Wenn Roboter leben und Menschen digital werden. Welche Rolle spielt der CDO?

Maschinen denken, lernen und entscheiden zunehmend selbstständig. Gleichzeitig optimieren wir Menschen uns mit Technik. Vom Fitness-Tracker bis zum Algorithmus im Arbeitsalltag. Die Grenze zwischen Mensch und Maschine verschmilzt. Doch was bedeutet das für Verantwortung, Ethik und Führung? Und welche Rolle spielt der Chief Digital Officer (CDO), wenn Effizienzgewinne plötzlich mehr psychologische und gesellschaftliche Folgen haben?

Die digitale Evolution des Menschen

Noch vor wenigen Jahrzehnten war künstliche Intelligenz (KI) reine Science-Fiction. Heute begleitet sie uns leise aber konstant. Sie beantwortet Fragen, empfiehlt Musik, steuert Heizungen, priorisiert Arbeitsschritte und trifft zunehmend Entscheidungen, die früher Menschen vorbehalten waren. Parallel dazu optimieren wir uns selbst. Wir messen Schlafzyklen, tracken Stresslevel und lassen uns von Algorithmen sagen, wie wir produktiver, gesünder oder leistungsfähiger leben sollen.

Was zunächst bequem wirkt, hat eine arbeitspsychologische Kehrseite. Menschen sollen Entscheidungen vertreten, deren Zustandekommen sie nicht mehr vollständig nachvollziehen können. Die Kontrolle verschiebt sich, vom handelnden Subjekt hin zu Systemen, die Optionen vorstrukturieren. Das entlastet, erzeugt aber auch Unsicherheit.

Wer trägt Verantwortung, wenn ein Algorithmus irrt?


Zwischen Entlastung und Kontrollverlust

KI weiss nicht, was sie tut. Sie folgt Wahrscheinlichkeiten, nicht Werten. Der Mensch hingegen spürt die Konsequenzen: emotional, sozial und moralisch. In Organisationen zeigt sich das in Entscheidungsstress, Verantwortungsdiffusion oder dem Gefühl, nur noch Ausführender eines Systems zu sein.

Für Chief Digital Officers ist das zentral: Digitalisierung ist kein IT-Projekt, sondern ein Eingriff in Rollenbilder, Wahrnehmung und Selbstwirksamkeit.


Zwischen Mensch und Maschine

Der Transhumanismus verfolgt die Vision, menschliche Grenzen durch Technologie zu überwinden. Vieles davon ist längst Realität: Herzschrittmacher, Cochlea-Implantate oder KI-gestützte Prothesen verbinden Körper und Maschine. In Forschungslaboren entstehen Gehirn-Computer-Schnittstellen, die Gedanken direkt in Befehle übersetzen.

Mit diesen Möglichkeiten verschieben sich moralische Grenzen. Ralf T. Kreutzer beschreibt in „Künstliche Intelligenz verstehen“, dass wir Maschinen entwickeln, die immer menschlicher wirken, während wir selbst zunehmend zu Daten werden. Effizienzgewinne gehen dabei oft mit einem Risiko der Entfremdung einher.

KI kann Expertise ergänzen, aber sie kann sie nicht ersetzen.


Werte im Wandel der Digitalisierung

Abbildung 2: Nachtspaziergang in Kyoto zwischen Kultur und Technologie (Quelle: Eigene Darstellung, 2025)
Abbildung 2: Nachtspaziergang in Kyoto zwischen Kultur und Technologie (Quelle: Eigene Darstellung, 2025)

Während einer Japanreise im Jahr 2025 wurde mir diese Ambivalenz besonders bewusst. In überfüllten Metros bewegten sich Menschen scheinbar teilnahmslos durch den Raum, vertieft in ihre Smartphones und doch funktionierte alles präzise, effizient und reibungslos. Technologie und Kultur bildeten eine beeindruckende Symbiose. Gleichzeitig wirkte es irritierend.

Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Sie soll dem Menschen dienen, nicht ihn ersetzen. Doch was passiert, wenn KI künftig darüber entscheidet, wer leistungsfähig genug ist, im Job, in der Medizin oder im Bildungssystem? Hier geraten Werte wie Autonomie, Privatsphäre und Würde ins Wanken.

Ethik darf hier nicht hinterherlaufen, stattdessen muss sie Orientierung geben.


Demografische Realität: digitale Ungleichheit

Während einige begeistert ihre Körper- und Leistungsdaten analysieren, kämpfen andere mit dem Zugang zur digitalen Welt. Der demografische Wandel verschärft diese Spaltung. Ältere Generationen drohen ausgeschlossen zu werden, während Jüngere selbstverständlich in hybriden Realitäten leben.

Digitalisierung funktioniert jedoch nur dann nachhaltig, wenn sie inklusiv ist. Zugang, Verständnis und Vertrauen sind keine technischen, sondern ethische Voraussetzungen.


Führung in einer transhumanen Zukunft

Als angehender Chief Digital Officer verstehe ich Digitalisierung nicht als technisches Projekt, sondern als kulturelle Transformation. Technologie ist ein Werkzeug und kein Ersatz für menschliches Urteilsvermögen.

Führung in einer KI-geprägten Arbeitswelt verlangt mehr als Datenkompetenz. Sie verlangt digitale Empathie: die Fähigkeit, technologische Innovation mit menschlichen Bedürfnissen, Ängsten und Werten zu verbinden. In Anlehnung an John Strelekys „The Big Five for Life“ bedeutet gute Führung, Sinn zu ermöglichen und nicht nur die Effizienz zu steigern.

Der CDO der Zukunft ist weniger Architekt von Systemen, sondern mehr Hüter von Verantwortung, Orientierung und Vertrauen.


Fazit

Technologie verändert uns, körperlich, geistig und gesellschaftlich. Fortschritt darf jedoch nicht bedeuten, dass wir uns selbst verlieren. Die wahre Kunst der digitalen Transformation liegt nicht darin, mehr Maschine zu werden, sondern menschlich zu bleiben. Gerade im Zeitalter der KI.

Dieser Blogbeitrag wurde mit Unterstützung von KI verfasst. Inhalt, Struktur und Haltung stammen vom Autor.

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Alain Martorell

Alain Martorell ist Gruppenleiter bei der Securiton AG und bloggt aus dem Unterricht des CAS Chief Digital Officer an der HSLU und beschäftigt sich intensiv mit digitaler Transformation, KI sowie Führungs- und Ethikfragen an der Schnittstelle von Technologie und Menschlichkeit.

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