Mobile Applikationen sollen auf Android- und iOS-Geräten gleichermassen funktionieren. Da beide Systeme jedoch unterschiedliche „Sprachen“ sprechen, müssten Apps klassischerweise doppelt entwickelt werden. Das ist aufwendig, teuer und erfordert oft zwei spezialisierte Entwickler-Teams.
Gibt es Alternativen? Ja! Man kann Apps so bauen, dass ein einziger Code auf allen Plattformen läuft.
Der hybride Ansatz: Einmal schreiben, überall nutzen
Bei hybriden Apps wird die Anwendung einmal entwickelt und für die jeweilige Plattform „übersetzt“. Nachteil der hybriden Apps ist, dass nur Funktionen genutzt werden können, die es auf allen Plattformen gibt.
Man unterscheidet drei Richtungen:
- Browser-basiert (Web View)
Die App ist im Grunde eine Webseite, die in einer nativen Hülle (einem Vollbild-Browser) läuft.
Beispiel: Capacitor, Ionic - NativeUI
Man entwickelt in JavaScript, aber die App nutzt die echten, nativen Bausteine des Betriebssystems.
Beispiel: ReactNative - Cross-Compiled
Die App bringt ihre eigene „Zeichen-Engine“ mit. Das Design sieht auf jedem Gerät exakt gleich aus, da die Elemente nicht vom System übernommen, sondern nachgebaut werden.
Beispiel: Flutter
Der Web-Ansatz: Die App ohne Store
Beim Web-Ansatz wird komplett auf eine native App und den App Store verzichtet.
- Web App
Eine moderne, für Mobilgeräte optimierte Webseite (oft als Single-Page-Application), die sich wie eine App anfühlt, aber im Browser bleibt. - Progressive Web App (PWA)
Die „Königsdisziplin“ im Web. Sie ist eine Web App, die zusätzliche Superkräfte besitzt: Sie kann offline funktionieren und wie eine echte App auf dem Startbildschirm installiert werden.
PWA vs. Native App: Was ist besser?
Eine PWA ist extrem effizient: Sie funktioniert auf Android, iOS und Desktop-Browsern gleichzeitig. Du entwickelst ein Produkt für drei (oder mehr) Plattformen.
Wann macht Native trotzdem Sinn?
Eine native App ist unschlagbar, wenn das Hauptaugenmerk auf maximaler Performance (z. B. 3D-Spiele) oder einer sehr tiefen Integration von Hardware-Schnittstellen liegt, die im Web noch nicht voll unterstützt werden.
Was kann eine PWA heute schon?
Viele denken, PWAs seien eingeschränkt. Doch moderne Browser unterstützen bereits:
- Nahtlose Authentifizierung (FaceID / Fingerabdruck)
- Push-Benachrichtigungen
- Offline-Funktionalität & Cloud-Sync
- Kamera & QR-Code Scanner
Das Herzstück einer PWA ist der Service Worker, mehr dazu findest du auf mdn.
Wo stösst eine PWA an ihre Grenzen?
Obwohl PWAs technologisch stark aufgeholt haben, gibt es nach wie vor eine „Gläserne Decke“, besonders im Apple-Ökosystem (iOS).
- Hardware-Zugriff
Native Apps haben uneingeschränkten Zugriff auf Sensoren und Schnittstellen. PWAs können zwar auf Kamera und GPS zugreifen, scheitern aber oft bei Bluetooth (Web Bluetooth), NFC oder sehr spezifischen Sensoren wie dem Barometer. - Hintergrund-Prozesse
Eine native App kann im Hintergrund Daten synchronisieren oder Standort-Updates senden, auch wenn sie nicht aktiv genutzt wird. Bei PWAs ist dies (besonders auf iOS) stark eingeschränkt, um Akku und Ressourcen des Browsers zu schonen. - Installation
Eine weiter Hürde ist die Installation ohne App Store. Benutzer sind gewohnt Apps über den App Store zu installieren. Es bedarf Schulung oder Installationshinweise auf der Webseite.
Fallbeispiel
Stell dir eine App für einen Kurierdienst vor: Während eine native App den Standort des Fahrers sekündlich an die Zentrale funkt, müsste eine PWA-Lösung mit Kompromissen kämpfen. Auf einem iPhone könnte der Browser den Standort-Zugriff stoppen, sobald der Fahrer zu einer anderen App wechselt. Hier wird deutlich: Für geschäftskritische Echtzeit-Prozesse im Hintergrund bleibt die native Entwicklung oft das Mass der Dinge.
Fazit: Wofür soll ich mich entscheiden?
Pauschal lässt sich das nicht beantworten. Die Wahl hängt von deinem Budget, den benötigten Features und den Kompetenzen deines Teams ab. Für die meisten Business-Anwendungen ist eine PWA oder ein hybrider Ansatz heute oft die wirtschaftlichere und schnellere Wahl.
Im Rahmen des Moduls „Multi-Platform & Progressive Web Apps“ wurde intensiv über solche Architektur-Entscheidungen diskutiert. Oft zeigt sich, dass nicht die „coolste“ Technologie gewinnt, sondern diejenige, die Kosten, Wartbarkeit und Nutzerbedürfnisse am besten in Einklang bringt.
Weiterführende Links zum Thema:
Hinweis: Dieser Blog-Beitrag wurde mit Unterstützung von KI erstellt
