ETHEL-Projekte: „KI ist ein Werkzeug – kein Dozierender“
Stand-Up, 4. März 2026, Expertentalk mit Gerd Kortemeyer zum ETHEL-Projekt, Moderation Astrid Gelbke (Dozentin Weiterbildung HSLU I)
Gerd Kortemeyer führt uns in einen erfrischend direkten und ehrlichen Beitrag. Erfrischend, weil Gerd Kortemeyer gleich zu beginn betont: Der Chatbot ist ein Werkzeug – kein Dozierender. Und ehrlich, weil er unterstreicht, dass Vereinsamung ein Problem werden kann, wenn Studierende nur noch mit KI-Tutoren üben. Es fehlt dann das Gegenüber im Lernprozess. Mit anderen Worten: Peers und Dozierende erhalten durch KI-Tutoren im Grunde eine grössere Bedeutung, als sie bisher hatten.

Was ETHEL bietet:
ETHEL bietet massgeschneiderte Chatbots mit RAG-Anbindung. Als Hauptnutzen betont Gerd Kortemeyer jedoch die Beurteilung von Prüfungen mit Lösungswegen, was auch für eine sehr hohe Anzahl Studierender möglich ist. Statt drei Wochen dauert die KI-Korrektur einen Tag und ist inzwischen auch sehr verlässlich. The „human in the loop“ sind in diesem Fall die Studierenden selbst, denn sie haben ein Veto-Recht. Wird von Studierenden ein Veto eingelegt, beispielsweise, weil sie sich mehr Punkte im Lösungsweg erhofft hatten, wird der Teil der Aufgabenstellung von Assistierenden noch einmal geprüft.
ETHEL bietet einen Zusatznutzen für Studierende mit Sehbeeinträchtigung: Unbeschriftete Folien können in zugängliche Hörtexte umgewandelt werden.
ETHEL Conceptual Framework:
Was wir sonst noch über ETHEL wissen sollten
- Kosten: ETHEL selbst ist Open Source und kann kostenlos genutzt werden. Für den Betrieb braucht es jedoch eine Anbindung an ChatGPT über Azure AI. Dafür fallen Kosten an, die davon abhängen, wie intensiv die Studierenden das System nutzen. Die HSLU verfügt bereits über eine Azure-Lizenz.
- Datenschutz: ETHEL an sich speichert keine Daten und verwendet keine Inhalte der Nutzerinnen und Nutzer. Beim angebundenen Sprachmodell ChatGPT verlässt man sich auf die vertraglichen Regelungen mit dem Anbieter. Zusätzliche Sicherheit bietet wohl die Tatsache, dass sich die Server in Europa befinden.
- Technische Einbindung: ETHEL nutzt im Hintergrund ChatGPT, weil dieses über Azure AI von Microsoft innerhalb desselben vertraglichen Rahmens bezogen werden kann. Das würde grundsätzlich auch für unsere Institution gelten.
- Austausch Sprachmodell: Das Sprachmodell im Hintergrund lässt sich relativ einfach wechseln, da die Modelle grundsätzlich austauschbar sind. Das ETH-Apertus-Modell wurde nicht verwendet, weil es derzeit etwa auf dem Entwicklungsstand von ChatGPT 3.5 ist. Es unterstützt deshalb keine multimodalen Funktionen. Die Verarbeitung von Grafiken oder Bildern wäre damit nicht möglich. Open-Source-Modelle von chinesischen Unternehmen können für Firmen teilweise eine günstige Alternative sein, für Hochschulen ist deren Einsatz jedoch politisch heikel.
- Chatbots im Unterricht: Die Chatbots basieren auf Kursmaterialien, Folien und auch auf früherem Prüfungsmaterial. Dabei greifen sie nur auf die Konzepte des jeweiligen Kurses zurück. Teilweise werden sie didaktisch angepasst; zum Beispiel können sie zwei Antworten geben: eine direkte Antwort und zusätzlich eine Rückfrage, die Studierende dazu anregt, selbst über eine Lösung nachzudenken. Chatbots können auch beliebig viele Übungsaufgaben generieren. Zusätzlich lassen sich Tools für Abstimmungen integrieren, die etwa während des Unterrichts eingesetzt werden können.
Was ist aktuell an der HSLU I geplant?
AIML veranlasst derzeit die Einrichtung eines ETHEL-Dienstes. Parallel dazu entwickeln Martin Vogel und Jürg Nietlispach prototypisch einen KI-Tutor mit Socratic Prompting für ihre Python-Module. Eine Studierendenarbeit kläre aktuell Detailanforderungen (siehe Projekte). Die in diesen Projekten gewonnenen Erfahrungen werden uns helfen, die Anforderungen an solche Tools künftig noch besser zu verstehen.
Ein kleiner Fun Fact zum Schluss: „Agenten kommen nicht auf meinen Rechner“, sagt der KI-Experte Gerd Kortemeyer.
Aufnahme zum Stand-Up auf SharePoint
Folien von Gerd Kortemeyer
