Soziale Arbeit digital – was denken Studierende?

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Das hat Benedikt Geyer, Sozialarbeiter und „medienaffiner digital native“, sich (und Studierende) Ende Oktober auf dem Barcamp Soziale Arbeit in Siegburg auch gefragt. Entstanden ist ein u.a. ein Gespräch mit Studierenden, das teils überraschende, teils ernüchternde Perspektiven auf Digitalisierung und Soziale Arbeit bzw. auch auf die Ausbildung von Sozialarbeitenden an Hochschulen bietet:

Bezogen auf das eigene Studium gelten Emails  als absurd, man fragt sich, warum es immer noch keine App gibt, in der man alle Leistungsnachweise auf einen Blick hat. Facebook gilt als veraltet, unpersönlich und träge. Genutzt wird es von Studierenden, um sich über Nachrichten auf dem Laufenden zu halten und mitzubekommen, was an der Hochschule läuft. Das klingt nicht unbedingt sehr positiv für die Hochschule… Andererseits gibt es hier vermutlich (fast) so viele Meinungen, wie es Studierenden gibt; das Nebeneinander verschiedenster Ideen und Schrumpfen sg. Expertentums ist ja gerade ein Aspekt der Digitalisierung. Dennoch: Wenn sich Soziale Arbeit an die Lebenswelten ihres Klientel orientieren soll, dann sollte Hochschule sich an ihrer Zielgruppe tun; und das sind eben in erster Linie Studierende. Insofern ist die Meinung der Studierenden durchaus ernstzunehmen.

Spannend sind ihre Ideen auch im Bezug auf die Praxis: Die Soziale Arbeit sei viel zu wenig in sozialen Medien präsent; das sei sowohl für den Bezug zu ihrer Zielgruppe als auch im Hinblick auf ihr (politisches?) Potential bedenklich; schliesslich „studiert man Soziale Arbeit nicht einfach so, da ist schon mehr dahinter“. Dazu muss sie in der heutigen Gesellschaft ihr Potential auch medial nutzbar machen. Von den Professor_innen wünschen sich die Studis mehr Raum für das Thema Digitalisierung; zur Frage wie sie soziale Medien später in ihrem Beruf einsetzen können gebe es an der Hochschule „überhaupt nichts“.  Und die Praxis? Hier ist „Mut“ gefragt, vor allem von denjenigen, die nicht mit sozialen Medien aufgewachsen sind. Mut, in diese Welt einzutreten und sie zu entdecken und sich die Zeit dazu nehmen.
Klingt doch plausibel und eigentlich ganz einfach, oder?

Und zum Schluss kommt seitens der Studierenden noch der Aufruf an die Soziale Arbeit endlich das WIE anzugehen und die leidlichen Diskussionen, OB sich soziale Arbeit mit Digitalisierung beschäftigen sollte, zu beenden. Der Profession hängt hier offensichtlich der Ruf der Spätzünderin nach.

Klar, das hat auch positive Seiten, aber im Bezug auf Digitalisierung sind Hochschule und Praxis schon sehr zögerlich unterwegs. Trotzdem, persönlich habe ich den Eindruck, dass es in der Praxis durchaus viele Ideen und Projekte in diese Richtung gibt; Onlineberatung mit Avataren, Beratungsapps oder virtuelle Landkarten für Rollstuhlfaher_innen sind nur einige Beispiele. Vielleicht sind es aber bisher eher Leuchtturmprojekte; in der Breite scheint Soziale Arbeit sich noch wenig mit Digitalisierung auseinanderzusetzen. Und die Strukturen an der Hochschule sind für gewöhnlich recht träge, es ist nachvollziehbar, dass die Studierenden eine Auseinandersetzung und entsprechendes Commitment der Dozierenden vermissen. Es stimmt in jedem Fall positiv, dass die nächste Generation von Sozialarbeitenden das Thema sicher vorantreiben wird, bleibt zu hoffen dass sie dazu auch jetzt schon Räume dazu finden und ihre Anliegen auf Gehör stossen.

Und was sagen die Studierenden an der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit zum Thema? Das wäre doch eine Diskussion (und ein Video?) wert, oder?

annika.henrizi

P.S. Das ganze Video ist auf youtube anzuschauen und mittlerweile  längst in sämtlichen sozialen Medien und Netzwerken geteilt, geliket und so weiter…

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