„Fear of losing motivates more than gaining.“
Stand-up Meeting, 19. Jan. 25 mit Yolanda Zaugg (ZLLF) und André Thomas
Starten wir mit den Rahmenbedingungen: Studierende erhalten zu Beginn des Semesters eine Note und klare Erwartungen, wie sie diese Note halten können. André Thomas und Yolanda Zaugg zeigten, wie diese unkonventionelle Bewertungsmethode Studierende dazu bringt, im Unterricht anwesend zu sein, pünktlich zu erscheinen und die Projektaufgaben zu erledigen: Statt sich zunächst auf Prüfungen konzentrieren zu müssen, erhalten im projektbasierten Modul alle Studierenden zu Beginn die zweithöchste Note (in der Regel eine 5,5). Diese behalten sie, sofern sie aktiv am Unterricht teilnehmen und ihre Projekte sorgfältig planen und umsetzen.
Höhere Motivation
Ohne Notendruck wird besser gearbeitet und Studierende sind motivierter. Die Theorie sieht dafür zwei Gründe: Erstens, die Angst vor Verlust motiviert mehr, als die Aussicht, etwas (gute Note) mit viel Aufwand zu gewinnen (Loss Aversion Theorie). Während Loss Aversion eine höhere Motivation erklärt, zeigt die Self-Determination Theorie, wie die gemeinsam vereinbarten Ziele zum anhaltenden und internalisierten Engagement der Studierenden beiträgt. André Thomas und Yolanda Zaugg haben die Erkenntnisse aus dem Modul in einem Konferenzbeitrag dokumentiert [Link]
André führt seinen Unterricht projektbasiert (BSc ImTech: LAB_SG). In einem Learning Contract legt er jeweils gemeinsam mit jeder/jedem Studierenden individuelle Zielvereinbarungen fest; Präsentationen zur Zielerreichung ersetzen die Prüfungen. In diesen Präsentationen muss reflektiert werden, ob und wie die vereinbarten Ziele erreicht wurden, und wenn nicht, warum. Studierende sind also aufgefordert, selbst nachzuweisen, wie und ob sie die individuellen Lernzielen erreicht haben. Bei Gruppenarbeiten werden zusätzliche persönliche Lernziele definiert.
Ein gleichzeitig entlastender und anspruchsvoller Ansatz
Nach den Ausführungen von Yolanda Zaugg und André Thomas folgt eine lebhafte Diskussion über den projektbasierten Unterricht. Für die anwesenden Dozierenden ist der projektbasierte Ansatz gleichzeitig entlastend und anspruchsvoll: Entlastend, weil der Fokus auf dem Erarbeiten statt auf den Ergebnissen und Prüfungen liegt. Anspruchsvoll, weil das Lehrformat sorgfältige formulierte Lernvereinbarungen und regelmässiges Coaching bedingt. Eingewendet wird deshalb, dass der zeitliche Aufwand für die Formulierung von klaren, und beobachtbaren Lernzielen sowie das kontinuierliches Coaching der Studierenden hoch sein kann. Bei einer Klassengrösse von mehr als 20 Studierenden wären vermutlich Unterrichts-Assistierende erforderlich.
Mehrwert für die Studierenden
Projektbasierter Unterricht ist für viele Fächer möglich (auch für Mathematik) und wird von Studierenden geschätzt. Allerdings können sie in frühen Semestern auch mit der Verantwortung für ihren Lernfortschritt überfordert. Der Mehrwert des Format zeigt sich auch auch ausserhalb der Hochschule: In der Industrie und Wirtschaft zählt ein konkret umgesetztes Projekt oft mehr als eine Note.
Interessant ist auch ein Kommentar auf die Feedback-Kultur: Wenn Studierende wählen dürfen, bevorzugen sie mehrheitlich kurzes, persönliches Feedback gegenüber KI-gestützten Rückmeldungen.
In diesem Zusammenhang zum Schluss etwas Werbung für die ZLLF-Angebote: Studierenden-Coaching oder Projekt-Beurteilungen werden in verschieden Kursen thematisiert. Ausserdem ist individuelle Coaching auf Anfrage verfügbar.
Weiterführende Links
- Deci, E. L., & Ryan, R. M. (1985). Intrinsic motivation and self-determination in human behavior. Springer Science & Business Media.
- McEvoy, D. M. (2016). Loss Aversion and Student Achievement. Economics Bulletin, 36(3), 1762–1770.
Link zu den Folien von André Thomas und Yolanda Zaugg
Link zur Aufnahme des Stand-up Meetings