Wenn künstliche Intelligenz alles weiss, aber niemand mehr denkt

Künstliche Intelligenz ist überall: in Suchmaschinen, Software, Tutorials und sogar in der Kunst. Was auf den ersten Blick nach Fortschritt klingt, wird immer mehr zu einem Problem.

KI ist überall, und ich kann es nicht mehr ertragen

Künstliche Intelligenz ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Sie erstellt Bilder, schreibt Texte, fasst Informationen zusammen und beantwortet Fragen in Sekundenschnelle. Was früher Recherche, Erfahrung und kritisches Denken erforderte, wird heute oft an ein Tool ausgelagert. Genau das macht mir Sorgen.

Nicht, weil KI grundsätzlich schlecht ist, sondern weil sie immer öfter unkritisch und gedankenlos eingesetzt wird. Viele Menschen scheinen aufgehört zu haben, selbst nachzudenken, stattdessen wird eine KI gefragt, die Antwort übernommen und als Wahrheit betrachtet. Ohne Quellenprüfung, ohne Kontext, ohne Zweifel.

Wenn Informationen sich selbst kopieren

Besonders problematisch scheint das in der IT-Welt zu sein. Als Softwareentwickler stelle ich fest, dass immer mehr Anleitungen, Blogposts und Hilfeseiten von KI geschrieben werden. Diese Inhalte werden wiederum von anderen KIs gelesen, zusammengefasst und erneut veröffentlicht. Das Ergebnis ist ein geschlossener Kreislauf aus immer schlechter werdenden Informationen.

Fehler vervielfältigen sich, Vereinfachungen werden zu falschen Regeln, Nuancen verschwinden. Wer heute nach einer konkreten technischen Lösung sucht, findet oft Texte, die gut klingen, aber in der Praxis nicht funktionieren oder unerwünschte Seiteneffekte haben.

Suche im Niedergang

Auch klassische Suchmaschinen haben stark an Qualität verloren. Google liefert zu fast jeder Suche eine von KI generierte Zusammenfassung. Das Problem: Diese ist häufig unvollständig oder schlicht und einfach falsch. Die KI scheint bei der Erstellung der Zusammenfassung weniger an Wahrheit interessiert zu sein als daran, überhaupt eine Antwort zu liefern – selbst dann, wenn sie objektiv falsch ist, aber überzeugend formuliert wirkt. Darunter folgen bezahlte Inhalte und danach oft KI-generierte Webseiten ohne echten Mehrwert. Die eigentliche Antwort auf die Frage fehlt oft oder ist falsch dargestellt.

Auch im Arbeitsalltag spürbar

Selbst im Berufsalltag erlebe ich zunehmend, dass komplexe Probleme nicht mehr durchdacht, sondern direkt an eine KI delegiert werden. Anforderungen werden übersehen, Randfälle ignoriert. Wenn das im schlimmsten Fall nur dazu führen würde, dass kein Mehrwert gewonnen wird, wäre das auch kein grosses Problem. Jedoch führt das oft zu einem grossen Mehraufwand.

Einerseits bei der Implementierung von bestimmten APIs, die mehrere nicht kompatible Versionen haben und die dann KI-Spaghetti-Code liefert, welcher aus Features von mehreren Versionen zusammengesetzt wird. Hier kann mit der KI Stundenlang diskutiert und nach Verbesserungen gefragt werden, eine richtige Lösung wird nie geliefert.

Andererseits muss der Code auch von Menschen überprüft und meist noch korrigiert werden. Dieser Aufwand ist oft grösser, als wenn der Code von Anfang an von Hand geschrieben wäre.

Komplexität lässt sich nicht prompten

Ein weiteres Missverständnis begegnet mir regelmässig:
Viele glauben, KI könne IT-Jobs ersetzen, weil sich mit ihr einfache Anwendungen schnell umsetzen lassen. Was dabei übersehen wird, ist, dass komplexe Systeme aus mehr als nur Code bestehen.
Sicherheit, Wartbarkeit, Performance, Benutzerfreundlichkeit und rechtliche Anforderungen lassen sich nicht zuverlässig durch KI lösen. Gerade bei komplexen Problemen zeigt sich, dass KI wichtige Rahmenbedingungen schlicht nicht berücksichtigt.

Erfahrene Entwickler, welche dies wissen, verwenden die KI als Hilfsmittel, um Ideen für Lösungsansätze zu sammeln. Die konkrete Implementierung kann in den meisten Fällen nicht einfach eins zu eins übernommen werden.
Auszubildende, die diese Erfahrungen jedoch nicht haben, kopieren oft den KI-Code direkt in die Software. Das kann man ihnen auch nicht wirklich vorwerfen, denn wie schon erwähnt, heutzutage liefert auch die Google-Suche nicht viel bessere Ergebnisse.

Mein Fazit

Ich denke, KI kann als Werkzeug sehr nützlich sein, aber sie sollte auch als solches eingesetzt werden. Sie sollte nicht in alles integriert und bedingungslos für alles verwendet werden, ohne nachzudenken und zu hinterfragen.

Kritisches Denken sollte nicht durch KI ersetzt werden.

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Dario Huzanic

Dario Huzanic ist Softwareentwickler bei der CONCORDIA und bloggt aus dem Unterricht des CAS Modern Software Engineering & Development.

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