Mit Google Scholar stellt Google seit langem die umfangreichste Datenbank für «wissenschaftliche» Beiträge bereit. Doch das Tool entwickelt sich weiter: Mit Scholar Labs und neuen KI-Funktionen im PDF-Reader wird die Recherche und das Lesen von Studien nun durch künstliche Intelligenz unterstützt.
Wahrscheinlich wirst du bei keiner anderen Datenbank so viele Treffer erhalten wie bei Google Scholar. Das deutet jedoch schon auf eine Problematik hin: Es ist nicht eindeutig definiert, was unter einen «wissenschaftlichen Beitrag» fällt. Google Scholar indexiert Beiträge aller universitätsnahen Internetseiten. Es kann passieren, dass du in deiner Trefferliste auch Präsentationen, graue Literatur, Seminar- oder Abschlussarbeiten findest.
Wichtig: Ob du eine gefundene Quelle in deiner Arbeit verwenden kannst, musst du individuell prüfen (siehe auch Bewerten von Informationsquellen).
Neu: Scholar Labs (KI-Suche)
Mit Scholar Labs führt Google eine experimentelle KI-Funktion ein, die darauf ausgelegt ist, komplexere Forschungsfragen direkt zu beantworten.
- Funktionsweise: Anstatt nur nach Schlagworten zu suchen, kannst du eine detaillierte Forschungsfrage eingeben (aktuell primär auf Englisch). Die KI analysiert die Frage, identifiziert Schlüsselaspekte und sucht nach passenden Papers.
- Synthese: Das Tool liefert nicht nur eine Liste von Links, sondern erklärt bei den Treffern kurz, wie das jeweilige Paper zur Beantwortung deiner Frage beiträgt.
- Deep Dive: Du kannst Folgefragen stellen, um bestimmte Nuancen zu vertiefen.
- Hinweis: Da es sich um eine «Labs»-Funktion handelt, ist sie experimentell und steht oft nur eingeloggten Nutzenden zur Verfügung.
Neu: KI im PDF Reader
Auch das Lesen von Artikeln wird effizienter. Der Google Scholar PDF Reader (als Browser-Erweiterung für Chrom verfügbar) bietet nun AI Outlines.
- Schneller Überblick: Die KI erstellt automatisch eine Gliederung mit den wichtigsten Punkten des Papers. So kannst du den Inhalt scannen, ohne den ganzen Text lesen zu müssen.
- Gezieltes Lesen: Klicke auf einen Punkt in der Gliederung, um direkt zur entsprechenden Stelle (z. B. Methodik oder Ergebnisse) zu springen.
- Verlinkungen: Zitate im Text sind oft direkt verlinkt, sodass du mit einem Klick die Vorschau der referenzierten Quelle siehst.
Bewährte Vorteile von Google Scholar
Trotz der neuen KI-Funktionen bleiben die klassischen Stärken bestehen:
- «Zitiert von»: Hier findest du Artikel, die deinen Treffer zitiert haben – ideal, um die aktuelle Diskussion zu einem Thema zu verfolgen (Schneeballprinzip).
- Autoren-Profile: Verlinkte Namen führen oft zu Profilseiten, auf denen du weitere Publikationen und Co-Autoren findest.
- Kennzahlen: Der h-Index und andere Metriken geben Hinweise auf den Einfluss von Zeitschriften und Forschenden.
Was du beachten solltest
- Zugriff: Auch wenn die Suche kostenfrei ist, sind viele Volltexte kostenpflichtig. Stelle sicher, dass du dich im Netz deiner Hochschule (VPN/WLAN) befindest, um auf lizenzierte Inhalte zugreifen zu können.
- Versionen prüfen: Unter «alle Versionen» findest du manchmal frei zugängliche Preprints oder Manuskripte von Artikeln, die sonst hinter einer Paywall liegen.
Tipp: Nutze die Browser-Erweiterung LibKey Nomad, um noch schneller und zuverlässiger auf die Volltexte deiner Bibliothek zuzugreifen.
Video-Tutorials zur Recherche in Google Scholar
Video zur neuen KI-Funktion: Neue Google Scholar AI Features im Test
Tutorial der ZHB Luzern: Wie suche ich nach Literatur in Google Scholar? – YouTube
Tutorial Google Scholar: Use Google Scholar for academic research: Google Scholar search tips & tricks – YouTube
