um repetitive Arbeiten geht, dann hätten wir vielleicht weniger Notstand in den Berufen, wo der Mensch nicht ersetzt werden kann.

Ich würde es jedenfalls begrüssen, wenn dank KI der Mensch wieder vermehrt im Zentrum steht.

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Karin Roos

Karin Roos ist Senior Business Manager bei der Neue Bank AG und bloggt aus dem Unterricht des CAS Data Privacy Officer. Die Transferarbeit thematisiert KI im B2B-Bereich. Mit diesem Blog kann sie das Thema von einer andere Seite beleuchten und ihre persönliche Sicht einbringen.

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